Nachdem Nvidia mit beeindruckenden Benchmarks die Überlegenheit anstehender Prozessoren darlegte, reagiert AMD nun mit eigenen Untersuchungen
AMD wähnt sich längst im Vorteil
Nvidia will sich auf den Erfolgen bei KI-Chips nicht ausruhen und strebt in Zukunft danach, auch bei klassischen Prozessoren eine größere Rolle zu spielen. Die entsprechenden Produkte wurden unlängst enthüllt und mit passenden Benchmarks bedacht. Jene zeigten den Hersteller, wenig überraschend, klar im Vorteil. Konkurrent AMD reagiert nun darauf und kommt zu einem etwas anderen Schluss.
Im hauseigenen Blog beschäftigte sich AMD (US0079031078) mit der Leistungsfähigkeit von Zen-6-Prozessoren und ließ diese direkt gegen Vera von Nvidia antreten. Mit einem 256-Kern-Prozessor sieht sich der Hersteller dabei klar im Vorteil. Bei einem Rack mit einem Energiebudget von 100 kW soll die Systemperformance von Nvidia um den Faktor 3,3 übertroffen werden. Auch Intel schlägt man deutlich, wo die Ergebnisse interessanterweise noch besser als jene von Vera eingeschätzt werden. Nvidia zeigte Intel in eigenen Untersuchungen weit abgeschlagen.
Interessant ist allerdings auch der Vergleich zu vorherigen Prozessoren von AMD. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass Zen 6 mit einem Drittel mehr Kernen 50 Prozent mehr Leistung erzielt, zumindest in den von AMD ausgewählten Szenarien. Es dürfte also ein weiterer Sprung bevorstehen. Doch auch mit bereits bestehenden Lösungen will AMD bereits überlegen sein. Der EPYC 9965 soll demnach mehr als doppelt so stark im vom Unternehmen ausgewählten Benchmark im Vergleich zu Vera von Nvidia sein.
AMD putzt sich raus
Die Ergebnisse von AMD müssen nicht angezweifelt werden. Allerdings pickt der Konzern, ebenso wie Nvidia, sich die günstigsten Szenarien für die eigene Hardware heraus. Wie die Chips im Alltag performen mögen, das bleibt momentan noch vollkommen offen. Die Botschaft ist aber recht klar: was Nvidia erst für die Zukunft verspricht, das will man selbst bereits heute liefern können mit der Aussicht auf weitere Leistungssprünge durch neue Chips.
Nvidia soll also in die Rolle des Verfolgers gedrückt werden. AMD scheint bei klassischen CPUs nach wie vor die Oberhand zu haben. Stellt sich lediglich die Frage, ob die Anteilseigner dem auch Glauben schenken mögen. Im Handel am Mittwoch kam keine spontane Euphorie auf. Stattdessen wurde der Chipsektor von einer Welle von Gewinnmitnahmen erfasst. Im Falle von AMD ging es um 4,9 Prozent bis auf 452,40 US-Dollar abwärts. Bereits zuvor geriet die Aktie unter Druck und blickt nun auf Verluste von 16,6 Prozent im 5-Tages-Vergleich.
Spannend bleibt allemal, wer bei Server-Prozessoren in Zukunft die Leistungskrone erobern können wird. Im aktuellen Zustand des Marktes rückt diese Frage allerdings etwas in den Hintergrund. Denn der Bedarf ist dermaßen groß, dass wohl alle Beteiligten ihre Chips ohne Mühe losbekommen. Ändert sich daran in Zukunft wenig, verkommt die Konkurrenz zur Nebensache. Eben darauf wollen die Märkte sich momentan aber nicht länger verlassen. Die Erwartungen an die Zukunft wurden ein Stück weit zusammengestutzt.
Nicht ungefährlich für AMD
Im Ringen mit Intel hat AMD schon seit Jahren die Nase vorn. Das trifft auch auf die Effizienz zu, welche bei Großabnehmern eine extrem wichtige Rolle spielt. Mit Nvidia könnte es genau in dieser Hinsicht enger werden. Denn die vom Unternehmen gewählte ARM-Architektur gilt gemeinhin als sparsamer als x86. Apple konnte damit bei seinen eigenen Computern bereits enorme Erfolge erzielen und MacBooks mit Akkulaufzeiten ausstatten, von denen viele Windows-Laptops nur träumen können.
Auf die leichte Schulter nehmen können und sollten Anleger die Kampfansage von Nvidia daher nicht. Grund zur Panik gibt es aber erst einmal ebenso wenig. Die weitere Entwicklung der AMD-Aktie hängt ohnehin viel mehr mit dem allgemeinen Zustand des Marktes ab. Solange der KI-Boom anhält, bleibt AMD auf der Siegerstraße. Momentan stellt sich Anlegern vor allem die Frage, ob die Bewertung der fundamentalen Entwicklung bereits enteilt sein mag.
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11.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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