als .pdf Datei herunterladen

Frischer Auftrag für Deutsche Telekom und SAP, Alphabet hat das Nachsehen und Microsoft ist bei einigen Politikern unbeliebt

Deutschland scheint einen Schritt hin zur digitalen Souveränität zu wagen

NTG24 - Frischer Auftrag für Deutsche Telekom und SAP, Alphabet hat das Nachsehen und Microsoft ist bei einigen Politikern unbeliebt

 

Die noch immer hohe Abhängigkeit von Deutschland und anderen EU-Staaten gegenüber amerikanischen Tech-Konzernen gibt immer wieder Anlass zur Kritik. Bei einem prestigeträchtigen Auftrag der Bundesregierung bekommen nun heimische Unternehmen den Vorzug. Das wird als ein wichtiges Signal gewertet, findet an der Börse aber nur wenig Beachtung.

Zum Zug kommt unter anderem die Deutsche Telekom (DE0005557508), welche laut einem Bericht von „Der Aktionär“ für den Aufbau einer zentralen KI-Plattform für die öffentliche Verwaltung beauftragt wurde. Das Gesamtvolumen des Auftrags beläuft sich auf rund 250 Millionen Euro, was allerdings bewusst aufgesplittet wurde. Lohnen dürfte sich das Ganze für die Telekom aber dennoch.

Anzeige:

Banner TradingView

 

 

 

Telekom-Chef Tim Höttges begrüßte die Entscheidung, fordert nun aber auch rasches Handeln. Europa habe enormen Nachholbedarf, der sich nicht mit Diskussionen beheben ließe. Das eigene Unternehmen möchte zusammen mit Partnern dafür sorgen, dass Deutschland und Europa ihre digitale Zukunft „selbst in der Hand haben“. An der Börse hinterließ das Ganze nur wenig Eindruck. Die Telekom-Aktie verzeichnete am Donnerstagmorgen zwar noch Gewinne. Zu Handelsschluss landete der Kurs aber bei 29,13 Euro und damit 0,1 Prozent tiefer als tags zuvor.

 

SAP macht mit

 

Der wichtigste Partner der Telekom bei dem Projekt ist der deutsche Software-Riese SAP (DE0007164600), mit dem man sich 70 Prozent des Auftragswerts teilt. Die restlichen 30 Prozent gehen an das IT-Unternehmen SVA System Vertrieb Alexander aus Wiesbaden. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger spricht davon, mit dem Vorhaben das „Rückgrat“ einer souveränen, digitalen und KI-fähigen Verwaltung in Deutschland auf die Beine zu stellen.

SAP kann derweil seine Expertise in Sachen KI noch besser zur Schau stellen. Dabei möchte man explizit die eigenen Stärken aus vertrauenswürdiger KI im Zusammenspiel mit Geschäftsprozessen und Daten einbringen, heißt es von SAP-Chef Christian Klein. Zuletzt gab es an der Börse immer wieder Zweifel daran, ob SAP bei der KI-Revolution als Gewinner dastehen kann. Aufträge mit KI-Bezug sind daher von großer Bedeutung. Die Anleger erkennen aber offenbar noch keinen richtigen Durchbruch. Das lässt zumindest ein Blick auf den Aktienkurs vermuten, der am Donnerstag um 1,6 Prozent auf müde 150,90 Euro nachgab.

 

Alphabet: Google geht leer aus

 

Anzeige:

Werbebanner Zürcher BörsenbriefeDass das Projekt nun auf den Weg gebracht werden konnte, ist dem Ende einer vorherigen Blockade zu verdanken. Jene ging von einem Bündnis aus, dem unter anderem die Google-Mutter Alphabet (US02079K1079) angehörte. Jenes legte Rechtsmittel gegen das Vergabeverfahren ein, was nun aber überraschend zurückgezogen wurde. Google wird damit leer ausgehen. Eine Begründung dafür, warum man mehr oder minder das Handtuch geworfen hat, scheint es nicht zu geben.

Eine erneute Abhängigkeit von einem US-Konzern hätte ohnehin wieder einmal für reichlich Gesprächsstoff, wenn nicht sogar Klagen oder andere ausbremsende Faktoren gesorgt. Nun scheinen alle Beteiligten ganz glücklich mit dem Ergebnis zu sein. Den fehlenden Auftrag kann Alphabet verkraften. Dank des KI-Booms geht es der Aktie prächtig. Kleinere Verluste am Donnerstag konnten nachbörslich schon wieder egalisiert werden und mit einem Schlusskurs von 383,47 US-Dollar kratzen die Bullen weiterhin am Allzeit-Hoch von 404,47 Dollar.

 

Weniger Microsoft wagen?

 

Auch wenn Alphabet nicht zum Zuge kommt, so bestehen natürlich noch etliche Abhängigkeiten von deutschen Behörden gegenüber US-Tech-Giganten. Genau das kritisierte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge in einem Positionspapier, welches dem „Tagesspiegel“ vorliegt. Dröge hat sich bereits selbst vom Kurznachrichtendienst X zurückgezogen und fordert ein entsprechendes Vorgehen nun auch von staatlichen Stellen. Darüber hinaus nimmt sie auch Microsoft (US5949181045) ins Visier, indem sie für mehr Unabhängigkeit bei digitaler Infrastruktur plädiert.

Geht es nach Dröge, sollten in Zukunft Behörden nur noch digitale Dienste nutzen, welche nicht der Kontrolle oder dem Zugriff nicht-europäischer Regierungen unterliegen. Das habe auch handfeste finanzielle Vorteile. Im vergangenen Jahr überwies die Bundesregierung laut der Politikerin knapp 500 Millionen Euro an Microsoft und damit bereits doppelt so viel wie noch 2023. Wie die Bundesregierung zu dem Vorschlag aus der Opposition stehen mag, ist nicht überliefert. Ein vollständiger Rückzug wäre aber durchaus ein Schritt, den Microsoft in den Bilanzen spüren würde. Dass es dazu kommt, daran scheinen die Aktionäre nicht zu glauben. Die Aktie blieb im gestrigen Handel zwar auf eher niedrigem Niveau, hielt sich aber dort immerhin stabil.

 

Chancen für Europa

 

Anzeige:

Werbebanner Zürcher Börsenbriefe Special 4 kleinIn immer mehr Teilen der europäischen Politik scheint sich die Ansicht durchzusetzen, dass gerade im KI-Zeitalter und bei kritischen Anwendungen eine zu hohe Abhängigkeit von den USA oder anderen Ländern vielleicht nicht die beste Idee ist. Das ist aus Anlegersicht weniger als Gefahr für US-Konzerne und viel mehr als Chance für europäische Konzerne zu deuten. Setzt der Trend sich fort, könnten vielleicht auch die Aktien von manchem unterschätzten europäischen IT-Konzern in nicht allzu ferner Zukunft höhere Gefilde anvisieren.

 

Deutsche Telekom AG-Aktie: Kaufen oder verkaufen?

 

Die neuesten Deutsche Telekom AG-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Deutsche Telekom AG-Aktionäre. Lohnt sich aktuell ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen?

Konkrete Empfehlungen zu Deutsche Telekom AG - hier weiterlesen...

 

22.05.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

Unterschrift - Andreas Göttling-Daxenbichler

 

Auf Twitter teilen     Auf Facebook teilen


Informiert bleiben - Wenn Sie bei weiteren Nachrichten und Analysen zu einem in diesem Artikel genannten Wert oder Unternehmen informiert werden möchten, können Sie unsere kostenfreie Aktien-Watchlist nutzen.








Ihre Bewertung, Kommentar oder Frage an den Redakteur


Bitte geben Sie die Anzahl der unten gezeigten Eurozeichen in das Feld ein.
>

 



 

 

Haftungsausschluss - Die EMH News AG übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Empfehlungen sowie für Produktbeschreibungen, Preisangaben, Druckfehler und technische Änderungen. (Ausführlicher Disclaimer)