Das Sparprogramm von Evonik wird ausgeweitet, was vor allem in Deutschland zahlreiche Stellen kosten wird
Die Anleger kann Evonik mit dem Schrumpfkurs nicht abholen
In den letzten zwei Jahren hat sich Evonik bereits schwer um Einsparungen bemüht. Die Verwaltung wurde auf den Kopf gestellt und 2.000 Stellen fielen dem Rotstift zum Opfer. Zusätzlich dazu wurden auch 800 Arbeitsplätze in der Produktion gestrichen. Das erste größere Sparprogramm ist damit weitgehend abgeschlossen. Doch es scheint noch nicht auszureichen, weshalb nun das nächste Programm nachgeschoben wird.
Da „Sparen“ immer etwas unschön klingt und kein Wachstum vermuten lässt, betitelt Evonik (DE000EVNK013) das Ganze lieber als eine Fortführung des „Effizienzprogramms Tailor Made“. Ziel ist es laut Pressemitteilung, konzernweit Struktur- und Sparmaßnahmen bis 2029 auszuweiten. Im Rahmen dessen sollen rund 3.200 Stellen gestrichen werden. Mehr als ein Drittel davon in Deutschland. Letzteres liegt aber auch schlicht daran, dass Evonik hierzulande besonders viele Mitarbeiter hat. Zusammen mit dem bisherigen Sparprogramm entfallen beim Chemiekonzern rund 6.000 Arbeitsplätze.
Die Schere wird nun auch bei der Polyester-Produktion angesetzt, aus der sich Evonik weltweit zurückziehen möchte. Zuletzt konnte man hier noch einen jährlichen Umsatz von 150 Millionen Euro erzielen. Doch geopolitische Unsicherheiten und die immer härtere Konkurrenz aus Asien scheinen den Bereich nicht länger tragfähig zu machen. Ein Standort in Witten mit 266 Beschäftigten soll im kommenden Jahr geschlossen werden. In Marl fallen 45 Stellen weg und in Shanghai müssen sich 35 Menschen nach einer neuen Tätigkeit umsehen.
Evonik ohne Optimismus
Immerhin soll der Stellenabbau sozialverträglich geschehen. Vordergründig sollen Stellen über Abfindungen, interne sowie externe Vermittlung und Vorruhestand realisiert werden. Evonik-Chef Christian Kullmann rechtfertigte das erweitere Effizienzprogramm mit einem anhaltend schwachen wirtschaftlichen Wachstum. Herauslesen lässt sich dabei letztlich auch, dass für die nähere Zukunft keine große Erholung erwartet wird. Daran scheint auch die erweiterte Waffenruhe im Nahen Osten nichts geändert zu haben, welche immerhin für Entlastung bei den Ölpreisen und weniger Sorgen um Lieferketten sorgt.
Unter dem Strich konzentriert sich Evonik künftig wohl noch stärker auf das noch recht lukrative Geschäft mit Spezialchemie und überlässt andere Bereiche der Konkurrenz. Dennoch scheinen keine Wachstumsversprechen abgegeben werden zu können. Einsparungen mögen aktuell zwar richtig und wichtig sein. An der Börse bleibt jedoch der bittere Nachgeschmack eines Schrumpfkurses, der sich noch einige Jahre hinziehen könnte. Kauflaune will da unter den Börsianern eher nicht aufkommen.
Die Börse quittierte das neuerliche Vorhaben von Evonik am Donnerstag mit Kursverlusten von 3,2 Prozent. Damit notiert die Aktie noch immer ein gutes Stück höher als zu Jahresbeginn und profitieren konnte sie zuletzt von einer wieder etwas höheren Nachfrage. Experten sehen darin aber vor allem den Versuch der Kundschaft, die Lager aufgrund der Erfahrungen mit der Nahost-Krise zu füllen. Eine allgemeine Trendwende hingegen wird noch nicht vermutet und die Kurserholung aus dem Frühjahr gerät sichtlich unter Druck.
Warten auf die Wende
Nicht nur Evonik, sondern auch andere Vertreter aus der Branche blicken eher besorgt auf die zweite Jahreshälfte sowie auf das Jahr 2027. Eine Erholung scheint sich momentan noch immer nicht anzudeuten. Die Anleger können auf die große Wende also bestenfalls hoffen und müssen sich dabei weiterhin in Geduld üben. Bei nicht Wenigen scheint der Geduldsfaden jedoch schon längst gerissen zu sein.
Wie hoch die neuerlichen Einsparungen ausfallen könnten, dazu nannte Evonik keine konkrete Zahl. Das letzte Sparprogramm reduzierte die jährlichen Kosten um schätzungsweise 400 Millionen Euro. Experten gehen davon aus, dass nun bis zum Ende des Jahrzehnts noch einmal ähnlich viel eingespart werden könnte. Zunächst wird das aber auch für Belastungen sorgen und angesichts fehlender Wachstumsimpulse ist es da aus Anlegersicht vielleicht nicht verkehrt, sich zunächst auf eher maue Bilanzen einzustellen.
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19.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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