Starke Geschäfte mit Glyphosat sorgen für erfreuliche Zahlen bei Bayer und die Bullen greifen zu
Bayer scheint mit Glyphosat wieder für Freude sorgen zu können
Jahrelang war Glyphosat das größte Sorgenkind bei Bayer. Zehntausende Klagen lasteten auf dem Unternehmen, immer wieder machten Schlagzeilen mit Urteilen über milliardenschwere Schadenersatzurteile die Runde. Dass solche später in der Regel deutlich reduziert werden, sorgte freilich für weniger Aufmerksamkeit. An der Börse belastete vor allem das kaum einschätzbare Risiko den Aktienkurs.
Doch Bayer (DE000BAY0017) hat in der Angelegenheit bedeutende Fortschritte hinter sich, was der Konzern auch bei der Vorstellung der Halbjahresergebnisse ansprach. Bei der Eindämmung von Rechtsstreitigkeiten sei man gut vorangekommen, ließ Konzernchef Bill Anderson wissen. Es seien aber noch immer wichtige Meilensteine zu erreichen. Im vergangenen Quartal hat das Geschäft mit Glyphosat sich schon einmal deutlich verbessert. Die dazugehörige Sparte Crop Sciende legte um über 30 Prozent zu, was sowohl auf höhere Absatzmengen als auch höhere Preise zurückgeführt wird.
Die guten Ergebnisse in diesem Bereich retteten Bayer ein wenig die Quartalsbilanz. Denn im klassischen Pharmageschäft lief es deutlich weniger erfreulich. Ausgelaufene Patente ließen die Umsätze mit Xarelto und Eylea einbrechen. Nubeqa konnte diese Rückschläge nicht vollständig ausgleichen. Sowohl bei Pharma als auch Consumer Health verzeichnete Bayer einen Gewinnrückgang von jeweils 3,6 Prozent. Das ist aber augenscheinlich eine Entwicklung, mit der die Anleger angesichts deutlich geringerer Risiken gut leben können.
Bayer schneidet besser als erwartet ab
Unter dem Strich konnte Bayer den Konzernumsatz um etwas mehr als ein Prozent auf 10,9 Milliarden Euro anheben, während das Ebitda sich um 1,9 Prozent auf rund 2,1 Milliarden Euro verbesserte. Das klingt im ersten Moment eher überschaubar. Es reicht jedoch aus, um die Erwartungen der Märkte zu übertreffen. Damit kommt bei Bayer nun eine angenehme Mischung aus weniger Risiko und einer richtigen Richtung auf fundamentaler Ebene zusammen.
Erfreut sind die Anleger auch über den Ausblick, der aufgrund von Währungseffekten dezent angehoben wurde. Währungsbereinigt hält Bayer an der eigenen Prognose fest. Darüber hinaus soll die Verschuldung schneller als bisher geplant reduziert werden. Bis Jahresende soll die Nettofinanzverschuldung auf 29 bis 30 Milliarden Euro peilen. Das ist deutlich weniger als die zuvor angepeilten 32 bis 33 Milliarden Dollar. Bemerkbar machen sich hier vor allem drei Milliarden Euro, welche der US-Finanzinvestor Apollo mit seinem Einstieg bei Bayer beisteuert.
Die Anleger zeigen sich zufrieden mit der Entwicklung bei Bayer. Der Aktienkurs reagierte am Dienstag mit Zugewinnen in Höhe von 2,4 Prozent und der Kurs verbesserte sich auf 48,25 Euro. Etwas Abstand zum Hoch aus dem Juli bei knapp 54 Euro bleibt damit noch. Doch die Richtung im Chart stimmt weiterhin mit einem Plus von 27 Prozent seit Jahresbeginn. Gelingt es Bayer, auch in Zukunft bei Quartalszahlen die Erwartungen nicht zu enttäuschen, so steht einem nachhaltigen Comeback kaum etwas im Wege.
Bayer mit Vorschusslorbeeren
Auch wenn sich bei Bayer in der jüngeren Vergangenheit vieles zum Positiven gewandelt hat, fehlt es an Signalen, welche einen Einstieg rechtfertigen könnten. Das Wachstum fällt nüchtern betrachtet sehr überschaubar aus. Zwar sind einige der größten Belastungen weggefallen, was im Kurs aber nun schon seit einer Weile eingepreist ist. Kleine Erfolge reichen nicht mehr aus, um den Kurs in noch höhere Gefilde zu befördern. Dafür müsste Bayer noch für deutlich größere Überraschungen sorgen.
Schlechtgeredet werden soll die positive Wendung bei Bayer damit in keinem Fall. Es bleibt aus Anlegersicht aber festzustellen, dass der Turnaround schlicht bereits stattgefunden hat und das weitere Aufwärtspotenzial ohne neue Impulse überschaubar ausfällt. Ankommen wird es in Zukunft vermehrt auf neue Erfolge in der Pharma-Pipeline. Schafft Bayer dort die Rückkehr zu größeren Wachstumssprüngen, dürfte dies auch die Bullen wieder anlocken.
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05.08.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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