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TUI und Lufthansa mit Gegenwind, Gamestop holt neuen Schwung, Nanorepro fängt sich

Sektor-Rotation bei steigenden Zinsen

 

Diese Handelswoche hat im Rückblick doch einige Turbulenzen mit sich gebracht, vor allem, was die Kommunikation zwischen Notenbank und den Märkten angeht. Wenn es dabei um die Antizipation von Interventionen der Notenbank in den Geld- und Kapitalmarkt geht, ist das keine Kleinigkeit, denn rund um die Welt sind die Notenbanken inzwischen quasi Nachfrage-Oligopolist am Bondmarkt. In einem Land mehr, in dem anderen weniger. In Europa ist es die EZB mehr, in den USA die FED weniger. Was steigende Zinsen bei der weltweit extremen Verschuldung bedeutet, ist unschwer auszurechnen. Im Sinne vermiedener Barwertverluste existierender Anleihen sind dies immer noch die schönsten Gewinne. Umso wichtiger ist, dass diese aber kalkulierbar bleiben und nicht ungeordnet steigen. Denn dies würde enorme Turbulenzen in den Bankbilanzen verursachen.

Daneben senkt ein steigender Diskontierungs-Zinssatz auch den Barwert zukünftiger Erträge bei Unternehmen. Dies trifft vor allem jene Unternehmen, deren Erträge besonders schnell wachsen. Dies bedeutet auch, dass die derzeitige Welle an Gewinnmitnahmen bei Wachstumsunternehmen nicht etwa einem schwächeren Wachstumsszenario geschuldet ist, sondern dem geringeren Barwert weiterhin kalkulierter Erträge. Aus dieser Perspektive kann die aktuelle Korrektur kaum überraschen, die damit einhergehende Sektorrotation ebenfalls nicht.

Und nach wie vor ist da noch das Corona-Virus und seine Gegenmaßnahmen, die bestimmte Branchen schwerer belasten als andere. Zu diesen gehört insbesondere Touristik- und Transportunternehmen. Diese leiden vor allem dann, wenn die Politik der Gegenmaßnahmen nicht konsistent ist. Zu den Aktien, die in Deutschland am stärksten betroffen sind, gehört die TUI-Aktie (DE000TUAG000). Der Kampf um die Senkung der Betriebskosten läuft derzeit weiter auf Hochtouren und haben heute Abend nun ein Ergebnis gebracht.

So hieß es heute nach einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates, dass die Anzahl der in Deutschland betriebenen Maschinen von 35 auf 2 anstatt auf 17 verringert werden soll. Gleichzeitig sollen etwa 200 Arbeitsplätze mehr bei den Piloten und beim Kabinenpersonal mehr erhalten bleiben als zuvor geplant. Betriebsbedingte Kündigungen sollen zwar vermieden werden, eine Garantie, dass es keine Entlassungen gibt, wurde aber weiterhin nicht abgegeben. Die Aktie konnte darauf allerdings nicht mehr reagieren. Sie schloss heute den Xetra-Handel 5,4 % tiefer bei 4,782 Euro.

Ebenfalls schwächer lag auch die Lufthansa-Aktie (DE0008232125) in Markt, die 5,32 % auf 11,745 Euro abgab. Hier allerdings machte sich auch die charttechnische Lage bemerkbar. Denn die Aktie hatte erst in der vergangenen Woche ihren seit Januar 2018 laufenden Abwärtstrend nach oben verlassen und atmet nun einfach aus. Dass der Auslöser die wenig überzeugenden Beschlüsse der Corona-Konferenz des Bundes mit den Ländern war, kann dabei offenbleiben.

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeMit einer zumindest von einigen Anlegern als Profiteur der Lockdown-Maßnahmen eingeschätzten Aktie geht es nach einer turbulenten Vorwoche heute eher ruhig und positiv ins Wochenende. Die Aktie von Gamestop (US36467W1099) gewinnt aktuell in New York 5,96 % auf 140,24 Dollar. Interessant dabei ist dabei die Form der laufenden Konsolidierung, die einem fraktalen Konsolidierungskeil entspricht. Dies deutet an, dass die Aktie Druck aufbaut, der sich aber sowohl nach oben wie auch nach unten entladen kann. Ein erstes Signal, dass dies nach oben geschieht, ist ein Anstieg über 151 Dollar, ein zweites wäre das Überwinden von 178,40 Dollar auf Schlusskursbasis. Die Reißleine nach unten dürften die Tiefstkurse der letzten Abwärtsbewegung bei 86 Dollar sein. Es bleibt also zumindest charttechnisch interessant, ob mit oder ohne die ,,Reddit-Crowd‘‘ von ,,WallStreetBets‘‘!

Technisch interessant ist auch die aktuelle Konsolidierung von Nanorepro (DE0006577109). Zwar schloss die Aktie heute unverändert auf Xetra mit 17,10 Euro. Allerdings bastelt der Wert an einem kleinen Doppelboden oberhalb seiner seit dem 23.02.2021 laufenden kurzfristigen Aufwärtstrend-Linie. Dass es sich nach der Kursexplosion nun möglicherweise um eine Turbo-Konsolidierung handelt, passt in gewisser Weise gut zusammen. Zudem: Nimmt man das Tief vom 23.02.2021 als Ausgangspunkt für ein Fibonacci-Retracement, entspricht das heutige Tagestief bei 14,80 Euro einem 50 % - Retracement. Auch hier bleibt es zumindest für Charttechniker spannend!

 

05.03.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 









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