TotalEnergies warnt vor Engpässen, Shell setzt auf neue LNG-Kapazitäten, Vonovia rutscht ab und die Deutsche Bank schraubt Erwartungen zurück
Wüste Worte von Donald Trump lassen nichts Gutes erahnen
Der Papst rief während der Ostertage noch zu mehr Frieden auf, was aber in der Weltpolitik ungehört zu bleiben scheint. Stattdessen überzog US-Präsident Donald Trump den Iran mit wüsten Beschimpfungen, wie es in der Tonalität des Amtes nicht würdig ist. Ein weiteres Mal verlängerte er dabei ein Ultimatum und drohte mit dem Beschuss von Infrastruktur und Kraftwerken, sollte die Straße von Hormus nicht geöffnet werden. Der Iran reagierte seinerseits mit Drohungen und unter anderem damit, weitere Handelswege zu schließen.
Die Reaktion an den Märkten ließ nicht lange auf sich warten. Der Ölpreis schoss in der Nacht auf Montag zeitweise auf rund 117 US-Dollar je Barrel hoch. Heute Morgen waren es noch immer teure 110 Dollar. Die Auswirkungen davon könnten sich erst in den kommenden Wochen in Europa richtig bemerkbar machen. Davor warnte auch der Vorstandsvorsitzende von TotalEnergies (FR0000120271), Patrick Pouyanne. Sollte die Krise länger als drei oder vier Monate dauern, so würde daraus ein „systemisches Problem für die Welt“ entstehen, ließ Pouyanne bei der CERAWeek-Konferenz mitteilen.
Außerhalb Europas ist die Lage schon längst deutlich angespannter. In Kambodscha ist rund ein Drittel der Tankstellen geschlossen und laut einem Bericht der „Deutschen Welle“ wurde in Myanmar bereits ein Rationierungssystem eingeführt. Derweil denkt man in Neuseeland über die Wiedereinführung autofreier Tage nach. Der Aktie von TotalEnergies schadet all das indes nicht. Das Unternehmen profitiert von höheren Margen und der Aktienkurs steigerte sich in den letzten vier Wochen um knapp 17 Prozent auf 79,42 Euro.
Shell bemüht sich um mehr LNG
Nicht nur Öl wird aufgrund des Irankriegs knapp. Auch Flüssiggas ist rar und teuer geworden. Das spielt Shell (GB00BP6MXD84) ein wenig in die Karten. Das Unternehmen bemüht sich laut Medienberichten um Verhandlungen mit Ägypten und soll außerdem die Erschließung gigantischer Erdgasvorkommen vor der Küste Venezuelas anpeilen. Für Erleichterung in der aktuellen Krise wird das eher nicht sorgen. Es reicht aber, um den ohnehin vorhandenen Optimismus der Anleger weiter zu befeuern.
Die Ölkonzerne gehören klar zu den Gewinnern der immer neuen Eskalationen im Nahen Osten. Die Shell-Aktie glänzt mit Kursgewinnen von gut 16 Prozent seit Kriegsbeginn und alles deutet darauf hin, dass es munter weitergeht. Hierzulande bleiben die Märkte am Ostermontag noch geschlossen. Aus Asien und den USA dürften aber im Laufe des Tages bereits Signale kommen und es wäre eine Überraschung, sollte Shell nicht im grünen Bereich landen.
Vonovia auf der Verliererseite
Weniger angenehm gestaltet sich die Lage im Immobilienbereich. Dort zittern die Anleger regelrecht vor den steigenden Energiepreisen, welche die Inflation befeuern und damit Ängste vor einer Rückkehr steigender Zinsen schüren. Schon einmal führte ein solches Szenario dazu, dass etliche Bauprojekte auf Eis gelegt wurden und damit das Wachstum im Segment abgewürgt wurde. Im Falle von Vonovia (DE000A1ML7J1) kommt das noch hinzu zu etlichen anderen Baustellen, darunter der hohe Schuldenstand.
Zuversicht ist da selten geworden und die Aktie rutschte allein in den letzten vier Wochen um 13,1 Prozent auf 22,41 Euro ab. Die Hoffnung auf eine (schnelle) Erholung schrumpft mit jedem Tag, an dem im Nahen Osten kein Frieden einkehrt. Da ist auch schnell vergessen, dass Vonovia für das vergangene Jahr durchaus einige positive Neuigkeiten melden konnte, etwa deutlich höhere Mieteinnahmen. Die Augen richten sich momentan voll und ganz auf eine ungewisse Zukunft.
Die Deutsche Bank schlägt Alarm
Ähnlich gestaltet sich die Lage bei der Deutschen Bank (DE0005140008), die unlängst selbst vor Gegenwind warnte. Die Erwartungen des Unternehmens an die US-Wirtschaft wurden deutlich zurückgeschraubt. Das Wachstum soll aktuellen Schätzungen zufolge unter einem Prozent liegen. Zuvor wurden noch 2,2 Prozent vermutet. Außerdem rechnen die Volkswirte der Deutschen Bank damit, dass die Kerninflation auf vier Prozent anschwellen könnte und CEO Christian Sewing warnte vor flachen Erträgen aus dem Investmentbanking im ersten Quartal.
Auch hier geraten die guten Zahlen aus dem vierten Quartal in Vergessenheit und die Börsianer gehen auf Abstand zur Aktie der Deutschen Bank. Der Kurs landete zu Ostern noch bei 25,68 Euro und der Abstand zum 52-Wochen-Hoch bei 34,26 Euro hat sich immer mehr ausgeweitet. Auch andere Titel aus dem Bankensegment sind ordentlich ins Rutschen gekommen. Die Sorge vor einem neuerlichen Konjunktureinbruch steht dem Aufkommen von Kauflaune im Weg.
Blutrote Zahlen voraus?
Wie in jeder Krise gibt es auch aktuell eine Handvoll Gewinner. Insgesamt drohen den Börsen jedoch weitere Tage mit tiefroten Vorzeichen, sollte der Konflikt im Nahen Osten noch weiter eskalieren. Medienberichten zufolge soll derzeit wohl noch ein letzter Versuch gestartet werden, um eine 45-tägige Waffenruhe zu erzielen. Die Erfolgsaussichten werden von Insidern aber als gering bezeichnet. Aus Anlegersicht dürfte es daher die richtige Entscheidung sein, sich auf weitere schwere Zeiten einzustellen.
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06.04.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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