Broadcom sorgt für neue Fantasien, Nvidia gerät unter Druck, Zweifel an AMD und Intel bleibt im Abseits
Gerät Nvidias Dominanz bald ins Wanken?
Schon seit Jahren hat Nvidia den Markt rund um KI-Chips fest in der Hand. Abgesehen von China, wo die Politik dem US-Konzern das Leben schwer macht, werden nach Schätzung von Analysten bequem Marktanteile im Bereich von 80 bis 90 Prozent erreicht. Allerdings muss es dabei nicht bleiben und die Konkurrenz scheint sich derzeit in Stellung zu bringen.
Ein Bericht der „Financial Times“ sorgte kürzlich für viel Aufsehen. Darin ist zu lesen, dass der ChatGPT-Entwickler OpenAI an eigenen KI-Chips arbeite und sich zu diesem Zweck mit Broadcom (US11135F1012) verbünden möchte. Das passt zu einer Ankündigung Broadcoms, wonach man sich einen neuen Auftrag mit einem Volumen oberhalb von zehn Milliarden US-Dollar angeln konnte. Allerdings ging der Chiphersteller nicht darauf ein, um wen es sich dabei genau handeln mag.
Der Broadcom-Aktie verschaffen die Fantasien um den OpenAI-Deal viel Rückenwind. Zuvor konnte das Unternehmen überraschend starke Quartalszahlen vorweisen und sich damit erfolgreich gegen die etwas angeschlagene Marktstimmung stemmen. Am Freitag ging es für das Papier um satte 9,4 Prozent bis auf 334,89 Dollar in Richtung Norden. Im frühen Handel wurde sogar zeitweise bei 356,34 Dollar ein frisches 52-Wochen-Hoch markiert.
Muss Nvidia nun zittern?
Was bei Broadcom für gute Laune sorgt, lässt die Anleger von Nvidia (US67066G1040) in Deckung gehen. Bisher galt OpenAI als wichtiger und zahlungskräftiger Partner von Nvidia, der fleißig KI-Chips einkaufte, um seine KI-Modelle zu trainieren und zu betreiben. Offensichtlich scheint man sich aber nicht allzu eng an nur einen Hersteller klammern zu wollen. Das könnte im ungünstigsten Fall für weniger Bestellungen sorgen.
Auch wenn es sich dabei bisher nur um Spekulationen und böse Vorahnungen handelt, ließ die Nvidia-Aktie dennoch am Freitag um spürbare 2,7 Prozent bis auf 167,02 Dollar nach. Damit unterschreitet der Titel erstmals seit Juli wieder die Linie bei 170 Dollar. Erschwerend kommt hinzu, dass die Quartalszahlen zwar gut, aber nicht sensationell ausfielen. Im Falle von Nvidia gleicht das durchaus einer kleinen Enttäuschung.
AMD kommt nicht voran
Es ist fraglich, ob Nvidia momentan wirklich viel zu befürchten hat. Schließlich arbeiten mehrere Konkurrenten schon seit Längeren an eigenen KI-Chips. Viel daraus geworden ist bisher nicht. Das beste Beispiel dafür ist wohl AMD (US0079031078). Dort stehen zwar durchaus Chips in den Startlöchern, die sich vor Nvidias GPUs nicht verstecken müssen. Das Interesse daran fällt aber allem Anschein nach verhalten aus.
Die Liste der Kunden ist lang und enthält unter anderem Namen wie Amazon und Microsoft. Analysten warnen allerdings, dass es von dort lediglich testweise Bestellungen gibt und noch keine echten Großaufträge. Das führte vor dem Wochenende zu Zweifeln an den Zukunftsaussichten und die AMD-Aktie musste Abschläge von 6,6 Prozent bis auf 151,14 Dollar hinnehmen. Die allgemein maue Marktstimmung verstärkte den negativen Eindruck zusätzlich.
Nichts Neues bei Intel
Auf der Stelle trat derweil die Aktie von Intel (US4581401001), welche die Kursverluste vor dem Wochenende auf 0,5 Prozent begrenzen konnte. Nach dem Einstieg der US-Regierung konnte die Lage sich zwar etwas beruhigen und die Kurse fallen seither wieder höher aus. Doch auf fundamentaler Seite hat sich bisher nichts Neues ergeben. Insbesondere in Sachen KI bleibt man weiterhin außen vor. Intel hat diesen Trend vollständig verschlafen und bis heute nichts im Angebot, was Nvidia oder AMD ansatzweise das Wasser reichen könnte.
Die Aktie bleibt deshalb zwar weitgehend unberührt, wenn es mal wieder Gerüchte zur Zukunft des KI-Marktes gibt. Eine wirklich erfreuliche Nachricht ist das aber nicht. Denn die jüngste Stabilisierung spielt sich auf einem ausgesprochen niedrigen Niveau ab. Die Intel-Aktie hat sich seit Anfang 2024 im Kurs in etwa halbiert und die Marktkapitalisierung ist auf etwas mehr als 100 Milliarden Dollar zusammengeschrumpft. Der einstige Marktführer ist zum Zwerg verkommen und die Wende lässt auf sich warten.
Nichts überstürzen
Es kommt immer mal wieder vor, dass Nvidias Marktmacht bei KI-Chips herausgefordert wird und an den Märkten schon Fantasien über eine Neusortierung von Marktanteilen entstehen. Im konkreten Fall rund um Broadcom und OpenAI ist das aber etwas weit vorgegriffen. Bis aus den Gerüchten tatsächliche Chips werden, wird es noch eine Weile dauern. Selbst dann ist offen, wie die Hardware sich im Vergleich zu Nvidia und AMD schlagen könnte. Momentan gibt es weder Grund zur Panik, noch zur Euphorie.
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08.09.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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