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Thomas Cook Pleite: Wer wird davon profitieren?

Blick auf TUI und Fluggesellschaften

 

Die am Montagmorgen verkündete Insolvenz des britischen Touristik-Anbieters THOMAS COOK hat eine Schockwelle durch die Branche gejagt. Allerdings eine, die am Ende für die anderen Wettbewerber durchaus positive Folgen haben dürfte. Denn eins ist schon jetzt klar: Selbst wenn es einen Sanierungsversuch geben sollte, so wird am Ende ein deutlich zurechtgestutzter Anbieter herauskommen. Wobei wir uns an dieser Stelle nicht einmal sicher sind, ob tatsächlich solch ein Sanierungsversuch unternommen wird.

Natürlich sind aktuell vor allem die rund 600.000 Touristen die Leidtragenden, die mit THOMAS COOK derzeit im Urlaub sind. Hier könnte es dazu kommen, dass die Branche insgesamt noch einmal einen Konsolidierungsschwung erlebt. Dabei dürfte neben einigen anderen - dazu gleich mehr - zu den Profiteuren ganz klar der Wettbewerber TUI gehören. Wobei man sich nicht darüber hinwegtäuschen sollte: Auch der Marktführer hat klare Probleme. So hatte TUI für das zurückliegende Quartal einen kräftigen Gewinneinbruch melden müssen. Dieser lag satte 85 % unter den Vorjahreswerten und betrug nur noch rund 22 Millionen Euro. Allerdings wirkten sich hier Sonderfaktoren wie das immer noch geltende Flugverbot für die Boeing 737 Max Maschinen negativ aus.

Im Gegenzug konnte TUI in seinem dritten Fiskalquartal den Umsatz um fast 4 % auf 4,75 Milliarden Euro steigern. Dieses passable Ergebnis basierte vor allen Dingen darauf, dass man im Kreuzfahrtgeschäft sehr gut abschnitt und auch in den einzelnen Urlaubs-Destinations das Ausflugsprogramm kräftig ankurbeln konnte.

 

Weniger Kapazitäten

 

Mit Blick auf die THOMAS-COOK-Insolvenz ist für TUI jetzt wichtig, dass hier  zumindest kurzfristig massiv Kapazitäten aus dem Markt genommen werden. Das dürfte dafür sorgen, dass die bislang unter Druck stehenden Preise zumindest etwas Luft bekommen bzw. sich stabilisieren können. Natürlich bleibt das Grundproblem, dass viele Urlauber weiterhin auf Billig-Angebote setzen. Aber für TUI zählt hier letztlich jede Entlastung. Und selbst, wenn THOMAS COOK nach einem Sanierungsverfahren wieder am Markt auftritt, dürfte das kaum unter den Vorzeichen eines Preis-Dumpings geschehen.

Aber TUI ist nicht der einzige erwartete Profiteur. Der Blick auf das montägliche Performance-Tableau zeigt, dass sich die Anleger auch für die Fluggesellschaften einiges ausrechnen. So konnte per Redaktionsschluss die britische EASYJET um gut 4 % zulegen. Der irische Konkurrent RYANAIR schaffte immerhin ein Plus von 1 % und die DEUTSCHE LUFTHANSA gehört heute mit einem leichten Plus von 0,2 % zu den wenigen Gewinnern im DAX. Im bisherigen Handelsverlauf standen alle Aktien sogar noch höher.

 

Foto Australien

Bildnachweis: © Telefonaktiebolaget L. M. Ericsson

 

Blick auch auf Fluggesellschaften

 

Die Überlegung dahinter: Die zum THOMAS-COOK-Konzern gehörende Charter-Airline CONDOR hat zwar erklärt, dass man den Flugbetrieb aufrecht erhalten will. In trockenen Tüchern ist das allerdings nicht. So hat CONDOR heute bei der Bundesregierung einen Überbrückungskredit beantragt. In Erinnerung an die AIR-BERLIN-Pleite ist dessen Zusage alles andere als gewiss. Natürlich gibt es gewisse Planspiele. So wird gemunkelt, ob möglicherweise die LUFTHANSA bei CONDOR einsteigt. Letztlich setzen die Anleger allerdings darauf, dass in jedem vorstellbaren Szenario am Ende Flug-Kapazitäten aus dem Markt verschwinden werden. Und das kann für die vorhandenen Fluggesellschaften nur positiv sein.

Fazit: Egal, wie die Insolvenz von THOMAS COOK am Ende ausgehen wird, so dürfte jetzt schon absehbar sein, dass für die bestehenden Wettbewerber (sowohl im Touristik- als auch im Fluggeschäft) die Zeiten etwas leichter werden könnten. Allerdings lässt sich auf  Basis des derzeitigen Marktimpulses noch keine vernünftige  Anlageentscheidung treffen. Allerdings zeigt sich ganz klar, dass TUI derzeit in der besten Ausgangsposition ist, diesen Impuls in Richtung steigende Kurse zu verarbeiten, nachdem hier die Widerstandszone bei rund 900 Pence überwunden werden konnte. Das wäre uns eine spekulative Kaufempfehlung wert.

 

Kursverlauf TUI

 

Nachfolgend unsere technische Einschätzung zu den drei anderen Protagonisten:

 

DEUTSCHE LUFTHANSA

 

Hier fällt der charttechnische Blick sofort auf die Widerstandszone im Bereich von 15,35 Euro. Das heutige Mini-Plus indiziert hier noch keinen wesentlichen Impuls, der zu einem Break führen könnte. Allerdings könnte der Ausbruch über die 50-Tage-Linie bei derzeit 14,25 Euro dazu führen, dass sich hier wieder positives Momentum aufbaut. Damit sollte die Lufthansa sicherlich auf einer Watchliste zu finden sein. Aktuelle Dispositionen treffen wir allerdings nicht.

 

Kursverlauf Lufthansa

 

RYANAIR

 

In den letzten Tagen ist die Aktie von RYANAIR wieder etwas unter Druck gekommen. Damit bleibt der seit April bestehende Abwärtstrend weiterhin intakt. Schaut man sich die heutige Reaktion an, fehlt noch das durchschlagende Moment. Also sollte auch hier noch Zurückhaltung geübt werden.

 

Kursverlauf Ryanair

 

EASYJET

 

Eine technisch deutlich bessere Performance zeigt sich bei Easyjet. Analog zu RYANAIR bestand auch hier bislang ein Abwärtstrend. Allerdings konnte die Aktie in den letzten beiden Handelstagen diesen Abwärtstrend nach oben klar durchbrechen. Mitgeholfen hat dabei eine Kaufempfehlung durch HSBC. Hier würden wir einen spekulativen Einstieg wagen.

 

Kursverlauf Easyjet

 

23.09.2019 - Carsten Müller - cm@ntg24.de

 









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