Einmal mehr legt TSMC Rekordzahlen vor und verspricht noch mehr Wachstum, doch die hohen Erwartungen der Märkte scheint man damit nicht zu erfüllen
Meckern können Anleger bei TSMC nur auf allerhöchstem Niveau
Faktisch hat TSMC bei KI-Beschleunigern der neuesten Generation ein Monopol. Kein anderes Unternehmen ist derzeit in der Lage, entsprechende Chips in großen Mengen auszuliefern. Da kommt es den Taiwanern natürlich sehr gelegen, dass die brachial hohe Nachfrage im Segment überhaupt kein Ende zu kennen scheint. Das schlägt sich einmal mehr auf die Quartalszahlen nieder.
Wie TSMC (US8740391003) am Donnerstag mitteilte, konnten im ersten Quartal 1,13 Billionen taiwanische Dollar umgesetzt werden, was umgerechnet rund 30 Milliarden Euro entspricht. Rund die Hälfte davon blieb als Nettogewinn hängen. Das spricht für eine schwindelerregende Marge und bedeutet außerdem ein Plus von gut 50 Prozent nach 9,7 Milliarden Euro aus dem Vorjahr. Versprochen wird zudem, dass das Wachstum sich munter fortsetzen wird.
Im laufenden Jahr will TSMC umgerechnet 47,5 Milliarden Euro in neue Standorte sowie zugehörige Maschinen und Anlagen investieren. Damit steckt das Unternehmen laut „FAZ“ in etwa so viel Geld in seine Expansion, wie sämtliche Unternehmen aus dem DAX in einem Jahr an Gewinnen ausschütten. Die Dimensionen klettern immer weiter in die Höhe und ein Ende scheint nicht in Sicht zu sein. Das nimmt auch einmal mehr Mahnungen über ein mögliches Platzen der (hypothetischen) KI-Blase den Wind aus den Segeln.
Keine Schwächen bei TSMC?
Dass TSMC im ersten Quartal bereits neue Rekorde schreibt, ist keine Selbstverständlichkeit. In der Vergangenheit entwickelten die Geschäfte sich im ersten Halbjahr eher mau. Doch der KI-Boom hat vieles auf den Kopf gestellt. Das Geschäft mit Chips für Consumer ist schwer in den Hintergrund gerückt. Die Kunden aus dem Bereich der Rechenzentren haben derweil das ganze Jahr über einen enormen Bedarf, der sich augenblicklich überhaupt nicht vollumfänglich bedienen lässt.
Dadurch bedingt werden die Anteilseigner auch mit hervorragenden Aussichten verwöhnt. Die Umsätze im laufenden Quartal sollen erstmals die Marke von 40 Milliarden US-Dollar überspringen. Die Marge soll ähnlich hoch wie bisher, vielleicht sogar etwas besser ausfallen. Bei den Gewinnen darf daher ebenfalls mit weiteren Rekordmarken gerechnet werden. Es scheint also, dass es für TSMC nicht besser laufen könnte.
Die Aktie fiel am Donnerstag dennoch um rund 3,5 Prozent auf 308 Euro zurück. Zwar gibt es auf fundamentaler Seite nichts zu meckern. Die Erwartungen der Analysten scheinen aber sogar noch höher ausgefallen zu sein. Zudem warnte TSMC davor, dass die Profitabilität im zweiten Halbjahr aufgrund höherer Energiepreise und zum Teil knapper Chemikalien etwas in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Das sind aber nur ausgesprochen kleine Makel in einer ansonsten beispiellosen Erfolgsstory.
Ausgesorgt?
Der hauptsächliche Treiber für TSMC bleibt das Geschäft mit KI-Chips, und dort scheint sich keinerlei Schwäche anzukündigen. Laut CEO C. C. Wei soll die Nachfrage für Jahre enorm robust sein. Auch deshalb entscheidet man sich für einen Ausbau von Kapazitäten in einem bisher ungekannten Ausmaß. Das ist ein klares Indiz dafür, dass die jüngst vermeldeten Rekorde noch lange nicht das Ende der Fahnenstange gewesen sein dürften.
Es bleibt dabei: solange der KI-Boom anhält und rund um den Globus unter Hochdruck neue Rechenzentren aus dem Boden gestampft werden, kann bei TSMC kaum etwas schiefgehen. Trotz offenkundiger Fortschritte bei Friedensverhandlungen im Nahen Osten wird der Irankrieg zwar Spuren hinterlassen. TSMC dürfte höhere Kosten aber sehr viel leichter als viele andere Unternehmen an die Kundschaft weitergeben können, welche sich um neue Chips regelrecht reißt. Die Margen fallen schon jetzt unverschämt hoch aus und so es nicht zu einer unerwarteten Wendung kommen mag, dürften sie nur noch weiter steigen. Über kurz oder lang dürfte der Aktienkurs diesem Beispiel auch wieder folgen.
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17.04.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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