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Die EU leitet ein ausführliches Prüfverfahren zur angedachten Übernahme von Ceconomy durch JD.com ein und das Ergebnis ist wohl offen

Noch hat JD.com Ceconomy nicht im Sack

NTG24 - Die EU leitet ein ausführliches Prüfverfahren zur angedachten Übernahme von Ceconomy durch JD.com ein und das Ergebnis ist wohl offen

 

Bereits vor knapp einem Jahr preschte Ceconomy mit einem Übernahmeangebot für die MediaMarkt-Mutter Ceconomy nach vorn und erhöhte wenig später den eigenen Anteil am Konzern auf über 50 Prozent. Wenig später folgte die Zustimmung durch das Bundeskartellamt und da Ceconomy selbst die Übernahme befürwortete, schien bereits alles in trockenen Tüchern zu sein. Doch abgeschlossen werden kann der Merger so schnell wohl nicht.

Bereits im März regte sich Widerstand, nachdem eine investitionskontrollrechtliche Freigabe aus Österreich als ungewiss gemeldet wurde. Nun meldet das Handelsblatt, dass wohl auch die EU-Kommission bei der Übernahme von Ceconomy (DE0007257503) noch einmal genauer hinsehen will. Jene meldete nach einer ersten Untersuchung vorläufige Bedenken, denen nun auf den Zahn gefühlt werden soll.

Im Raum steht vor allem die Frage, ob JD.com von ausländischen Subventionen profitieren konnte. Zuwendungen der chinesischen Regierung könnten dafür gesorgt haben, dass der Handelsriese aus Fernost ein höheres Übernahmeangebot abgeben konnte, was als eine Wettbewerbsverzerrung interpretiert werden könnte. Untersucht werden sollen unter anderem Vorzugsfinanzierungen, steuerliche Anreize und direkte Zuschüsse. Außerdem stellt man sich bei der EU die Frage, ob durch eine Übernahme des Unternehmens mit rund 1.000 Filialen der Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt verzerrt werden könnte.

 

 

 

Ceconomy in der Schwebe

 

Die anvisierte Übernahme hat auch eine politische Dimension, wenn auch nicht ganz so stark wie es etwa in der Rüstungsindustrie der Fall wäre. Allerdings klagen hiesige Handelsunternehmen schon seit Längerem über den zunehmenden Einfluss chinesischer Großkonzerne. Das ist zwar erstmal kein Argument, um eine Übernahme grundsätzlich zu verhindern. Es könnte manchen Politiker aber dazu treiben, besonders motiviert nach möglichen Hürden zu suchen.

Ausstehend sind derzeit noch Entscheidungen aus Österreich, Spanien und Deutschland. Hierzulande stellte das Bundeskartellamt zwar keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken fest. Eine Prüfung durch das Bundeswirtschaftsministerium steht allerdings noch aus. JD.com gibt sich bei all dem recht entspannt und sieht vertiefte Prüfungen als einen üblichen Verfahrensschritt bei einer Transaktion dieser Größe an. Der chinesische Konzern ließ zudem mitteilen, im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme keine staatlichen Subventionen erhalten zu haben und eng mit der EU-Kommission zusammenzuarbeiten.

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Dass der Deal vollständig platzt, darauf deutet aktuell nur wenig hin. JD.com hat sich selbst dazu verpflichtet, keine Stellenstreichungen vorzunehmen und sämtliche Filialen von Ceconomy zu behalten. Dennoch könnte es zu der einen oder anderen Auflage, darunter auch Standortgarantien, kommen. Das könnte den Deal auch für Anleger etwas weniger schmackhaft machen als bisher angenommen. Gefeilt wird seitens JD.com daran, endlich stärker auf dem größten Binnenmarkt der Welt vertreten zu sein.

 

Jetzt ist Geduld gefragt

 

Nach EU-Recht hat die EU-Kommission bis Anfang Oktober Zeit, um bei der laufenden Prüfung ein Urteil zu fällen. Bis dahin bleibt Ceconomy ein wenig in der Schwebe, was die Marktakteure sichtlich verunsichert. Mit der Aktie ging es zuletzt von rund 4,40 Euro bis auf 4,12 Euro zu Handelsschluss am Donnerstag in die Tiefe. Das Übernahmeangebot in Höhe von 4,60 Euro ist bereits Ende vergangenen Jahres abgelaufen.

Sollte der Deal platzen, so würde der Ceconomy-Aktie wohl ein heftiger Abschlag drohen. Umgekehrt könnten sich Chancen ergeben, sollte die EU dem Ganzen mit möglichst wenigen Auflagen zustimmen. Dann nämlich würde JD.com sich wohl zeitnah um das Einsammeln weiterer Aktien bemühen. Eine deutliche Mehrheit halten die Chinesen bereits. Die Pläne lauten aber darauf, Ceconomy von der Börse zu nehmen, wofür ein noch höherer Anteil vonnöten wäre. Bei einem möglichen Squeeze-out wird zudem mit einer Kompensation gerechnet, die sich am bisherigen Übernahmeangebot orientiert. Aufwärtspotenzial besteht damit in der Theorie durchaus, doch gleichen Zukäufe momentan kaum mehr als einer Wette.

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29.05.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

Unterschrift - Andreas Göttling-Daxenbichler

 

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