Einem Medienbericht zufolge verstößt BYD beim Bau einer Fabrik in Ungarn im großen Stil gegen geltendes Arbeitsrecht
Auf europäische Kunden will BYD nicht verzichten, auf das Arbeitsrecht anscheinend schon
Unter Hochdruck treibt BYD den Bau einer Fabrik in Ungarn voran. Es ist der erste Standort eines chinesischen Autobauers in der EU und gilt als Schlüsselprojekt, um auf dem hiesigen Markt besser Fuß fassen zu können. Umgehen könnte man durch die lokale Produktion Zölle und davon ab haben kurze Wege auch weitere Vorteile.
Doch während BYD (CNE100000296) schwer am Geld europäischer Kunden interessiert ist, scheint der Konzern sich für das Arbeitsrecht eher weniger zu interessieren. Darafu weist zumindest eine Bericht des „Guardian“ hin, demzufolge es bei der Baustelle in Ungarn massive Verstöße geben soll. Etliche chinesische Leiharbeitet seien demnach gezwungen, sieben Tage die Woche zu arbeiten.
Von einem mickrigen Gehalt sollen die Arbeiter nicht nur ihre Unterbringung auf der Baustelle zahlen müssen. Zusätzlich sagten viele von ihnen gegenüber Chinese Labor Watch (CLW) aus, dass eine Vermittlungsgebühr zwischen 1.000 und 2.500 Euro verlangt werde. Um diese bezahlen zu können, würden viele Arbeiter ihre tägliche Arbeitszeit so weit wie nur möglich dehnen. Die Baustelle scheint lediglich dann stillzustehen, wenn dies aufgrund des Wetters nicht anders möglich ist. Vorgeworfen wird BYD, gezielt in ärmeren Regionen Chinas nach Arbeitern zu suchen.
Die EU schaut bei BYD genauer hin
Die Vorwürfe reichen noch weiter und sprechen von hoffnungslos überfüllten Containerkomplexen. In jedem einzelnen davon sollen etwa 450 Menschen auf engstem Raum leben. Da viele davon über kein gültiges Arbeitsvisum verfügen, seien sie der Situation vollständig ausgeliefert. Kritiker sprechen von sklavenähnlichen Zuständen. Ähnliche Kritik musst sich BYD bereits in Brasilien gefallen lassen. Der Konzern selbst schätzt die Angelegenheit aber natürlich etwas anders ein.
Ein Sprecher des Unternehmens versicherte, dass der Schutz von Arbeitnehmerrechten sowie die strikte Einhaltung europäischer und ungarischer Gesetze „höchste Priorität“ habe. Die Arbeitsbedingungen bei Subunternehmern sollen nun wohl genau unter die Lupe genommen werden. Derweil will wohl auch die EU genauer hinschauen. Nach einem Todesfall im Februar kündigte die EU-Kommission eine Untersuchung an. Bisher sind die genauen Umstände noch unklar. BYD spricht lediglich von einem Unfall bei Lade- und Kranarbeiten.
Prüfen will die EU wohl auch, ob weitere Vorgaben eingehalten werden. Dazu gehört, dass mindestens 50 Prozent der Arbeiter vor Ort aus der EU stammen müssen. Die Berichte über Tausende Fachkräfte aus China lassen dezente Zweifel daran aufkommen, dass BYD sich an diese Vorgaben hält. Unklar ist bisher noch, wie die neue ungarische Regierung zu der Thematik stehen mag. Ministerpräsident Peter Magyars Vorgänger Viktor Orbán ließ BYD bislang mehr oder minder freie Hand und feierte sich mehrfach öffentlich dafür, den chinesischen Konzern ins eigene Land geholt zu haben. Verbunden damit war auch ein Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping.
Das könnte Folgen haben
Im Autosegment wird mit harten Bandagen gekämpft und mehr denn je versuchen die Hersteller, die Kosten an allen Ecken und Enden zu drücken. Dabei gibt es jedoch Linien, die besser nicht überschritten werden sollten. So sich die Vorwürfe gegenüber BYD bestätigen, könnte dies empfindliche Konsequenzen mit sich bringen. In einem solchen Fall könnte sich auch mancher Anleger die Frage stellen, ob ein Investment aus ethisch-moralischer Sicht noch vertretbar ist.
Doch im Zweifel ist erst einmal für den Angeklagten zu entscheiden. BYD selbst ist sich keiner Schuld bewusst und hält auch weiterhin an einer Fertigstellung im kommenden Jahr fest. Dann sollen jährlich 300.000 Autos in Ungarn entstehen, was das Wachstum in der EU ordentlich ankurbeln könnte. Der Bau der Fabrik scheint aus Anlegersicht mit Licht und Schatten daherzukommen. Für Panik gibt es noch keinen Grund, doch Anleger behalten die Sache im Auge. Derweil leidet die BYD-Aktie weiterhin unter geopolitischen Entwicklungen und einer eher schwachen Nachfrage. Mit dem Kurs ging es am Freitagmorgen um weitere zwei Prozent auf 10,56 Euro abwärts. Auf Jahressicht hat der Titel um rund ein Drittel an Wert verloren.
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15.05.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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