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BÖRSE TO GO - mit Software AG, Thyssenkrupp und Novartis

Licht und Schatten in der Bilanzsaison

 

Guten Morgen,

Leid und Freud liegen in der Berichtssaison oft nah beieinander. Gestern konnten Sie das gut bei APPLE und EBAY erkennen: Während der eine aufgrund des Weihnachtsgeschäfts hervorragende Zahlen lieferte und nachbörslich gefeiert wurde, enttäuschte der andere und wurde mit glatten -4% abgestraft. Auch AMD enttäuschte die Erwartungen und dürfte in Folge schwächer notieren, ebenso wie STARBUCKS, die bereits Einschnitte aufgrund des Coronavirus feststellen müssen und die Jahresprognose anpassen. So wird es in den kommenden Handelstagen noch weitergehen: die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.

 

Kompass

Bildnachweis: © Fotograf- Absolutvision

 

Damit sollte aber nicht zum Ausdruck gebracht werden, wie die Favoriten des ersten Halbjahres aussehen. Denn Sie wissen auch: Enttäuschungskurse sind oft Einstiegskurse, und so raten wir dazu, erst einmal die Zahlenflut passieren zu lassen, ehe neu disponiert wird. Ohnehin bleibt abzuwarten, ob sich die Ängste um den Coronavirus weiter ausbreiten und zu entsprechenden Abschlägen führen. Überraschend: An der Wall Street mehren sich die Stimmen jener Analysten, die davor warnen, die Auswirkungen des Virus nicht zu unterschätzen. Die Argumentation: Chinesen reisen heute um das sechsfache mehr als zu Zeiten des SARS im Jahre 2003 und entsprechend müsse davon ausgegangen werden, dass sich die Krankheit diesmal schneller verbreitet. Wie dem auch sei: Die Börse wird versuchen, das Thema schnell zu verpacken.

Morgen ist auch die DEUTSCHE BANK dran. Die Chancen stehen gut, dass das Sanierungsprogramm von Sewing gut vorankommt und er an die Ergebnisse des Herbstes anschließen kann. Die Details werden wir dann morgen kommentieren, aber schon jetzt zeigt die Markttechnik an, dass es eine gute Chance für ein weiteres Kaufsignal gibt. Springt der Kurs über 8,20 Euro, wäre die Bodenbildung zumindest aus technischer Sicht komplett und so gesehen auch ein Turnaround denkbar. Allerdings braucht es dafür nicht nur ein Sparprogramm, sondern auch eine Zukunftsstrategie.

 

SOFTWARE AG: Zu schwach in der Cloud

 

Nachdem gestern SAP seine Zahlen präsentiert hatte, zieht heute Wettbewerber SOFTWARE AG nach. Allerdings präsentierte das Unternehmen ein eher durchwachsenes bis negativ aufgenommenes Ergebnis. Das galt insbesondere für die Wachstumshoffnung Cloud-Software und Internet of Things (IoT). Insgesamt legte der Konzernumsatz nur um 3% auf 890,6 Millionen Euro zu. Der operative Gewinn ging um 5% auf 260,3 Millionen Euro zurück. Netto verdiente das Unternehmen letztlich 6% weniger auf 155,3 Millionen Euro. Indes:

Mit diesen Zahlen hatte der Markt grundsätzlich eigentlich schon gerechnet. Denn die SOFTWARE AG befindet sich mitten in einem Konzernumbau und das bedeutet erst einmal erhöhte Belastungen. So hat das Unternehmen auch angekündigt, im neuen Jahr noch mehr Geld in Investitionen zu stecken. Deshalb gibt man auch schon die Devise aus, dass die EBITA-Marge in diesem Jahr nur zwischen 20-22% liegen dürfte statt der bislang von Analysten erwarteten 26%. Im vergangenen Jahr hatte die Marge noch 29,2% betragen.

Das alles hätte wohl noch verkraftet werden können, wenn die SOFTWARE AG nicht an entscheidender Stelle gepatzt hätte. Denn im Zukunftsgeschäft Cloud und IoT blieb das Unternehmen weit hinter den Wachstumserwartungen zurück. Hier lagen die Erwartungen bei einem Umsatzwachstum von mindestens 75%, tatsächlich wurden es nur 39%. Zwar wurde hier nachgetragen, dass man bereits einen neuen und finanziell bedeutenden Fünfjahresvertrag unterschrieben hätte. Doch das dürfte kurzfristig der Aktie kaum helfen. Diese eröffnete heute mit über 10% im Minus. Damit sind faktisch unsere bisherigen Gewinne aufgezehrt. Wir würden entsprechend erst einmal den Rückzug empfehlen.

 

Kursverlauf Software AG

 

THYSSENKRUPP vor Entscheidung?

 

Noch ein Nachtrag zu gestern. Denn THYSSENKRUPP lieferte erneut interessante Schlagzeilen. Wie aus den derzeitigen Kaufverhandlungen rund um die Aufzugssparte durchsickerte, soll der finnische Aufzugshersteller KONE sein Angebot nachgebessert haben. So ist von insgesamt 17 Milliarden Euro die Rede. Wie wir schon ausführten, ist KONE Favorit des THYSSENKRUPP-Großaktionärs CEVIAN, der am Industriekonzern rund 18% hält. Dies insbesondere auch, weil KONE angeboten hatte, schon im Vorfeld erhebliche Vorschusszahlungen zu leisten.

Offiziell sind derzeit noch vier Angebote für die Sparte im Topf. Am Donnerstag trifft sich erneut der Aufsichtsrat. Einen Tag später ist Hauptversammlung. Zwar ist nicht wirklich schon mit einer Entscheidung zu rechnen, aber die Aktionäre werden wohl wissen wollen, in welche Richtung es gehen könnte. Der Börse war das jedenfalls gestern schon ein kräftigen Aufschlag in der THYSSENKRUPP-Aktie wert. Allerdings noch nicht so viel, dass unser im Zürcher Trend formulierter Stopp-Buy bei 12,60 Euro ausgelöst worden wäre. Hier ist Geduld gefragt.

 

NOVARTIS stellt weiteres Wachstum in Aussicht

 

Und noch eine Nachricht aus Zürich. Dort präsentierte der Pharmagigant NOVARTIS seine Zahlen zum letzten Jahr und gab gleichzeitig auch einen Ausblick auf das neue Geschäftsjahr. 2019 konnte der Konzern seinen Nettoumsatz um 6% auf 47,5 Milliarden Dollar steigern. Wechselkursbereinigt ergab sich sogar ein Plus von 9%. Dabei profitierte das Unternehmen insbesondere in der Pharmasparte Innovative Medicine von Verkaufserfolgen neuer Präparate wie dem Schuppenflechtemittel Cosentyx oder dem Herzmedikament Entresto. Diese konnten ihre Umsätze währungsbereinigt um 28 bzw. 71% steigern.

Unter dem Strich konnte NOVARTIS seinen Kern-Reingewinn um 11% auf 12,1 Milliarden Dollar verbessern. Der komplette Reingewinn lag bei gut 7,1 Milliarden Dollar und damit rund 44% unter den Vorjahresergebnissen. Hier wirkten sich allerdings die Abspaltung der Augensparte ALCON im vergangenen Jahr sowie Sondererlöse in 2018 durch den Verkauf der OTC-Sparte an GLAXOSMITHKLINE aus.

Unter dem Strich rechnet NOVARTIS damit, dass man auch im neuen Geschäftsjahr weiteres Wachstum erreichen kann. Beim Umsatz wird hier ein mittlerer bis hoher einstelliger Prozentbetrag in Aussicht gestellt. Beim bereinigten Betriebsgewinn peilt man sogar einen hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbetrag an. Das könnte der Aktie einen wichtigen Impuls geben, nochmals ihr bisheriges Allzeithoch bei 93,20 Franken anzugreifen. Hieran war man in den vergangenen Monaten ja bereits mehrfach schon angestoßen. Sollte hier jetzt nochmals ein erfolgloser Angriff erfolgen, könnte es vorerst zu größeren Gewinnmitnahmen kommen. Wir würden das mit einem höheren Stopp-Loss bei 87,60 Franken begleiten.

 

Kursverlauf Novartis

 

29.01.2020 - Jens Bernecker - jb@ntg24.de

 

 









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