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Bank von England - Geldpolitik mit ruhiger Hand

Britische Zentralbank nicht so expansiv wie erwartet

 

Die englische Zentralbank setzt ihre expansive Geldpolitik auch mit der heute veröffentlichten Entscheidung weiter fort. Allerdings ist dabei auch eine gewisse Vorsicht zu spüren, die nicht zuletzt aus der hochgradigen Unsicherheit über die effektiven Wirkungen vorangegangener Entscheidungen und dem Grad des Vertrauensverlustes bei Konsumenten und Produzenten entspringen dürfte.

Gleichwohl erhöhte das Geldpolitische Komitee (MPC) der Bank von England (BoE) ihr bestehendes Wertpapierankaufprogramm wie erwartet um 100 Mrd. Pfund auf eine Zielsumme von 745 Mrd. Pfund auf. Dabei stimmten jedoch nur acht Mitglieder der Führungsriege dafür. Der angesehene Chefvolkswirt Andy Haldane stimmte gegen eine Ausweitung. Chefvolkswirt Haldane hat jedoch gegen eine Ausweitung der Käufe das Argument ins Feld geführt, dass sich die Wirtschaft zuletzt besser entwickelt habe als bei der vorherigen Zinssitzung befürchtet.

 

Leicht gebremste Drehzahl des Anleihe-Staubsaugers

 

Das MPC betonte, das Programm vollständig umsetzen zu wollen, allerdings werde die Geschwindigkeit der Wertpapierkäufe verringert. Dadurch wird das Zielvolumen der Wertpapierkäufe erst am Jahresende erreicht werden. Wurden bislang wöchentlich noch Anleihen im Gegenwert von rund 11 Mrd. Pfund von der Notenbank aufgekauft, dürfte die neue Entscheidung zu einem Volumenrückgang auf rund 6 Mrd. Pfund führen.

Der Leitzins blieb bei 0,1%.

Das Vereinigte Königreich ist einer der am schwersten von der Virus-Pandemie betroffenen Länder weltweit. Die britische Wirtschaft ist im April aufgrund des Lockdowns um 20,4 % im Vergleich zum Vormonat eingebrochen. Die Corona-Krise hat auf der Insel in den Monaten April und Mai mehr als 500.000 Arbeitsplätze vernichtet.

BoE-Vorsitzender Bailey verglich die aktuelle Lage mit einer ,,beispiellosen Situation‘‘. Denn die Aussichten sowohl der Weltwirtschaft als auch der britischen Volkswirtschaft seien ungewöhnlich unsicher.

Das MPC sieht nun das Risiko, dass sich die Arbeitslosigkeit auf einem höheren Niveau verfestigt. Außerdem wird erwartet, dass sich Haushalte und Firmen bei Ausgaben und Investitionen vorerst weiter zurückhalten.

 

Pfund in Euro

 

Das britische Pfund verteuerte sich gegen den Euro nach der Entscheidung der Notenbank um rund 1 %. Ein Blick auf die langfristige Entwicklung zeigt, dass aktuell sowohl eine weitere Aufwertung des Pfundes gegen den Euro als auch eine weitere Abwertung aus dem Chartbild abgeleitet werden kann, da sowohl eine Trendumkehrformation nach unten in Form eines Doppeltops als auch eine nach oben in Form einer umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Formation möglich ist. Die fehlende Signifikanz mahnt deshalb dazu, sich nicht zu sicher in seinen Prognosen zu sein und dieser Signifikanz nicht vorzugreifen.

 

Fazit

 

Die BoE ist offensichtlich bemüht, ihren geldpolitischen Spielraum, der ihr noch mit konventionellen Mitteln verbleibt, nicht in vorauseilendem Gehorsam gegenüber den Märkten opfern zu wollen. Dass einer der brillantesten Ökonomen Englands, der BoE Chefvolkswirt Haldane, dies mit seinem Abstimmungsverhalten ausdrückt, dürfte deshalb mehr als eine Randnotiz sein. Einstweilen dürften aber die extrem hohe Unsicherheit der Verbraucher und der Effekt der Coronakrise auf den britischen Arbeitsmarkt den Notenbankern weiter die Sorgenfalten im Gesicht vertiefen. Von einem harten Brexit ganz abgesehen.

 

18.06.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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