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Worldline SA: Seriöse Alternative zu Wirecard

Zusatzprofite durch Wirecard-Insolvenz

 

Kaum ein Unternehmensmanagement dürfte sich nach Bekanntwerden der immer offensichtlicher werdenden, jahrelangen systematischen WIRECARD-Bilanzbetrugsfälle sowie der schlussendlichen Insolvenzanmeldung des Konzerns zuletzt genüsslicher die Hände gerieben haben, als die Geschäftsführer der französischen WORLDLINE SA (FR0011981968), dem mit Abstand größten Online-Zahlungstransaktionsabwickler Europas.  

Denn natürlich stand die Worldline SA geschäfts- wie aktienkursseitig stets im Schatten des bilanzkosmetisch womöglich sogar seit 2014 über vornehmlich asiatische Lizenzpartnerumsätze  aufgeblähten “Booms” des Erzkonkurrenten Wirecard und entzog sich damit, jedoch sehr zu Unrecht, seit der im gleichen Jahr 2014 erfolgten Börseneinführung der Worldline-Aktie in Paris vermutlich sehr stark der Aufmerksamkeit der meisten Aktienanleger (über direkte chronologische Zusammenhänge zur möglichen zeitglich eingeleiteten Änderung der Bilanzierungspraxis von Wirecard wollen wir hier jedoch nicht spekulieren). 

In jedem Fall forcierte jedoch die Worldline SA spätestens mit Börseneinführung und entsprechend verbesserter Finanzausstattung seit 2014 (unter natürlich jeglicher üblichen Wettbewerbs- und Aufsichtskontrolle INNERHALB Europas) ihre schon zuvor beachtliche europäische Expansionsstrategie nochmals erheblich und übertrumpfte seither Wirecard als europaweit größter Zahlungsabwickler mühelos.  

Ein allein auf Europa konzentrierter Gesamtkonzernumsatz von Worldline in 2019 von rd. 2,4 Mrd. Euro, dem für 2019 bestenfalls ein mit 1,2 Mrd. Euro zu taxierender, konzerneigener EUROPA-Umsatz von Wirecard entgegenstehen dürfte, belegen diese nun schon lange bestehende Führungsrolle von Worldline SA als Europas größter Zahlungsabwickler untrüglich. 

Es dürfte die große, langfristige Geschäfts- und Aktienkursstunde von Worldline SA daher nun erst anbrechen, nachdem der marktverzerrende “Wirecard-Schleier” nun endgültig vom Markt verschwunden ist und damit die hochgradige Geschäfts- und Expansionsqualität von Worldline künftig umso transparenter und stärker beachtet zu Tage treten dürfte. 

Es ist daher höchste Zeit, diese Aktie als aussichtsreiche Anlagealternative für geprellte / geschädigte Wirecard-Anleger, die aber das spannende Aktiensegment der Zahlungsdienstleister künftig auch weiter in ihren Depots abbilden wollen, nun einmal näher unter die Lupe zu nehmen. 

 

Chart: WORLDLINE SA gegen MSCI WORLD (Euro) - Index 

 

Worldline gegen MSCI World Euro Chart

 

Historie und Geschäftsprofil von Worldline SA 

 

Die in Bezons / Frankreich ansässige WORLDLINE SA fungierte, aktuell mit einer Aktienmarktkapitalisierung von 14,5 Mrd. EUR ausgestattet, seit ihrer Gründung in 2004 zunächst als reine Zahlungstransaktions-Division innerhalb des bis heute noch börsennotierten französischen Technologie-Großkonzern ATOS SE (FR0000051732), vormals ATOS ORIGIN. 

Die Ausgliederung aus Atos SE und selbständige Börseneinführung erfolgte schließlich in 2014. 

Seit Beginn der Aktiennotierung bestanden die wichtigsten expansionsstrategischen Meilensteine von Worldline SA in 2018 in der Komplettübernahme der schweizerischen SIX Payments Services (deren Kartenzahlungs-Kassenterminals sind mittlerweile europaweit die am weitest verbreiteten), der Angliederung der GOOGLE und APPLE PAY-Systeme an die Transaktionsterminals von Worldline in 2019, der ebenfalls 2019 eingegangenen Kooperationsvereinbarung mit BITCOIN SUISSE zu erstmaligen standardisierten Zahlungsbegleichungen über Kryptowährungen sowie schließlich der im Februar 2020 bekanntgegebenen 65 %- Mehrheitsübernahme des inländischen Hauptkonkurrenten INGENICO (FR0000125346) zu einem Kaufpreis von 7,8 Mrd. Euro. 

Bei der bereits 1980 gegründeten INGENICO handelt es sich im Übrigen um den ungefragten Europa-Pionier der erstmaligen Entwicklung von Kartenzahlungs-Kassenterminals seit Anfang der 90er Jahre, also noch lange, bevor die erst 1999 gegründete Wirecard in dieses Metier von bargeldlosen Zahlungsabwicklungen einstieg. 

Nachdem mit der Mehrheitsübernahme von Ingenico die Worldline SA aktuell zum viertgrößten Zahlungsabwickler weltweit avanciert (hinter der US-Konzernen Global Payments, Fiserv und Fidelity National Info Systems) gliedert sich die Geschäftsstruktur von Worldline mittlerweile wie folgt: 

44 % des Konzernumsatzes entfallen auf Bank- und Finanzinstituts-Dienstleistungen, d.h. die Ausgabe und Verwaltung von Kredit- und Debitkarten, die Abwicklung und Bearbeitung elektronischer Zahlungsvorgänge, die Bereitstellung von Online-Bankdienstleistungen, die Entwicklung elektronischer Geldbörsen (sog. Wallets) und die Konzipierung von Zahlungsabwicklungssoftware. 

Zu weiteren 34 % des Konzernumsatzes werden Dienstleistungen für Handelskonzerne und Einzelhändler erbracht, und zwar in Form der Übernahme von Zahlungsaufträgen, der Annahme und Verwaltung von Online-Zahlungen, des Verkaufs und der Vermietung von Zahlungsterminals, der Herstellung von Sicherheitsmodulen für kryptographische Zwecke, und der Einrichtung von Selbstbedienungsterminals für Kunden. 

Und weitere 22 % des Konzernumsatzes dienen schließlich der weiteren Zahlungsverwaltungsunterstützung von Unternehmen und staatlichen Behörden,  wie z.B. der elektronischen Ticketausstellung für öffentliche Verkehrsunternehmen, der Verwaltung von Parkgebühren- und Bußgeldeinnahmen sowie der Entwicklung digitaler Dienstleistungen für Regierungen und staatliche Unternehmen (Steuer Online-Inkasso-Management, kryptographische Archivierungsdienste, Erfassung und Speicherung digitaler Daten und von Fingerabdrücken, etc.). 

Mit ihrer Belegschaft von über 12.000 Mitarbeitern ist die Worldline SA nahezu flächendeckend ausschließlich auf dem europäischen Kontinent aktiv, wobei auf Frankreich, den Benelux-Raum, Deutschland und die Schweiz zusammen genommen bereits rd. 80 % des Konzernumsatzes entfällt.

          

Historische Ergebnisentwicklung von Worldline SA

 

Durch ihre überaus konsequent und fokussiert ausgebaute Geschäftsdominanz in ganz Europa im Bereich aller nur denkbaren Zahlungsabwicklungs- und –verwaltungsdienstleistungen gelang es der Worldline SA von 2013 – 2019 in beeindruckender Stabilität, bei einem Umsatzanstieg um 110 % den Konzernnettogewinn gleichzeitig deutlich überproportional um gut 160 % auszuweiten. Die operative EBIT-Betriebsmarge erreichte dabei per Ende 2019 ansehnliche 14,5 %. 

Im 1. Quartal 2020 vermeldete Worldline, die ihre Gewinnentwicklungen grundsätzlich nur halbjährlich publizieren, trotz der Corona-Pandemie einen organischen Umsatzanstieg (d.h. ohne externe Akquisitionseffekte) von + 2,0 % gegenüber dem Vorjahr. 

Für das Jahr 2020 gab der Konzern aufgrund der Kalkulationsunsicherheiten gleichzeitig nur die vage Prognose ab, dass der Konzernumsatz etwa auf das Niveau des Vorjahres 2019 oder “leicht darunter” herauskommen und auch die operativen Margen (d.h. damit auch Gewinne) nur unwesentlich gegenüber 2019 verändert sein dürften. 

 

Aktienbewertung und Anlageurteil 

 

Ganz im Schatten des offenkundig stark betrügerisch geprägten Wirecard-”Booms” hat sich die französische Worldline SA in den letzten Jahren mit bestechender Stetigkeit immer mehr zum größten Online-Zahlungsabwickler Europas und mittlerweile dem viertgrößten Zahlungstransaktions-Dienstleister weltweit gemausert. 

Von Ende 2019 bis Ende 2022 erwarten die Analysten im Zuge der wachsenden Marktdominanz von Worldline SA bei einem rd. 16 %-igen Umsatzanstieg künftig eine weitere überdurchschnittliche Ausweitung des Nettogewinns um rd. 22 %. Wir halten diese Schätzungen für durchaus plausibel, wenn auch sogar eher für leicht konservativ. 

Als weiterer geschäfts- und damit auch aktienkurstreibender Effekt dürfte bei Worldline SA zudem auch zum Tragen kommen, dass nicht nur generell die Konzern- und Aktienkursentwicklung künftig nach dem Wirecard-Debakel eine deutlich größere Aufmerksamkeit der Aktienanleger erfahren dürfte, sondern auch, dass der aktuelle Insolvenzverwalter von Wirecard, Michael Jaffe, nun die kommende Zerschlagung des Wirecard-Konzerns als die wahrscheinlichste Option ansieht. 

Nachdem in den letzten Tagen bereits die Deutsche Bank ein mögliches Übernahmeinteresse an Teilen der Wirecard-Aktivitäten geäußert hat, zählt “Insiderkreisen” zufolge hierzu derzeit neben weiteren Finanzinvestoren angeblich eben auch der französische Konkurrent Worldline SA (Quelle: REUTERS vom 30.06.)

Wir, wie offenbar aktuell auch die Aktienmarktteilnehmer, halten ein solches Szenario ebenfalls für gut denkbar und auch strategisch plausibel, was dem Aktienkurs der Worldline SA kurzfristig ebenfalls weiteren Rückenwind verleihen dürfte. 

Bei einem geschätzten KGV-Rückgang von 2020 bis 2022 von rd. 40 auf nur noch rd. 32 halten wir die Aktie gemessen an den längerfristigen weiteren Gewinnperspektiven derzeit für moderat bewertet und empfehlen sie selbst auch konservativen Investoren als eine langfristig fraglos wesentlich berechenbarere, solidere und seriöse Anlagealternative bzw. Ersatzanlage nach dem zurückliegenden Wirecard-Desaster

Wir nehmen die Aktie der Worldline SA daher mit der Börseneröffnung Paris am Montag, d. 06.07., ebenfalls neu in unser Strategiedepot AKTIEN KONSERVATIV auf und tauschen sie in diesem Zuge gegen die Aktie des französischen Luxushandelskonzerns KERING SA (FR0000121485) aus, der derzeit weiterhin stärker als zunächst von uns gedacht unter den künftigen Branchenunsicherheiten im Zuge der aktuellen Corona-Krise leidet.

 

03.07.2020 - Matthias Reiner - mr@ntg24.de

 









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  • Bernd Morgenroth - 04.07.2020 18:17:12 Uhr