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BÖRSE TO GO - mit ProSiebenSat.1, BMW & Co. und Zur Rose

Zum Wochenende natürlich wieder Gewinnmitnahmen

 

Guten Tag,

es war eigentlich zu erwarten: Nachdem der DAX gestern noch am Nachmittag richtig Tempo machte und bis auf 10.000 Punkte zulegen konnte, gibt es heute verständlicherweise Gewinnmitnahmen. Denn übers Wochenende will sich in der derzeit unsicheren Gesamtlage keiner dauerhaft positionieren. Zumal es aus Amerika weiterhin schlechte Nachrichten bezüglich der Ausbreitung des Coronavirus geben könnte. Demgegenüber ist nach der Materialschlacht der Notenbanken in den vergangenen Tagen auf dieser Seite nichts Neues zu erwarten. Damit könnten die Märkte vorerst wieder etwas in der Luft hängen.

Dennoch: Es ist schon ein sichtbarer Fortschritt bei der von uns diskutierten Bodenbildung, dass wir aktuell nicht mehr darüber sprechen müssen, ob der DAX die 8.000-Punkte-Marke halten kann, sondern dass ist jetzt schon wieder um den Bereich von 10.000 Punkten geht. In diesem Umfeld würden wir selbst ein Rückschritt auf 9.000 Zähler durchaus als technische Atempause qualifizieren und als Ausweis, dass hier die Gesamtlage an Stabilität gewinnen können.

Spannend bleibt es alle Mal, auch in der kommenden Woche. Denn es werden einerseits noch eine ganze Reihe von Unternehmen ihre Jahresbilanzen präsentieren, so unter anderem die SOFTWARE AG, RIB SOFTWARE, ADLER REAL ESTATE und ECKERT & ZIEGLER. Darüber hinaus werden einige Statistiken der EZB sicherlich auf erhöhte Aufmerksamkeit stoßen. So zum Beispiel am Montag, wenn die Europäische Zentralbank die wöchentlichen Veränderungen in den Beständen der Eurosystem-Zentralbanken meldet. Dabei geht es um die Bestände an Staatsanleihen, Covered Bonds, Unternehmensanleihen und ABS. Hier erwarten die Marktteilnehmer erste Informationen über die derzeitigen Notfall-Programme. Noch zu einzelnen Unternehmen:

 

PROSIEBENSAT.1 wechselt Chef aus

 

Einen kräftigen Aufschlag kann heute der Medienkonzern PROSIEBENSAT.1 verbuchen. Wobei er damit eine höchst erfolgreiche Woche krönt, die der Aktie bis dato einen Wochengewinn von rund 17 % beschert. Den Ausgangspunkt dafür lieferte am Montag die Mitteilung, dass der italienische Medienkonzern MEDIASET seine Beteiligung auf insgesamt 20 % ausgebaut hätte. Der Medienriese von Silvio Berlusconi steht schon lange in Verdacht, möglicherweise PROSIEBENSAT.1 übernehmen zu wollen. Diese Spekulation war zuletzt zwar wieder in den Hintergrund getreten. Die erneute Aufstockung der Beteiligung dürfte aber auf jeden Fall neuen Stoff liefern.

Dazu passend: Zum Wochenschluss hat PROSIEBENSAT.1 überraschend sein bisherigen Vorstandschef Max Conze abgesetzt. Nachfolger wird der bisherige Finanzvorstand Rainer Beaujean. Conze war schon seit längerem höchst umstritten. Mit dem Postenwechsel an der Spitze will das Unternehmen gleichzeitig eine neue Strategierichtung einschlagen. Denn man will sich wieder mehr auf das Kerngeschäft mit TV und Unterhaltungsformaten fokussieren und die umfangreichen Beteiligungen im Startup-Bereich nach und nach verkaufen.

Gerade letzteres ist quasi eine Rolle rückwärts, nachdem man erst vor kurzen den amerikanischen App-Entwickler MEET Group für 500 Millionen Dollar gekauft hatte. Dieser sollte ursprünglich mit den Pro7-Beteiligungen Parship und Elitepartner zu einem der führenden Anbieter im Online-Dating-Segment aufgebaut werden.

Fazit: Am Markt kommt dieser Strategiewechsel augenscheinlich sehr gut an, minimiert er doch einerseits die Beteiligungsrisiken, wie sie beispielsweise zuletzt auch SOFTBANK hinnehmen musste (die sich nun ja auch von einem großen Portfolio trennen wollen). Andererseits könnte dem Unternehmen dadurch in den nächsten Monaten und Jahren wieder erhebliche liquide Mittel zufließen, um die Position im TV-Markt (inklusive Werbung) wieder zu stärken. Die jüngsten Kursgewinne sind in dieser Hinsicht entsprechend positiv zu werten. Wir wurden PROSIEBENSAT.1 jetzt zu den Werten zählen, in denen man eine erste Anfangsposition eingehen kann.

 

Kursverlauf ProSieben

 

Schlechtere Ratings für BMW & Co.

 

Die aktuelle Krise ruft natürlich auch die internationalen Ratingagenturen auf den Plan. Gerade aktiv wird S&P, die sowohl BMW als auch DAIMLER wegen der Corona-Epidemie um jeweils eine Bonitätsstufe heruntergestuft hat. Für VOLKSWAGEN gibt es gleichzeitig einen negativen Ausblick, was nach Definition von S&P innerhalb der nächsten sechs Monate ebenfalls eine Herabstufung bedeuten könnte.

VOLKSWAGEN selbst liefert heute auch Nachrichten. So will Finanzvorstand Frank Witter derzeit die Inanspruchnahme staatlicher Finanzhilfen ausschließen. Allerdings mit der Einschränkung „aus heutiger Sicht“. Doch so ganz ohne staatliche Hilfe geht es auch beim Wolfsburger Konzern wohl nicht ab. Denn man hat schon angekündigt, rund 80.000 Beschäftigte in Kurzarbeit zu schicken und entsprechend Kurzarbeitergeld zu beantragen. Für die deutschen Autowerte geht es heute mit dem Gesamtmarkt wieder abwärts. Aber das widerspricht letztlich ja nicht unseren mittelfristigen Perspektiven, dass hier ebenfalls sehr hoher Erholungspotenziale schlummern.

 

ZUR ROSE mit Absturz nach Emissionsplänen

 

Und noch ein Blick in die Schweiz. Die Versandapotheke ZUR ROSE hatte im bisherigen Krisenverlauf eine extrem gute Figur machen können. Das führte sogar soweit, dass die Aktie am Montag auf 144,80 Franken klettern konnte und damit auf den höchsten Stand seit Juli 2017. Die Begründung dafür ist relativ klar: Als Versandhändler dürfte ZUR ROSE derzeit über ein deutlich größeres Geschäftsvolumen verfügen. Ganz abgesehen davon, dass zum Konzern ja auch noch die Online-Apotheke DocMorris gehört. Dennoch:

Zum Wochenschluss geht es mit der Aktie kräftig nach unten. Dies hauptsächlich am Donnerstag, nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, eine Wandelanleihe im Gesamtvolumen von 175 Millionen Franken emittieren zu wollen. Das sind sogar 25 Millionen Franken mehr als ursprünglich geplant. Denn wie im Markt zu hören war, ist das Interesse von Investoren an dieser Emission sehr hoch. Warum trotzdem dieser Kurssturz?

Das Instrument der Wandelanleihe hat zwar für die Emittenten oftmals den Vorteil, dass man einen geringeren Zinssatz zahlen muss und trotzdem recht flexibel mit den Rückzahlungen agieren kann. Doch sind Wandelanleihen an der Börse nicht ganz unumstritten, denn sie können in der Regel in Aktien der Emittenten gewandelt werden. Das würde dann die Anzahl ausstehender Aktien erhöhen und damit die Anteile bestehender Aktionäre verwässern. Und genau das ist es, was die derzeitigen Kurse bei ZUR ROSE dominieren. Indes:

Da die Erlöse aus der Emission hauptsächlich für die weitere Expansion genutzt werden sollen, beurteilen wir insgesamt die Aussichten für ZUR ROSE weiterhin positiv. Unsere Position im Zürcher Trends hat zwar jetzt Federn lassen müssen, doch rechnen wir hier baldigst mit einer erneuten Erholung. Da sich die Aktie insgesamt als sehr stark im schwierigen Marktumfeld präsentiert hat, bleiben wir entsprechend bei einer Halten-Empfehlung. Neue Käufe würden wir vorerst zurückstellen, diese allerdings nach einer Abkühlungsphase nach den jüngsten Abschlägen durchaus wieder für möglich halten.

 

Kursverlauf Zur Rose

 

27.03.2020 - Carsten Müller - cm@ntg24.de

 









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