ABB: Hat die Börse zu viel eingepreist?
ABB wird von der Nachfrageseite überrannt - Umsatz bleibt aber hinter den Erwartungen
ABB legte einen wirklich starken Jahresabschluss hin. Vor allem beim Auftragseingang brilliert der Schweizer Industriekonzern mit hohem Wachstum. Man hat jedoch erhebliche Probleme, die hohe Nachfrage auch in klingende Münze umzuwandeln.
Wenn der Kurs nach solchen Zahlen nicht steigt, dann kann das Unternehmen nichts dafür. Der Jahresabschluss von ABB (CH0012221716) ist sehr gut. Der Aktienkurs gibt hingegen sogar noch leicht nach. Womit wir dann auch gleich beim Kern des Problems sind: Die Bewertung ist der operativen Entwicklung weit vorausgelaufen. ABB ist seit Mitte November um mehr als 30 % gestiegen, womit der Industriekonzern nun bei einer Marktkapitalisierung von satten 127,5 Mrd. Franken liegt. Das ist mehr als ordentlich, aber liegt kurzfristig weit über dem, was ABB imstande ist zu leisten. Und das ist beileibe nicht wenig.
Der Auftragseingang schnellte im 4. Quartal um 36 % auf 10,32 Mrd. US-Dollar in die Höhe. Ein neues Allzeithoch. Das ist nicht nur beeindruckend, sondern liegt weit über dem Niveau dessen, was man an Wachstum beim Auftragseingang im gesamten Jahr (+17 %) hereinbekommen konnte. Oder anders gesagt: ABB geht mit starkem Schwung ins neue Jahr hinein. Worüber man sich mokieren kann, ist die Wachstumsrate des Umsatzes. ABB erreichte insgesamt ein Umsatzplus von 9 % auf 33,2 Mrd. US-Dollar im Jahr 2025. Da hat sich die Börse ohne Zweifel mehr gewünscht. Der Anstieg des Umsatzes im 4. Quartal um 13 % auf 9,05 Mrd. US-Dollar gibt allerdings Grund zur Hoffnung, dass ABB 2026 ein deutlich höheres Wachstum als 2025 erreichen kann.
Hat die Börse zu viel eingepreist?
Die hohe Nachfrage ermöglicht es ABB, die Preise hochzuziehen. Davon profitiert das operative Ergebnis, das im 4. Quartal um 38 % (!) auf 1,51 Mrd. US-Dollar hochschiessen konnte. Auch hier positives Momentum zum Jahresende, denn die ersten neun Monate lagen beim Gewinnwachstum deutlich darunter. Insgesamt weist ABB für 2025 ein Plus von 28 % beim operativen Ergebnis aus und kann den Jahresgewinn nach Steuern und Anteilen Dritter um 20 % auf 4,73 Mrd. US-Dollar heben, wobei hier auch positive Sondereffekte hereinspielen.
Die vorgeschlagene Dividende ist hingegen ein Schlag ins Gesicht der Aktionäre. Man bietet 0,94 Franken je Aktie an, nach zuvor 0,90 Franken. Wir reden also über eine Erhöhung von 4 %. Warum so wenig? Eine klare Enttäuschung und da hilft auch das angekündigte Aktienrückkaufprogramm über 2 Mrd. US-Dollar nur bedingt. Auch blieb die Prognose für 2026 überraschend konservativ. Im aktuellen 1. Quartal will man lediglich um 7 % bis 10 % wachsen und im Gesamtjahr sogar nur um 6 % bis 9 % auf vergleichbarer Basis.
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20.02.2026 - Mikey Fritz

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