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Bayer warnt vor Milliardenverlusten

Aktie bricht ein

NTG24 - Bayer warnt vor Milliardenverlusten

 

Die Umsatz- und Gewinnwarnung von Bayer hat Frankfurt aus den Socken gehauen. Die gute Nachricht ist, dass die Prognose für 2020 bestehen bleibt. Auch in diesem Punkt hätte sich eine weitere Enttäuschung für die Börse ergeben können, doch Bayer blieb bei der deutlich reduzierten Prognose für das laufende Geschäftsjahr. 

2021 wird schlechter als 2020. Das ist schon eine bittere Pille für die Bayer-Aktionäre, die keineswegs verwöhnt wurden, seit Werner Baumann das Ruder übernommen hat. Laut der neuen Prognose, die ohne Zweifel in Zukunft noch angepasst werden wird, soll der Umsatz in 2021 „in etwa“ auf dem Niveau von 2020 liegen. Bayer ist sich also noch nicht einmal sicher, dass man im kommenden Jahr wachsen kann. 

Was das Ergebnis angeht, so rechnet Bayer in jedem Fall mit fallenden Margen. Man warnte explizit, dass schon das „bereinigte“ Ergebnis bei „konstanten“ Wechselkursen unter dem Niveau von 2020 liegen wird. Ein bereinigtes Ergebnis ist in diesem Fall ein Ergebnis, bei dem die negativen Effekte herausgerechnet wurden. „Konstante“ Wechselkurse gibt es nicht und Bayer warnt auch explizit davor, dass man aktuell Verluste aus Wechselkursveränderungen erleidet und dies auch für 2021 erwartet. 

 

Monsanto ist das Kernproblem

 

Das Epizentrum der Verluste liegt ausgerechnet im Crop-Science-Geschäft. Das Agrar-Chemie-Geschäft, das Bayer mit dem überteuerten Kauf der amerikanischen Monsanto sehr stark ausgeweitet und im Gegenzug viele profitable Geschäftsfelder verkauft hat. Das Geschäftsfeld, weswegen das Unternehmen sich nun in Amerika einer sechsstelligen Zahl von Klagen gegenübersieht, weil einige Produkte von Monsanto eben doch krebserregend zu sein scheinen. Bayer und Monsanto bestreiten das weiterhin, aber die Richter sind zunehmend anderer Ansicht. Und genau dieses Geschäftsfeld beginnt nun so sehr im operativen Kern zu schwächeln, dass Bayer vor einer Sonderabschreibung im hohen einstelligen Milliardenbereich warnte. Der Vorstand betont, dass die Abschreibung nicht liquiditätswirksam sein wird.

Es spielt am Ende keine Rolle, dass die milliardenschwere Sonderabschreibung nicht liquiditätswirksam sein wird. Entscheidend ist, dass die Bilanzstruktur von Bayer durch den Kauf von Monsanto und die sich daraus ergebenden Folgeprobleme so angeschlagen ist, dass eine (weitere) Kapitalerhöhung zu erwarten ist. Das ist einer der Gründe, warum die Aktie so negativ auf die Umsatz- und Gewinnwarnung reagiert: Die Aktionäre müssen nicht nur weitere Verluste ertragen, sondern sie werden auch in absehbarer Zeit noch einmal zur Kasse gebeten. 

Der Cashflow wird 2021 unter dem Vorjahresniveau bleiben. Der Kapitalfluss ist die „reinste“ Form, um den operativen Erfolg eines Unternehmens zu messen. Wir sehen daher an dieser grob formulierten Warnung bereits, dass Bayer erwartet, weiterhin in Schwierigkeiten zu stecken. Dazu passt auch, dass man die Dividende zwar nicht streichen, aber auf ein Minimum reduzieren wird. Die Ausschüttungsquote wird voraussichtlich nur bei 30 % liegen. 

Um die Schwächen der Agrar-Chemie-Sparte abzufangen, wird Bayer konzernweit noch mehr Kosten senken. Die ersten umfangreichen Kostensenkungsprogramme, die auch die Effizienz steigern sollen, laufen bereits und haben einen Umfang von 2,6 Mrd. Euro p.a. Diesen harten Maßnahmen wird Bayer um mindestens 50 % erhöhen, was dann auch den noch wachsenden Sparten das Wasser abgraben wird. 

 

Bayer AG

 

Im Ergebnis: Ich warne seit Langem vor Bayer. Baumann wird als größter Wertvernichter in die Geschichte des Konzerns eingehen. Die Aktien werden sich erst wieder erholen, wenn er gegangen „wurde“, denn die Börse hat jegliches Vertrauen in die Bayer-Führung verloren. Mit dem heutigen Bruch an der Börse liegt mein langfristiges Kursziel für die Bayer-Aktie bei mindestens 35 Euro. Verschlechtert sich die Situation bei Monsanto weiter, sind im schlechtesten Fall auch 23 Euro möglich. (Bayer AG, BAYN, ISIN DE000BAY0017, WKN BAY001)

 

01.10.2020 - Mikey Fritz - mf@zuercher-boersenbriefe.ch

 

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