VAT Group: Nicht sexy, aber präzise
VAT Group gefragt - steht die Halbleiterbranche vor einem neuen Aufschwung?
Die VAT Group liefert Präzision, keinen Sexappeal. Die Vakuumventile der Schweizer sind weltweit bekannt und begehrt, was das Unternehmen zum Marktführer in seiner Branche macht. Das 1. Halbjahr war schwach, aber die Bullen beginnen wieder zu spekulieren.
Die Halbjahreszahlen waren eine Enttäuschung. Zumindest aus Sicht der Börse, die immer nach vorne schaut. Die VAT Group (CH0311864901) hatte im Jahresvergleich in den ersten sechs Monaten einen Rückgang des Auftragseingangs um -3,4 % auf 489,4 Mio. Franken erlebt. Nicht nur sind die Aufträge von heute die Umsätze von morgen, sondern das Unternehmen arbeitet seine Aufträge auch vergleichsweise flink ab. Der Auftragsbestand schrumpft im selben Zeitraum überproportional stark um -15 % auf nur noch 293,8 Mio. Franken.
Bis Ende Juni konnte man den Umsatz noch deutlich steigern. Ein ordentliches Plus von 24,1 % auf 558 Mio. Franken, was man auch weitgehend auf die Profitabilität übertragen konnte. Das EBITDA kletterte um 22 % auf 165 Mio. Franken und das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 25 % auf 142 Mio. Franken. Wir reden damit über eine satte EBIT-Marge von 25,4 %. Nach Steuern sah es dann für die Aktionäre ein bisschen magerer aus: Ein Plus von 12 % auf noch 105,6 Mio. Franken bzw. 3,52 Franken je Aktie. Steigt man noch eine Etage tiefer ein, präsentierte VAT einen freien Cashflow von 50,7 Mio. Franken. Ein Sprung um 93 % im Jahresvergleich, was entscheidend ist, denn der freie Cashflow ist Spiegel dafür, welchen operativen Spielraum ein Unternehmen in Zukunft hat.
VAT Group: Nicht sexy, aber präzise
Als Zulieferer der Halbleiterindustrie leiden die Schweizer vor allem unter dem verhaltenen Wachstum in der Branche. Der Bereich der AI-Chips boomt zwar grenzenlos, aber der gesamte Rest der Branche wächst vergleichsweise moderat. Die Auftragslage wurde im 1. Halbjahr aber vor allem auch durch Sonderfaktoren belastet. Die volatile Zollpolitik der Amerikaner verzögerte Investitionen, da die Hersteller zunächst einmal Gewissheit haben wollten, aus welchen Ländern sie in Zukunft welche Produkte noch exportieren können. Hier kehrt inzwischen viel Ruhe ein, weswegen die VAT mit Blick auf das kommende Jahr wieder mit Rückenwind rechnen kann.
China bleibt ein Negativ-Thema. Peking hat mehr als deutlich gemacht, dass man sich die Sanktionen der Amerikaner und Europäer nicht mehr gefallen lässt und nun die wichtigsten Technologien in der Heimat nachbaut, um unabhängig zu werden. Das ist grundsätzlich ein Problem für alle ausländischen Zulieferer wie VAT. Aber das ist keine Entwicklung, die von heute auf morgen vollzogen wird. Hinzu kommt, dass die Vakuumventile der Schweizer nicht ohne Grund Marktführer sind: Bisher kommt kaum ein Konkurrent auch nur in die Nähe. Das eigentliche Risiko besteht im Fortschritt. Denn führen die Halbleiterhersteller Technologien für hochreine Vakuumprozesse ohne Ventile ein, würde das das Kerngeschäft von VAT angreifen.
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16.09.2025 - Mikey Fritz

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