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Manipuliert die Schweizer Notenbank den Schweizer Franken?

Gerangel um SNB-Interventionen zur Franken-Schwächung

 

Der Vorwurf wird bislang nicht wirklich ins Rampenlicht der Aufmerksamkeit geschoben. Aber die Gefahr, dass die USA die Schweiz als Währungsmanipulator behandeln, könnte zu Turbulenzen nicht nur in den politischen Beziehungen, sondern auch auf dem Devisenmarkt führen. Denn seit Januar ist die Schweiz wieder auf der Beobachtungsliste der potenziellen Währungsmanipulatoren des US-Finanzministeriums.

Neben China stehen auf der Beobachtungsliste auch Deutschland, Irland, Italien, Japan, Malaysia, Singapur, Südkorea und Vietnam. Erst im Jahr 2018 war die Schweiz von dieser Liste gestrichen worden.

Die letzten Zahlen zur Interventionstätigkeit der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im 1. Halbjahr 2020 bieten nun neuen Zündstoff. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hat die SNB im 1. Halbjahr 2020 90 Mrd. Schweizer Franken am Devisenmarkt eingesetzt, um eine Aufwertung der Landeswährung zu bremsen.

Allein im 2. Quartal 2020 wurden für 51,5 Mrd. Franken Fremdwährungen gekauft. Dies geht aus den neuesten von der Notenbank veröffentlichten Bilanzdaten hervor. Bereits im 1. Quartal 2020 hatte die SNB mit 38,5 Mrd. Franken interveniert.

Die Währungshüter setzten neben Negativzinsen zuletzt immer stärker auf Devisenmarktinterventionen, um einer Aufwertung des aus ihrer Sicht hoch bewerteten Franken entgegenzusteuern, und sind auch künftig zu weitreichenden Eingriffen bereit. Denn die Schweizer Devise ist in unsicheren Zeiten bei Investoren als sicherer Hafen gefragt. Das treibt den Wechselkurs hoch und verteuert Schweizer Waren im Ausland - und schadet somit der exportorientierten Wirtschaft des Landes. Die Hauptexportwährung Euro, die im Zuge der Coronavirus-Krise im Mai vorübergehend auf den tiefsten Stand seit dem Frankenschock im Jahr 2015 gesunken war, kostet aktuell rund 1,0805 Franken.

Im Vorjahr hatte die SNB für insgesamt 13,2 Mrd. Franken Fremdwährungen gekauft. Die Notenbank hatte jüngst angekündigt, künftig quartalsweise über ihre Eingriffe am Devisenmarkt zu informieren.

 

 

Ein Blick auf die Entwicklung des Wechselkurses des Schweizer Franken zum Euro seit der Finanzkrise 2008/2009 zeigt die massive Aufwertung des Franken bis Mitte 2011 und am 15.01.2015 sowie seine anschließende Teilerholung.

Auf Wochencandle-Basis zeigt sich, dass die SNB den Franken wohl zu einem charttechnisch heiklen Zeitpunkt geschwächt haben dürfte. Denn im Zuge des Corona-Schocks von März bis Mai 2020 fiel der Euro unter seine Unterstützung vom Jahresbeginn 2017. Das Risiko eines Rückganges bis in den Bereich von 1,035 Franken je Euro war damit enorm gestiegen.

 

 

Fazit

 

Das währungspolitische Luxusproblem der Schweiz, einem permanenten Aufwertungsdruck gegenüber zu treten, generiert nicht nur (seit Jahrzehnten) einen Effizienzdruck auf die Schweizer Exportindustrie, sondern auch anhaltende schwelende Kollateralschäden in der Währungspolitik. Hinzu kommen die enormen Devisenbestände, insbesondere an Euro. Damit kauft sich die Schweizerische Nationalbank potenziell auch Turbulenzen ein, die bei erneuten Zweifeln am Fortbestand des Euros, wie die Geschichte seit der Finanzkrise 2008/2009 lehrt, zu erwarten sind.

Der weitere starke Anstieg des Target-2-Saldos Deutschlands passt in dieses Risikoszenario. Denn selbst wenn dieser so politisch ungefährlich ist, wie die EZB gebetsmühlenartig behauptet, so ist er in den Augen der Marktteilnehmer möglicherweise neben der Spiegelung von EZB-Interventionen am Anleihemarkt sehr wohl ein Indiz für realwirtschaftliche Asymmetrien, welche zu den Geburtsfehlern des Euro gehören und die sich seither nicht verkleinert haben. Prof. Hans Werner Sinn hat auf dieses Problem seit Jahren hingewiesen, ebenso wie auf die Notwendigkeit der Anpassung der falschen relativen Güterpreise in Südeuropa. Dies wird auch ein EU-Corona-Wiederaufbaufonds nicht lösen. Dies geht nur über offene oder reale Abwertungen.

Der Schweizer Franken erscheint aus dieser Perspektive wie ein Ball, den man ständig versucht, unter Wasser zu drücken. Nur bedarf es dabei einem permanenten Ankämpfen gegen die Physik. Man wird sehen, ob der Franken nicht schon bald wieder den Gegendruck der SNB überwindet.

 

08.10.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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