
Gewinneinbruch bei BYD, Sorge um Nio, Geely legt bei den Absätzen zu und bei Tesla schwindet die Hoffnung
Den Anlegern gefällt die Richtung bei vielen Autokonzernen nicht so richtig
In den letzten Jahren entwickelte sich kein Automarkt auf dem Planeten derart rasant wie in China. Noch immer werden dort Jahr für Jahr Millionen Fahrzeuge abgesetzt und die Mobilitätswende geht dabei sogar deutlich schneller voran als in den meisten westlichen Ländern. Das weckt Begehrlichkeiten und der harte Kampf um Marktanteile hinterlässt immer mehr Spuren, welche den Börsianern wenig gefallen.
Nach Jahren des Wachstums und immer größeren Fantasien scheint BYD (CNE100000296) nun endgültig am Boden der Tatsachen anzukommen. Bei den gestern vorgestellten Quartalszahlen verzeichnete der chinesische Konzern zum ersten Mal seit über drei Jahren einen Gewinnrückgang. Um gleich 29,9 Prozent ging es abwärts auf umgerechnet etwa 770 Millionen Euro. Beobachter führen dies insbesondere auf den anhaltenden Preiskampf zurück, bei dem sich mittlerweile auch schon die Regierung in Peking eingeschaltet hat.
Positiv lief es noch, wenn das erste Halbjahr als Vergleichszeitraum herangezogen wird. Da zeigt sich noch ein Plus von 13,8 Prozent beim Gewinn und 23,3 Prozent bei den Umsätzen. Doch der Aktie konnte dies am Freitag nicht helfen. Die Aktionäre waren sichtlich enttäuscht und der Kurs gab um über sechs Prozent bis auf 11,75 Euro an den hiesigen Handelsplätzen nach. Das ist der tiefste Stand seit Februar.
Wird auch Nio enttäuschen?
Die Zahlen des Konkurrenten Nio (US62914V1061) stehen erst am Dienstag an, doch BYD sorgt schon mal für steigende Unsicherheit. Zwar konnte die Nio-Aktie sich in den letzten Wochen sichtlich erholen. Der Einsatz ist aber hoch, da kürzlich niemand Geringeres als William Li davon sprach, dass der Konzern sich in einem Kampf ums Überleben befinden würde. Sollten die Zahlen also nicht überzeugen, könnte der Blick sich schnell in Richtung Abgrund richten.
Darauf sei an dieser Stelle nicht gehofft, doch die Vorgaben des großen Mitbewerbers hinterließen sichtlichen Eindruck. Die Nio-Aktie verlor am Freitag um 1,9 Prozent an Wert und ging auf 6,38 US-Dollar zurück. Auf 5-Tages-Sicht summieren sich die Abschläge auf 4,6 Prozent. Die vorherige Erholungsrallye bröckelt damit dezent, wenngleich es charttechnisch noch etwas Support gibt.
Geely im Aufstieg
Besser fiel die Stimmung bei Geely (KYG3777B1032) aus, wo der Aktienkurs sich vor dem Wochenende um 3,7 Prozent auf 2,17 Euro verbessern konnte. Auch hier hinterlässt der Preiskrieg in China deutliche Spuren. Doch zuletzt standen steigende Absatzzahlen im Fokus. Im ersten Halbjahr profitierte Geely auch von der Schwäche von Mitbewerbern und schwang sich damit sowohl an Nissan als auch an Honda vorbei. Stolze 1,93 Millionen Fahrzeuge konnten verkauft werden, was für den achten Platz im weltweiten Ranking reicht.
Geely unterstreicht damit seinen Anspruch, weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus an Bedeutung zu gewinnen. Vorbereite wurde dies schon vor Jahren durch diverse Übernahmen. Zum Konzern zählen beispielsweise bekannte europäische Marken wie Volvo. An den Märkten macht sich die Hoffnung breit, dass all die Mühen sich nun mehr und mehr auszahlen werden und die Expansion im Westen Geely in ungeahnte Höhen treibt. So viel Optimismus ist selten im Segment. Auf Jahressicht verbesserte sich die Aktie um 117 Prozent.
Tesla bricht in Europa ein
Die Aktie von Tesla (US88160R1014) steigerte ihren Kurs im gleichen Zeitraum um gut 60 Prozent, was allerdings einzig und allein auf dem Prinzip Hoffnung aufgebaut ist. Von Träumen, eines Tages nur mit Elektroautos den Größten der Branche Konkurrenz machen zu können, dürfte man sich längst verabschiedet haben. In Europa waren die Absatzzahlen im Juli wieder einmal im freien Fall und selbst vergleichsweise wenig bekannte Konkurrenten wie das chinesische SAIC ließen Tesla hinter sich.
Träumereien um Robotaxis stützen die Tesla-Aktie bisher noch einigermaßen. Doch der Support scheint sich aufzuweichen. Am Freitag gab das Papier um 3,5 Prozent auf 333,87 Dollar nach und bleibt damit im laufenden Jahr unverändert in einem negativen Trend hängen. Im Prinzip müsste Tesla schon jetzt mehrere Sensationen abliefern, um die Bewertung irgendwie rechtfertigen zu können. Stattdessen scheint es Monat für Monat negative Neuigkeiten zu geben. Selbst die größten Optimisten können diese Spielchen nicht ewig mitspielen.
China-Sorgen
Richtig auf dem Zahnfleisch gehen gerade die großen Autokonzerne noch nicht. Die Gewinne sprudeln noch immer, nur eben in einem deutlich geringeren Ausmaß als noch in der Vergangenheit. Das reicht aber aus, um die Aktionäre in die Flucht zu schlagen. Denn jene investieren vor allem in Wachstum. Von Schrumpfkurs oder Stagnation können sie sich schließlich nicht viel kaufen. Die anhaltenden Probleme auf dem chinesischen Automarkt sind daher ernst zu nehmen, und das nicht nur in Bezug auf die heimischen Anbieter.
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30.08.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler
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