Novo Nordisk mit schwachem Jahresbeginn – Amazon erhöht erneut die CapEx-Prognose
Amazon plant Investitionen von rund 200 Milliarden US-Dollar in KI-Projekte
Novo Nordisk enttäuscht mit schwachen Quartalszahlen und dennoch bleiben Aktionäre hoffnungsvoll. Amazons Rekordinvestitionen fressen nahezu alle zukünftigen Gewinn.
Novo Nordisk (DK0062498333) war der große Shootingstar im europäischen Aktienumfeld seit 2020. Der dänische Pharmariese hatte die Anwendung von Diabetesmedikamenten als Abnehmmedikament entdeckt und schlau vermarktet. In der Folge nahmen die Umsätze bei Novo Nordisk stark zu und auch die Bewertungsfaktoren, waren schnell in andere Gebiete angekommen. Während die Aktie jahrelang als stabiler Pharmaplayer mit Dividende angesehen wurde entwickelten sich die Bewertungsmultiples in der Folge schnell in die Richtung von waschechten Wachstumsunternehmen.
Nach einem schwierigen Jahr 2025 mit internen Unruhen durch den Wechsel des Konzern-Chefs und der zunehmenden Konkurrenzsituation korrigierte die Aktie im Verlauf des Jahres stark. Zum Ende des Jahres konnte das neue Management durch einige Forschungserfolge, wie die Zulassungsbestätigung einer oralen Abnehmpille gerade wieder das Vertrauen der Anleger zurückerlangt, da kam es durch die Quartalszahlen zu einer erneuten deutlichen Korrektur.
Auf den ersten Blick sahen die Quartalszahlen eigentlich solide aus und zeigten auch einige positive Tendenzen, doch der Ausblick für das laufende Jahr schockte die Anleger. So verkündete das Management, dass man im Jahr 2026 einen Umsatz- und Gewinnrückgang von 5 % bis 13 % für realistisch halte. Erstmal seit fast 10 Jahren erwartet Novo Nordisk nun also ein schwächeres Jahr. Grund für diese schwachen Aussichten sind vor allem die regulatorischen Maßnahmen der aktuellen US-Regierung. Diese plant eine Preisanpassung an andere Industriestaaten, da die Preise in den USA weit über den Durchschnitt lagen. Dies sorgt für eine schwächere Marge besonders bei den beliebten Abnehmmedikamenten Wegovy und Ozempic. Die staatlichen Programme und höheren Rabattforderungen von US-Versicherern reduzieren die Marge weiter.
Der große Konkurrent Eli Lilly (US5324571083) hat mit dem eigenen Abnehmprodukten Zepbound Marktanteile gewonnen und wächst besonders im wichtigen US-Markt stärker als Novo Nordisk. Problem ist dabei, dass in den USA auch der Patentschutz für den Wirkstoff Semaglutid, die Kernsubstanz von Wegovy und Ozempic, abläuft. Dies erleichtert die Produktion von Generika und Nachahmerprodukte und könnte für zusätzlichen Preisdruck sorgen.
Aktuell sorgt zudem der ehemalige temporäre Vertriebspartner Hims&Hers für zusätzlichen Abwärtsdruck. Das Unternehmen verkündete Ende der letzten Woche die Einführung einer preiswerten, oralen Alternative zu den Produkten von Eli Lilly und Novo Nordisk. Allerdings hat Hims&Hers (US4330001060) noch keine Zulassung der FDA erhalten. Zumal einige Experten bereits die Wirksamkeit und die Bioverfügbarkeit des Produkts in Frage gestellt haben. Laut den Experten können die Produkte ohne die geeignete Umhüllung einfach im Magen abgebaut werden und damit keinerlei Wirkung entfalten könnten.
Novo Nordisk erhält allerdings bereits Rückendeckung von der FDA, die direkt intervenierte und versprach schnell gegen die Massenvermarktung von potenziellen Präparaten vorzugehen, die gegen Patentregulatoriken verstößt. So könnten diese Eingriffe auch Hims&Hers treffen, die bereits öffentlich damit geworben haben, die gleichen Inhaltsstoffe wie Wegovy zu besitzen.
Amazon mit Rekordinvestitionen
Amazon (US0231351067) überzeugte bei der Vorlage des letzten Zahlenwerkes mit starken operativen Zahlen. Besonders die Cloud-Sparte AWS wächst mit starkem Tempo und überzeugte im vierten Quartal mit einem Jahreswachstum von 24 %. Auch die Umsätze durch Werbung auf etwa Amazon Prime-Video konnten ein starkes Wachstum vorweisen und wuchsen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 22 %. Auch im Hinblick auf die Konzernentwicklung konnten die Vorgaben der Analysten leicht übertroffen werden. Dennoch sackte die Amazon-Aktie im Handel um rund 7 % ab.
Grund hierfür waren die nochmals erhöhten Investitionen in den nächsten Jahren. Amazon plant laut eigener Aussage mit CapEx von rund 200 Milliarden US-Dollar in den nächsten drei bis fünf Jahren. Die Investitionen sollen dabei primär in die Bereiche KI-Chips, Rechenzentren, Robotik und das Satellitenprojekt Leo fließen. Damit wäre Amazon selbst unter den US-Unternehmen der ausgabenfreudigste Kandidat. Alphabet (US02079K3059) plant im gleichen Zeitraum Investitionen von rund 180 Milliarden US-Dollar und Apple (US0378331005) möchte sogar nur 13 Milliarden investieren und verlässt sich eher auf starke Partnerschaften.
Auch in der Vergangenheit lagen die Investitionsausgaben von Amazon oft deutlich über dem Branchendurchschnitt. Doch auch in den vorherigen Investitionszyklen hat es Amazon geschafft diese Ausgaben erfolgreich an die Kunden weiterzugeben. Nach den Phasen von hohen CapEx stiegen sowohl die Margen als auch die Gesamtprofitabilität deutlich. So bleibt vor allem der daraus entstandene Cloud-Bereich AWS der Wachstumstreiber im Konzern. Auch das Geschäft mit dem Design von eigenen leistungsstarken Chips scheint langsam die ersten Früchte zu tragen und konnte in den letzten Quartal deutlich ausgebaut werden.
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13.02.2026 - Christian Teitscheid

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