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BÖRSE TO GO - Boeing, Continental und Dialog Semiconductor

Futures leicht positiv

 

Die Futures versuchen, die Verluste vom Dienstag wettzumachen. Alle US-Futures notieren heute früh vor Eröffnung der Vorbörse in Europa leicht höher. Der S&P 500 Future liegt mehr als 0,1 % höher bei 3.358 Punkten und der Nasdaq-Future wird 0,15 % höher bei 11.290 Punkten gesehen. Der DAX zeigte bereits gestern innere Stärke und schloss 0,61 % höher bei 12.906,02 Punkten. Der DAX-Future sackte dann nach Börsenschluss in Europa im Einklang mit den US-Indizes ab, steigt aber heute früh um 0,7 % auf 12.845 Punkte. Der DAX wird damit zur Eröffnung um 09:00 Uhr immer noch im Minus gesehen. Wie kam es zu dem Rücksetzer? 

Präsident Trump fordert ein Ende der Verhandlung über ein weiteres Konjunkturprogramm. In einem überraschenden Schritt änderte der amerikanische Präsident am Dienstagabend seine Ansichten und wies seine Partei an, keine weiteren Verhandlungen mit den Demokraten über ein neues Gesetz zu führen. Ein solches Gesetz ist nötig, um größere Härten von der amerikanischen Bevölkerung zu nehmen. Dazu gehört eine Fortsetzung der Zusatzhilfen für Arbeitslose, finanzielle Unterstützungen für die angeschlagenen Fluggesellschaften, um umfangreiche Entlassungen zu verhindern und weitere wichtige Maßnahmen wie der temporäre Schutz von Privatpersonen vor Zwangsräumungen. Trump avisierte vage, dass das Konjunkturprogramm nach seiner Wiederwahl aufgelegt werden würde und implizierte damit, dass weitere Konjunkturhilfen nur kommen, wenn die Wähler sich für ihn entscheiden.

Die Wall Street nahm den Meinungsschwung im Weißen Haus schlecht auf. Man hatte fest mit einer Einigung zwischen Demokraten und Republikanern gerechnet, zumal viele Maßnahmen Ende Oktober auslaufen und somit zur Präsidentenwahl am 03. November bereits erste Auswirkungen haben werden. Es besteht zwar nach wie vor die Möglichkeit, dass Präsident Trump lediglich blufft, aber bis dahin geht die Wall Street erst einmal in Deckung. 

Die Absage für das Konjunkturprogramm kam wenige Stunden, nachdem die FED neue Hilfen eingefordert hatte. Der FED-Vorsitzende Jerome Powell hatte in einer Rede am Dienstag ein weiteres Mal betont, dass neue Staatshilfen essenziell wichtig sind, um die Erholung der US-Konjunktur fortzusetzen. Oder anders gesagt: Die FED sieht sich nicht in der Lage, die Konjunkturerholung alleine herbeizuführen. 

 

S&P 500 Index

 

Die Kurse an der Wall Street brachen daher nach dem Tweet von Trump abrupt ein. Der S&P 500 Index knickt direkt vom Tageshoch bei 3432 Punkten ein und fiel in einem Rutsch bis auf 3356 Punkte. Die Wall Street versuchte dann in der letzten halben Stunde den Trend noch zu drehen, scheiterte aber an zu starken Verkäufen. Am Ende schloss der S&P 500 Index -1,40 % tiefer bei 3.360,95 Punkten. Der Dow Jones Industrial Average Index sank um -1,34 % auf 27.772,76 Punkte und der Nasdaq Composite Index war der größte Verlierer mit Abschlägen von -1,57 % auf 11.154,60 Punkte. 

Je länger der asiatische Handel läuft, desto stärker erholt er sich. Anfänglich setzten die asiatischen Märkte fort, was als Vorgabe von der Wall Street kam, doch je näher der Handel an die Eröffnung der europäischen Vorbörse heranrückt, desto stärker erholen sich die Kurse. Heraus sticht der Handel in Australien. Der ASX 200 Index klettert zwischenzeitlich um bis zu 1,25 % auf 6.036,40 Punkte. Auch der südkoreanische KOSPI notiert mehr als 0,6 % höher über 2.379 Punkten. 

 

Dialog Semiconductor erhöhte Prognose

 

Dialog Semiconductor erwartet mehr Umsatz. Für das am 25. September beendete 3. Quartal erwartet der Chiphersteller einen Umsatz von 386 Mio. US-Dollar, was die obere Spanne der bisherigen Prognose übertrifft. Das Unternehmen hatte einen Umsatz von 340 bis 380 Mio. US-Dollar avisiert. Der Vorstand betonte, dass die Nachfrage nach dem gesamten Portfolio höher als erwartet ausfällt, wobei besonders PMICs, CMICs und die Bluetooth-Lösungen im Vordergrund standen. Die Produkte von Dialog Semiconductor finden in mobilen Elektrogeräten wie Fitnessuhren, Laptops, digitalen Uhren und Tablets Einsatz. Das Unternehmen kündigte zudem an, dass man erwartet, dass der positive Trend sich im 4. Quartal fortsetzt. Den vollständigen Bericht wird man am 05. November 2020 veröffentlichen. Die Aktien von Dialog Semiconductor werden heute früh vorbörslich (L&S) bei 41,15 Euro (0,09 %) gehandelt.

 

Continental richtet sich neu aus

 

Nach Daimler kündigt nun auch Continental die Neuausrichtung des Konzerns an. Der Druck auf die Branche, sich von den Verbrennertechnologien abzuwenden und den batteriegetriebenen Modellen zuzuwenden, nimmt exponentiell zu. Bei den betroffenen Unternehmen sorgt dies insbesondere dafür, dass die Budgets neu ausgerichtet werden und Geschäftsteile ausgegliedert oder gleich verkauft werden, die in den kommenden Jahren immer weniger gebraucht werden. Continental sieht diesbezüglich vor allem bei Vitesco Technologies und Contitech Handlungsbedarf. 

30.000 Arbeitsplätze können aufgrund des Umbaus in der Branche bei Conti zum Opfer fallen. Allein in Deutschland stehen 13.000 Arbeitsplätze zur Disposition. Der Vorstand machte deutlich, dass man den heimischen Standort in den vergangenen Jahren geschützt hatte, dies aber nicht mehr möglich sei. Werksschließungen in Aachen, Karben und Regensburg sind bereits beschlossen. Die Sparten Elektronik, E-Mobilität, Sensorik und Software werden die Profiteure des Umbaus werden. Fraglich ist, wie viele Mitarbeiter Continental umschulen kann, um das Wachstum in diesen Sparten intern zu bedienen. Continental wird vorbörslich (L&S) bei 98,60 Euro (0,84 %) gesehen. 

 

Boeing senkt Erwartungen

 

Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing hat die Erwartungen für die nächste Dekade um 11 % reduziert. Das Management signalisierte mit dieser neuen Prognose für ihr zukünftiges Geschäft eine sehr langsame Erholung und einen weiten Weg, bis sich die Nachfrage wieder auf das Niveau vor „Corona“ normalisiert hat. Eine Absenkung der globalen Nachfrageerwartung um -11 % bedeutet, dass Boeing mit 200 Mrd. US-Dollar weniger Umsatz über diesen Zeitraum rechnet. Konkret rechnet Boeing zur Zeit damit, dass es fünf Jahre dauern wird, bis sich die Nachfrage wieder normalisiert hat. 

 

FED-Minutes im Fokus

 

Die Börse erwartet heute früh um 08:00 Uhr die jüngsten Zahlen zur Industrieproduktion in Deutschland. Für den Monat August erwarten die Ökonomen ein Wachstum von 1,5 % im Vergleich zum Vormonat. Im Juli erreichte die Industrieproduktion ein Wachstum von 1,2 %. 

Erneut wird EZB-Präsidentin Lagarde eine Rede halte. Der Termin soll um 14:10 Uhr beginnen. 

Um 16:30 Uhr erwarten wir die Entwicklung der Rohöllagerbestände in den USA. Nach einer Reduktion der Bestände in der Vorwoche um -1,98 Mio. Barrel wird für heute eine Erhöhung der Bestände im Umfang von 0,294 Mio. Barrel erwartet. Nach einem Rückgang der Preise für WTI-Öl Anfang Oktober bis auf 36 US-Dollar / Barrel hat sich das Preisniveau inzwischen wieder auf knapp 40 US-Dollar erhöht. 

Nach Börsenschluss in Europa wird die FED um 20:00 Uhr die Minutes der letzten Sitzung veröffentlichen. Das Sitzungsprotokoll des Offenmarktausschuss hat immer die Aufmerksamkeit der Börse, da sich aus dem Dokument weitere Hinweis zur Meinungsbildung innerhalb des Ausschusses ergeben. 

 

07.10.2020 - Mikey Fritz - mf@ntg24.de

 









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