als .pdf Datei herunterladen

Commerzbank geht im Übernahmepoker in die Gegenoffensive

Vorstand und Aufsichtsrat raten vom UniCredit-Angebot ab, doch die Aktie bleibt im Griff der Übernahmespekulation

NTG24 - Commerzbank geht im Übernahmepoker in die Gegenoffensive

 

Bei der Commerzbank hat sich der Übernahmekampf am Montag deutlich zugespitzt. Vorstand und Aufsichtsrat legten ihre Bewertung des UniCredit-Angebots vor und rieten den Aktionären klar davon ab, das Umtauschangebot anzunehmen. Damit wird aus dem seit Monaten schwelenden Machtspiel endgültig ein offener Konflikt um die Zukunft der zweitgrößten deutschen Privatbank.

Commerzbank (DE000CBK1001) begründet die Ablehnung vor allem mit einer aus Sicht des Managements zu niedrigen Bewertung, fehlender strategischer Klarheit und erheblichen Umsetzungsrisiken. Reuters berichtete, dass die Offerte von UniCredit die Frankfurter Bank mit knapp 39 Milliarden Euro bewerte und damit unter dem aktuellen Marktwert liege. Vorstandschefin Bettina Orlopp sprach sinngemäß davon, dass es sich weniger um eine echte Kombination als vielmehr um einen Restrukturierungsvorschlag handele, der tief in das bestehende Geschäftsmodell eingreifen würde.

Die Aktie reagierte darauf nicht mit großer Euphorie. Im Xetra-Handel lag der Titel am späten Nachmittag im Bereich von rund 36 Euro und damit leicht unter dem Vortagesschluss. Das ist auf den ersten Blick unspektakulär, passt aber zur Lage. Anleger wissen, dass die Übernahmefantasie den Kurs in den vergangenen Monaten bereits stark gestützt hat. Gleichzeitig ist unklar, ob UniCredit tatsächlich die nötige Akzeptanz erreicht oder am Widerstand von Management, Arbeitnehmern und Politik scheitert.

 

Ein Angebot ohne Begeisterung

 

Das konkrete Umtauschangebot sieht 0,485 neue UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie vor. Nach früherer Rechnung der Commerzbank entsprach dies auf Basis des UniCredit-Schlusskurses vom 4. Mai einem Gegenwert von rund 31,07 Euro je Aktie. Damals lag dieser Wert 8,7 Prozent unter dem Commerzbank-Schlusskurs des Vortages von 34,02 Euro. Genau diese fehlende Prämie ist ein zentraler Kritikpunkt der Frankfurter.

Anzeige:

Ein klassisches Übernahmeangebot lebt normalerweise davon, dass Aktionäre für den Kontrollwechsel einen spürbaren Aufschlag erhalten. Bei der Commerzbank ist das anders. UniCredit will über einen Aktientausch weiter Zugriff auf Anteile bekommen, ohne den Aktionären eine klare Barprämie zu bieten. Das macht die Entscheidung für Investoren komplizierter. Wer andient, tauscht nicht einfach einen Banktitel gegen Geld, sondern wird stärker von der künftigen Entwicklung der UniCredit-Aktie abhängig.

Hinzu kommen die Risiken, auf die Commerzbank selbst verweist. Das Institut warnt vor möglichen Ertragsverlusten, überschätzten Synergien, operativen Integrationsproblemen und Risiken aus dem UniCredit-Geschäft. Reuters nannte unter anderem das Russland-Geschäft und die hohen Bestände italienischer Staatsanleihen als Punkte, die in der Argumentation der Commerzbank eine Rolle spielen.

 

 

 

UniCredit bleibt trotzdem im Spiel

 

Die Ablehnung beendet den Übernahmekampf nicht. UniCredit ist bereits der größte Anteilseigner der Commerzbank und hat sich über direkte Beteiligungen sowie Derivate eine starke Ausgangsposition verschafft. Direkt hält UniCredit rund 26,77 Prozent. Über zusätzliche Finanzinstrumente kann sich die italienische Großbank inzwischen Zugriff auf deutlich mehr als 30 Prozent der Commerzbank sichern. Das laufende Angebot bleibt deshalb trotz der klaren Ablehnung ein wichtiger Machtfaktor.

Gerade deshalb bleibt der Vorgang für die Börse so spannend. Die Commerzbank kann das Angebot ablehnen, aber sie kann ihren Aktionären nicht vorschreiben, wie sie entscheiden. Sollte ein relevanter Teil der Anteilseigner die UniCredit-Papiere akzeptieren, würde der Druck auf Frankfurt steigen. Bislang deutet allerdings wenig auf große Begeisterung hin. Laut Commerzbank wurden gemäß der ersten Wasserstandsmeldung vom 12. Mai 2026 lediglich 0,0059 Prozent der Aktien im Rahmen des Angebots angedient.

Anzeige:

Kleiner Münzhandel Barrenshop

 

Die Hauptversammlung wird zum Stimmungstest

 

Der nächste wichtige Termin steht bereits bevor. Am Mittwoch findet die Hauptversammlung statt, und sie dürfte weit mehr werden als eine normale Pflichtveranstaltung. Die Commerzbank-Führung muss dort erklären, warum die eigenständige Strategie für Aktionäre attraktiver sein soll als ein Zusammenschluss mit UniCredit. Gleichzeitig wird UniCredit den Druck kaum zurücknehmen.

Dafür hat die Commerzbank ihre eigene Geschichte zuletzt deutlich nachgeschärft. Anfang Mai legte das Institut starke Quartalszahlen und neue Ziele bis 2030 vor. Im ersten Quartal stieg das operative Ergebnis um 11 Prozent auf einen Rekordwert von 1,4 Milliarden Euro. Der Nettogewinn legte um 9 Prozent auf 913 Millionen Euro zu. Die Erträge erhöhten sich um 5 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro, während die Cost-Income-Ratio auf 53 Prozent sank.

 

Der Gegenentwurf heißt Momentum 2030

 

Strategisch setzt die Commerzbank auf „Momentum 2030“. Für 2026 peilt das Institut inzwischen ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro an. Bis 2028 soll der Gewinn auf 4,6 Milliarden Euro steigen, bis 2030 sogar auf 5,9 Milliarden Euro. Außerdem stellt die Bank eine Nettoeigenkapitalrendite von 21 Prozent und eine Cost-Income-Ratio von 43 Prozent bis 2030 in Aussicht.

Anzeige:

Werbebanner EMH PM Trade Diese Ziele sind ambitioniert und sollen den Aktionären zeigen, dass eine eigenständige Commerzbank mehr Wert schaffen kann als ein Verkauf an UniCredit. Genau hier liegt aber auch das Risiko. Je höher das Management die eigene Messlatte legt, desto stärker wird die Bank künftig an diesen Zielen gemessen. Bleiben Wachstum, Kostenabbau oder Kapitalrückgaben hinter den Versprechen zurück, könnte die Argumentation gegen UniCredit schnell an Überzeugungskraft verlieren.

Teil der Strategie ist auch ein weiterer Stellenabbau. Reuters berichtete Anfang Mai von 3.000 geplanten Stellenstreichungen. Die Commerzbank argumentiert, dass ihr eigener Umbau kontrollierter und weniger einschneidend sei als die Pläne der Italiener. In der Stellungnahme zu UniCredit warnte die Bank vor bis zu 11.000 Vollzeitstellen, die bei einer Übernahme betroffen sein könnten. Damit wird der Übernahmekampf auch zu einem arbeitsmarktpolitischen Thema.

 

Politik, Aktionäre und Timing

 

Ein zusätzlicher Faktor bleibt der Bund. Deutschland hält weiterhin rund zwölf Prozent an der Commerzbank und steht einer Übernahme durch UniCredit kritisch gegenüber. Politisch ist die Bank seit der Finanzkrise nicht irgendein DAX-Konzern, sondern ein Symbol für staatliche Rettung, Mittelstandsfinanzierung und finanzielle Souveränität. Das macht den Fall komplizierter als eine normale Bankfusion.

Aus Aktionärssicht ist die Lage weniger emotional. Investoren fragen vor allem, welches Szenario den höheren Wert verspricht. Ein verbessertes Angebot von UniCredit könnte die Rechnung verändern. Bleibt es aber bei einem Aktientausch ohne überzeugende Prämie, spricht vieles dafür, dass zahlreiche Anleger zunächst abwarten. Das Angebot läuft bis Mitte Juni und kann verlängert werden. Zeit bleibt also, aber die heutige Ablehnung setzt den Ton.

Die Commerzbank hat sich klar positioniert. Sie will unabhängig bleiben, die eigenen Ziele hochschrauben und den Aktionären beweisen, dass die Bank allein mehr wert ist als im Paket mit UniCredit. Der Kurs zeigt aber, dass der Markt diese Geschichte noch nicht einfach durchwinkt. Rund 36 Euro spiegeln sowohl die operative Verbesserung als auch die Übernahmefantasie wider. Für Anleger wird entscheidend, ob aus „Momentum 2030“ messbare Fortschritte werden – oder ob UniCredit am Ende doch mit mehr Druck, besseren Konditionen oder mehr Aktionärszuspruch zurückkommt.

Anzeige:

 

Commerzbank AG-Aktie: Kaufen oder verkaufen?

 

Die neuesten Commerzbank AG-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank AG-Aktionäre. Lohnt sich aktuell ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen?

Konkrete Empfehlungen zu Commerzbank AG - hier weiterlesen...

 

18.05.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

Auf Twitter teilen     Auf Facebook teilen


Informiert bleiben - Wenn Sie bei weiteren Nachrichten und Analysen zu einem in diesem Artikel genannten Wert oder Unternehmen informiert werden möchten, können Sie unsere kostenfreie Aktien-Watchlist nutzen.








Ihre Bewertung, Kommentar oder Frage an den Redakteur


Bitte geben Sie die Anzahl der unten gezeigten Eurozeichen in das Feld ein.
>

 



 

 

Haftungsausschluss - Die EMH News AG übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Empfehlungen sowie für Produktbeschreibungen, Preisangaben, Druckfehler und technische Änderungen. (Ausführlicher Disclaimer)