Unicredit bekräftigt seine Absichten zur Übernahme der Commerzbank und zeichnet andernfalls eine düstere Zukunft für das Frankfurter Geldhaus
Unicredit wirbt erneut für die Übernahme der Commerzbank
Die Übernahme von Unicredit bezüglich der Commerzbank sind hierzulande noch immer wenig beliebt. Das Frankfurter Geldhaus kämpft für seine Unabhängigkeit und bekommt dabei unter anderem Unterstützung aus der Politik. Allzu sehr beeindrucken lässt sich Unicredit-Chef Andrea Orcel davon aber nicht. In einer kürzlichen Telefonkonferenz ging er erneut auf das Thema ein und wollte bei dieser Gelegenheit diverse „Mythen“ entkräften.
Wie die „FAZ“ berichtete, versuchte sich Orcel etwa darum, Ängste um einen möglichen Stellenabbau im ganz großen Stil zu beruhigen. Der Zusammenschluss werde nicht einmal die Hälfte der von der Commerzbank (DE000CBK1001) genannten 15.000 Stellen kosten. Zum größten Teil ließe sich der Stellenabbau zudem über nicht neubesetzte Stellen nach dem Eintritt von Angestellten in den Ruhestand steuern. Zur Disposition stehen bei Unicredit vor allem Jobs in Deutschland. Die polnische Tochter mBank wird hingegen bereits als „gut gemanagt“ betrachtet.
Abseits der Frage um Arbeitsplätze würde eine Fusion der Commerzbank nach Ansicht von Orcel bedeutende Vorteile liefern. Der vom Institut prognostizierte Nettogewinn von 4,2 Milliarden Euro ließe sich auf 5,1 Milliarden Euro im Jahr 2028 steigern, wenn eine Zusammenlegung mit der Unicredit-Tochter Hypo-Vereinsbank erfolge. Bleibt es bei der Eigenständigkeit, drohe hingegen eine noch tiefere Restrukturierung, da die Commerzbank auf neue Wettbewerber schlecht vorbereitet sei. Welche Wettbewerber dabei gemeint sind, darauf geht Orcel in seiner 34-seitigen Präsentation nicht weiter ein.
Unicredit hat bereits Pläne für die Commerzbank
Mitteilen ließ der Unicredit-CEO aber, dass es bei der Commerzbank erhebliches Einsparpotenzial gebe, und das nicht nur durch einen Stellenabbau. 1,3 Milliarden Euro jährlich sollen bei einer Fusion auf Hypo-Vereinsbank und Commerzbank zusammenkommen. 40 Prozent davon seien nicht bezogen auf Einsparungen beim Personal. Ferner stellt Unicredit Investitionen von 1,7 Milliarden bis zum Jahr 2030 in Aussicht und den Ausbau Künstlicher Intelligenz, um die Kosten in der IT zu senken.
Gut überlegt hat sich Unicredit das Ganze also bereits. In Gesprächen mit der Commerzbank konnten aber keine Fortschritte erzielt werden und eine feindliche Übernahme dürfte auf heftigen Widerstand stoßen. Zudem müssen die Italiener sich Kritik dafür gefallen lassen, dass beim im März vorgelegten Umtauschangebot keine Prämie enthalten ist. Andrea Orcel argumentiert allerdings damit, dass die Prämie bereits im höheren Aktienkurs enthalten sei. Tatsächlich legte die Commerzbank-Aktie enorm zu, als Unicredit im September 2024 vom Bund veräußerte Anteile einsammelte und damit im großen Stil bei der Commerzbank einstieg.
Das letzte Wort ist weiterhin nicht gesprochen. Unicredit hat seinen Standpunkt aber recht klargemacht. Ablassen möchte man von der Übernahme weiterhin nicht. Zudem ließ man mitteilen, dass weitere Aktionäre ihre Stimmrechte an Unicredit übertragen könnte. Wer damit gemeint ist, bleibt aber im Dunkeln. Aktuell blickt die italienische Großbank auf einen Anteil von rund 30 Prozent, der sich durch ein freiwilliges Übernahmeangebot schrittweise erhöhen lässt. Eine kontrollierende Mehrheit wird aber mit diesem Angebot noch nicht angestrebt.
Verhärtete Fronten
Orcel hielt sich mit öffentlichen Aussagen zur Commerzbank in den letzten Monaten eher zurück. Doch ausbleibende Fortschritte in Gesprächen scheinen ihn nun zur Flucht nach vorn bewegt zu haben. Geändert hat sich an den sehr unterschiedlichen Standpunkten der beiden Konzerne nichts. Die Commerzbank ist weiterhin überzeugt davon, alleine besser dran zu sein. Unicredit hingegen betont weiterhin die Vorteile, welche sich bei einem Zusammenschluss ergeben könnten.
Neu ist allenfalls, dass Unicredit nun schon sinngemäß von einer Rettung der Commerzbank spricht, welche nach Ansicht der Italiener mittelfristig mit großen Problemen zu kämpfen haben könnte. Allerdings war davon bei den letzten Zahlen wenig zu sehen. Im vergangenen Jahr konnte die Commerzbank ihre Gewinne kräftig steigern und die Kosten weiter senken. Beim dortigen Management dürfte der Blick in Zukunft daher dezent anders ausfallen.
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22.04.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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