BMW enttäuscht massiv, Volkswagen gerät mit unter Druck, Stellantis will bei Maserati nachbessern und BYD erhöht den Druck zusätzlich
Die Lage der Autobauer scheint nicht besser, sondern schlechter zu werden
An den Märkten standen die Zeichen zuletzt auf Entspannung. Besonders hinsichtlich des Irankriegs scheint endlich eine Krise ihrem Ende entgegenzugehen, auch wenn noch einige offene Fragen bleiben und über einen dauerhaften Frieden noch verhandelt werden muss. Wer auf Entspannung bei der Krise im Autosegment hoffte, wurde allerdings herb enttäuscht.
Im Epizentrum eines neuerlichen Rückschlags steht BMW (DE0005190003). Eine neue Gewinnwarnung erschütterte das Vertrauen der Anteilseigner nachhaltig. Sowohl die Auslieferungen als auch der Cashflow sollen geringer als bisher angenommen ausfallen. Darüber hinaus rechnet das Management in diesem Jahr nur noch mit einer Ebit-Marge von 1 bis 3 Prozent. Zuvor waren 4 bis 6 Prozent in Aussicht gestellt worden, was auch schon weit unter dem eigentlichen Anspruch von BMW liegt.
Die Antwort der Börse hätte deutlicher kaum ausfallen können. Die BMW-Aktie rutschte um 8,3 Prozent auf 62,24 Euro in die Tiefe und erreichte damit auf Schlusskursbasis den tiefsten Stand seit rund fünf Jahren. Bisher galt BMW in der Branchenkrise noch als recht resilient. Damit dürfte es sich nun erst einmal erledigt haben. Es hat auch nicht geholfen, dass BMW die Ausschüttungspolitik nicht antasten möchte. Allenfalls die Analysten ließen sich dadurch etwas beruhigen.
Bei Volkswagen steigt der Druck
Die Enttäuschung bei BMW sendete Schockwellen durch die gesamte Branche und kam auch bei der Aktie von Volkswagen (DE0007664039) an. Dort mussten gestern Verluste von 3,5 Prozent hingenommen werden. Auch heute dürfte es bei der anstehenden Hauptversammlung ungemütlich werden. Die Anleger vermissen weiterhin eine überzeugende Strategie, mit der in Zukunft wieder neues Wachstum erreicht werden kann. In Wolfsburg setzt man vor allem auf immer weitere Sparmaßnahmen.
Das kann zwar dabei helfen, die Bilanzen aufzuhübschen. Letztlich handelt es sich nüchtern betrachtet aber um einen Schrumpfkurs, und das versetzt die Börsianer selten bis nie in gute Stimmung. Eine Rede von Konzernchef Oliver Blume wurde bereits im Vorfeld veröffentlicht. Dort finden sich für den Geschmack vieler Beobachter aber zu wenige neue Erkenntnisse. Bis 2030 sollen wohl 35.000 Arbeitsplätze abgebaut werden, das aber immerhin sozialverträglich. Für Jubelstürme sorgt das auch unter Aktionären schon lange nicht mehr.
Stellantis hält an Maserati fest
Gespart wird auch bei Stellantis (NL00150001Q9) und bei der Luxustochter Maserati scheint man neue Wege gehen zu wollen. Bei einer Anhörung vor dem italienischen Parlament bestätigte Stellantis-Chef Antonio Filosa, dass es Gesprächen mit „zwei bedeutenden Partnern“ gebe, welche neue Ideen und Technologien beisteuern sollen. Bei Maserati wird also auf Kooperation gesetzt. Gleichzeitig verspricht Stellantis, an der Marke an sich festhalten zu wollen. Im Dezember soll ein sogenannter Maserati-Plan enthüllt werden.
Abseits davon ist auch Stellantis auf Schrumpfkurs und nach den Vorgaben von BMW werden nun selbst die ohnehin geringen Erwartungen infrage gestellt. Die Aktie segelte am Mittwoch um etwas mehr als drei Prozent in die Tiefe und landete zu Handelsschluss bei 5,80 Euro. Seit Jahresbeginn ging es schon um 40 Prozent abwärts. Es bleibt also beim Krisenmodus ohne Aussicht auf schnelle Besserung.
BYD bleibt auf Angriffskurs
Sorgen bereitet den hiesigen Autobauern auch das verstärkte Engagement chinesischer Hersteller in Europa. Marktanteile erobern möchte auch BYD (CNE100000296). Gegenüber dem „Handelsblatt“ führte Deutschlandchef Lars Bialkowski die Pläne etwas weiter aus. Ziel sei es, zum „größten nichteuropäischen Premiumhersteller in Deutschland“ zu werden. Das ist eine klare Kampfansage nicht nur an Maserati, sondern auch gegenüber Porsche, Mercedes-Benz und BMW.
Vor einigen Jahren noch wäre BYD dafür vielleicht belächelt worden. Doch nachdem die Absatzzahlen sich in der jüngeren Vergangenheit ansehnlich verbessern konnten, wird der chinesische Autobauer an den Märkten längst ernst genommen. Allerdings erhöht sich auch der Gegenwind in der Heimat, wo die Absatzzahlen im bisherigen Jahr dezent eingebrochen sind. Daher konnte die BYD-Aktie von der Schwäche europäischer Konkurrenten nicht profitieren und wurde stattdessen am Mittwoch um rund 1,5 Prozent in Richtung Süden gezogen.
Kein Ende in Sicht?
Ab und zu kamen im Autosegment durchaus Comeback-Hoffnungen auf. Nachdem es nun schon seit Längerem mit dem Segment kontinuierlich bergab ging, spekulierten zumindest einige Anleger darüber, dass der Tiefpunkt bereits im Rückspiegel zu sehen sein könnte. Genau das wird nun aber auf eine harte Probe gestellt. Der Gegenwind bleibt scharf und die fehlende Aussicht auf endlich wieder steigende Absatzzahlen und höhere Margen schlägt den Börsianern sichtlich aufs Gemüt.
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18.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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