Samsung hebt weiter ab, auch SK Hynix profitiert von schwindelerregenden Speicherpreisen, Seagate reiht sich ein und Gewinnmitnahmen bei Micron trüben den Eindruck kaum
Die Speicherkrise scheint noch größer als gedacht auszufallen
Dass die Preise für DRAM und NAND bereits im vergangenen Quartal unkontrolliert in die Höhe geschossen hat, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Auch ist an den Märkten längst eingepreist, dass die Lage sich in absehbarer Zeit kaum beruhigen dürften. Nun warnen Experten sogar davor, dass die Preise noch schneller und heftiger als gedacht weitersteigen könnten.
Zu diesem Schluss kommt eine gestern veröffentlichte Prognose von Trendforce. Dort heißt es, dass für das laufende Quartal bei DRAM Preissteigerungen von 90 bis 95 Prozent zu erwarten seien. Zuvor wurde „nur“ ein Aufschlag von bis zu 60 Prozent erwartet. Noch schlimmer sollen sich die Endverbraucherpreise entwickeln, bei denen ein Plus von bis zu 110 Prozent erwartet wird. Das ist schlecht für zahllose Unternehmen und die Nutzer, aber eine gute Nachricht für Speicherhersteller wie Samsung (KR7005930003).
Entsprechend zeigten die Anleger sich begeistert und die Samsung-Aktie legte am Dienstag zeitweise um mehr als elf Prozent zu. Dass s im frühen Handel am Mittwoch zunächst um 1,7 Prozent auf 164.500 Won zurück in Richtung Süden geht, fällt da kaum weiter auf. Es bleibt bei einem fast schon unheimlichen Chartbild, das seit Jahresbeginn Aufschläge von knapp 40 Prozent erkennen lässt. Zudem konnte am Dienstag der höchste Tagesgewinn seit knapp 18 Jahren realisiert werden.
SK Hynix kommt nicht hinterher
Zahlen aus der Branche heizten die Stimmung weiter an und so bestätigt sich der Verdacht, dass auch SK Hynix (KR7000660001) mit der Produktion gar nicht mehr hinterherkommen dürfte. Das gibt dem Unternehmen freie Hand, um die Margen in bisher ungeahnte Höhen zu schrauben, ohne dass es der Nachfrage schaden würde. Eine sehr viel bessere Ausgangslage könnte es kaum geben.
Die Aktie von SK Hynix folgte daher dem Beispiel von Samsung, wenn auch in einem leicht geringeren Tempo. Am Mittwoch startete das Papier mit rund 890.000 Won in den Handel und blickt auf eine ähnlich steile Aufwärtskurve. Auf 12-Monats-Sicht legte der Aktienkurs bereits um wahnwitzige 370 Prozent zu und ein Ende dieser Entwicklung scheint nicht in Sich zu sein.
Seagate: Profiteur in der zweiten Reihe?
Seagate (IE00BKVD2N49) gehört zwar nicht zu den Herstellern von Speicherchips. Doch die Mangellage bei SSDs strahlt längst auch auf Festplatten über, welche sich im Preis ebenfalls deutlich gesteigert haben. Das sorgt dafür, dass die lange Zeit eher stiefmütterlich behandelte Seagate-Aktie wieder vermehrt Aufmerksamkeit auf sich lenken kann. Die Börsianer vermuten eine einmalige Gelegenheit und ließen den Kurs gestern um weitere 2,7 Prozent auf 444,45 US-Dollar ansteigen.
Die Rallye begann mit einiger Verzögerung im direkten Vergleich zu Samsung und Konsorten. Dadurch bedingt ist der Sprung im laufenden Jahr umso größer. Ganze 61,4 Prozent an Kursgewinnen konnten bereits erreicht werden, inklusive zeitweise neuer Allzeit-Hochs. Gesetzt wird auch hier klar darauf, dass Nachfrage und Preise weiter ansteigen werden. Schließlich dürfte mancher Verbraucher, der sich eine SSD nicht mehr leisten kann oder will, vielleicht eher mit dem Kauf von Festplatten liebäugeln. Letztere kommen zudem auch weiterhin in Rechenzentren gerne und häufig zum Einsatz.
Micron kann Gewinnmitnahmen verschmerzen
An den US-Börsen scheint die Euphorie gestern etwas weniger ausgeprägt ausgefallen zu sein, was auch mit der Zeitverschiebung zu tun haben könnte. Woran auch immer es gelegen haben mag: die Aktie von Micron (US5951121038) konnte letztlich nicht mit weiteren Kursexplosionen dienen. Stattdessen wurden hier allem Anschein nach Gewinne mitgenommen und die Kurse gaben um 4,2 Prozent auf 419,44 Dollar nach. Bei manch anderem Titel wäre das bereits ein veritabler Einbruch.
Im Falle von Micron ändert sich am Chartbild aber kaum etwas. Mit einem Plus von 47 Prozent seit Jahresbeginn kann das US-Unternehmen die Konkurrenz aus Südkorea sogar noch übertrumpfen. Die Bullen sitzen also auch hier klar am längeren Hebel und solange die Speicherpreise weiter anschwellen, wird die Aktie diesem Beispiel sehr wahrscheinlich folgen.
Hype mit Ablaufdatum
Die Speicherkrise führt an der Börse zu einem regelrechten Hype, und das nicht ohne Grund. Es darf damit gerechnet werden, dass die Hersteller bislang beispiellose Quartalszahlen schreiben werden. Die gegenwärtigen Erwartungen könnten sogar noch etwas niedrig angesetzt sein. Gleichzeitig ist aber auch bereits klar, dass der Boom mit einem Ablaufdatum versehen ist. Zwar haben wir es nicht mit dem gewöhnlichen Schweinezyklus zu tun. Doch die Kapazitäten werden unter Hochdruck hochgefahren und in China bringt sich bereits neue Konkurrenz in Stellung. Es braucht nicht viel Fantasie, um eine vollkommen veränderte Ausgangslage in ein oder zwei Jahren kommen zu sehen. Bis dahin segeln die Speicherhersteller aber wohl erst einmal auf der Erfolgswelle.
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04.02.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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