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Rand bald außer Rand und Band?

Südafrikanischer Rand läuft auf Entscheidung zu

 

Ein Blick auf die Entwicklung des südafrikanischen Rand gegen den US-Dollar zeigt zunächst nichts Neues. In Wellenbewegungen wertet der Rand ab. Die letzte große Abwertungsbewegung resultierte aus dem Terms-of-Trade-Schock, den die fallenden Rohstoffpreise verursachten. Das Allzeithoch des Dollar gegen den Rand fällt deshalb mit der Bodenbildung der Rohstoffe im Januar 2016 zusammen.

Seither hat der Dollar wieder korrigiert und dabei das untere Ausbruchsniveau bei 12 Rand je Dollar erreicht. Danach drehte der Rand wieder ab und der Dollar wertete wieder bis auf aktuell 14,57 Rand je Dollar auf.

 

Rand long term

 

Ein Blick auf einen kürzeren Chart zeigt, dass der Rand gegen den Dollar in einen Keil hineinläuft, der seine Seitwärtskonsolidierung beenden dürfte. Bei der hohen historischen Volatilität ist es nun aber unwahrscheinlich, dass der Rand lange schwankungsarm seitwärts läuft. Vielmehr ist ein Impuls zu erwarten, der ähnlich dem Ketchupflaschen-Effekt aufgestaute Energie freisetzt und zu einem Ausbruch aus dem Konsolidierungskeil in die eine oder andere Richtung führt.

 

Rand mittelfristig

 

Woher könnte aber der nächste Impuls, der über den zukünftigen Trend entscheidet, kommen? Ist es ein Impuls, der den langfristigen Abwertungstrend bestätigt? Dann müsste der Rand nach oben ausbrechen und gegen den Dollar beschleunigt abwerten. Oder welcher Aufwertungsimpuls könnte den Rand gegen den Dollar stärken?

 

Black Empowerment oder Black Disempowerment?

 

Ein Blick auf die Lage in Südafrika lässt einen schnell fündig werden. Der Afrikanische Nationalkongress (ANC) regiert das Land seit 1994. Und Nelson Mandela würde sich wohl im Grabe umdrehen, wenn er das Ausmaß an Korruption und Vetternwirtschaft sähe, welches die Wirtschaft Südafrikas lähmt. Letztes Beispiel: Die von der Pleite bedrohte nationale Fluggesellschaft South African Airways (SAA). Black Empowerment in der Kurzschluss-Variante! Der Kampf um Einfluss und Pfründe stellt auch den südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa vor eine Bewährungsprobe. Denn die starken Gewerkschaften haben ihm mit an die Macht geholfen, womit er bei einem Konflikt sozusagen an dem Ast sägt, auf dem er politisch sitzt.

Der kommende Konflikt mit den Gewerkschaften beim staatlichen Strommonopolisten Eskom hat zudem das Zeug, eben jenen bereits erwähnten Abwertungsimpuls zu generieren. Denn dessen Schuldenlast betragen fast 30 Mrd.  Dollar bzw. fast 9 % des BIP Südafrikas. Derweil sind die Staatsschulden auf ein nicht mehr nachhaltiges Niveau gestiegen, und das Wachstum wird wohl bei rund 0,5 % in diesem Jahr liegen, und bis 2022 nur bis auf 1,7 % steigen. Damit lässt sich kein Abbau der Armut und der hohen Arbeitslosigkeit erreichen.

 

Fazit

 

Südafrika schlittert in eine ,,Politik-Verflechtungsfalle‘‘ der destruktiven Art hinein. Die externe Finanzierung durch den IWF dürfte politisch nur schwer durchzusetzen sein. Effizienz ist bei Vetternwirtschaft und Gewerkschaftsegosimen keine selbstbegründende Verhandlungskategorie. Wie aber Südafrika seine immer höheren Schulden mit immer weniger Wachstum finanzieren will, bleibt sein Geheimnis. Der südafrikanische Rand entwickelt sich damit langsam aber sicher wieder zu einer Hochrisiko-Währung.

 

09.12.2019 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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