
Dell ist nicht optimistisch genug, HP sorgt für positive Überraschung, Gap leidet unter Zöllen und Delivery Hero setzt der starke Euro zu
Frische Aussichten sorgen für Bewegung an der Börse
Die Berichtssaison nimmt in dieser Woche noch einmal richtig an Fahrt auf. Dafür sorgten natürlich die Zahlen von Nvidia, welche letztlich aber recht unaufgeregt verdaut wurden. Abseits davon legten auch einige andere vielbeachtete Unternehmen neue Ergebnisse vor und die Ansprüche der Börsianer sind mittlerweile recht hoch geworden.
Eine Anhebung der Prognose reicht im derzeitigen Marktumfeld längst nicht immer aus, um die Anleger in Ekstase zu versetzen. Genau das bekam Dell (US24703L2025) zu spüren, nachdem eigentlich recht positive Zahlen mit sichtbaren Auswirkungen des KI-Booms vorgelegt werden konnten. Für das Gesamtjahr rechnet der Computerhersteller nun mit einem Umsatz von 105 bis 109 Milliarden US-Dollar statt zuvor 101 bis 105 Milliarden Dollar.
Auch beim Gewinn je Aktie dreht Dell auf und stellt 9,55 Dollar in Aussicht. Das klingt gut, doch der Ausblick auf das laufende Quartal ernüchterte etwas und viele Anleger hatten sich schlicht noch etwas mehr Optimismus erhofft. Die Aktie reagierte im nachbörslichen Handel am Donnerstag mit Verlusten von 5,4 Prozent und der Kurs fiel bis auf 126,85 Dollar zurück.
HP auf Wachstumskurs
Besser verdaut wurden die Ergebnisse von HP (US40434L1052), welche dem Aktienkurs gestern ein Plus von 4,6 Prozent ermöglichten. Per Handelsschluss standen 28,35 Dollar auf dem Ticker. Angetan zeigten die Anteilseigner sich von wieder steigenden Geschäften mit klassischen PCs. HP selbst sprach davon auch von „KI-PCs“, was aber letztlich nur Notebooks und Desktops meint, deren Hauptprozessor mit KI-Coprozessoren ausgestattet sind, sogenannte NPU-Einheiten.
Umsatz und Gewinn landeten weitgehend innerhalb der Prognosespanne der Analysten, doch der Ausblick auf ein Nettoergebnis je Aktie im Bereich von 0,87 bis 0,97 Dollar wurde als angenehme Überraschung angesehen. Offenbar braucht es nicht unbedingt nur KI-Server, um dieser Tage ein ansehnliches Wachstum zu erreichen. Auch „gewöhnliche“ Computer scheinen wieder gefragter zu sein. HP selbst geht davon aus, dass dieser Trens sich fortsetzen wird.
Gap wird vorsichtiger
Der Modekonzern Gap (US3647601083) machte derweil seinem Namen alle Ehre und ließ eine kleine Lücke zwischen Erwartungen und Realität erkennen. Unter anderem aufgrund hoher US-Zölle stiegen die Umsätze weniger stark als von den Analysten prognostiziert. Dass der Gewinn je Aktie mit 0,57 Dollar oberhalb der Markterwartungen lag, war nur ein schwacher Trost. Denn der Blick nach vorn sorgte für breite Ernüchterung.
Gap berücksichtigt bei der Prognose nun Zölle und rechnet damit, dass dadurch bedingt die Marge nur noch bei 6,7 bis 7 Prozent landen wird. Selbst im besten Fall wird also die Marge aus dem Vorjahr in Höhe von 7,4 Prozent nicht erreicht werden können. Das trieb manchen Anleger in die Flucht und die Gap-Aktie musste am Donnerstag Verluste von 2,8 Prozent hinnehmen. Aus dem Handel ging es mit 21,68 Dollar und die jüngste Erholung verliert damit schon wieder merklich an Schwung.
Delivery Hero: Starker Euro, schwacher Ausblick
Ähnliche gestaltete die Lage sich bei Delivery Hero (DE000A2E4K43), wenn auch aus anderen Grünen. Die trumpschen Zölle spielen für den Lieferdienstleister eine untergeordnete bis gar keine Rolle. Belastend wirkte sich aber der starke Euro aus. Ohne dadurch bedingte Währungseffekte hätte der Konzern nach eigener Einschätzung die Prognose für das laufende Jahr wohl einhalten können.
Nun aber rudert man zurück und erwartet beim operativen Ergebnis nur noch einen Wert zwischen 0,9 und 0,94 Milliarden Euro. Zuvor wurden 0,975 bis 1,025 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Der Cash Flow soll bei 120 Millionen statt der zuvor in Aussicht gestellten 200 Millionen Euro landen. Das macht den Bullen wenig Laune. Die Deliver Hero-Aktie musste am gestrigen Donnerstag Abschläge in Höhe von 5,9 Prozent hinnehmen und sich mit einem Schlusskurs von mauen 22,05 Euro zufriedengeben.
Auf dem Prüfstand
Quartalszahlen und neue Aussichten führen ab und an schon mal zu einer kleinen Neubewertung. Die Anleger erhalten ein klareres Bild darüber, was von Einzelunternehmen in absehbarer Zukunft noch zu erwarten ist. Leider bedeutet das längst nicht immer gute Neuigkeiten. Wie gehabt sorgt das Chaos in der Geopolitik für unberechenbare Entwicklungen. Viele börsennotierte Konzerne berücksichtigen dies mittlerweile im Ausblick. Doch kann sich über die nächsten Monate auch viel wieder verändern. Es bleibt abzuwarten, ob die heutigen Schätzungen in Kürze noch einen Wert haben. Sollte Donald Trump mal wieder willkürliche Zolldrohungen in die Welt hinausposaunen, dann schnell wieder einiges auf den Kopf gestellt werden.
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29.08.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler
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