Volkswagen schnallt den Gürtel wohl noch enger, Heineken spart weltweit, Evonik verschont auch die Aktionäre nicht und ams-Osram ist noch nicht am Ziel
Schwierige Marktbedingungen zwingen immer mehr Unternehmen zum Sparen
Während die Ausgabenwurt im KI-Segment überhaupt keine Grenzen mehr zu kennen scheint und die Profite bei den Chipherstellern nur so sprudeln, läuft es in anderen Branchen deutlich schlechter. US-Zölle, Konsumunlust, Währungseffekte und dergleichen mehr hinterlassen ihre Spuren. Fehlende Wachstumsaussichten zwingen da einige Konzerne dazu, den Gürtel enger zu schnallen, um wenigsten die Margen noch zu retten.
Dass Volkswagen (DE0007664039) seine Kosten drastisch reduzieren will, ist schon längst keine Neuigkeit mehr. Seit Jahren schon bemüht man sich in Wolfsburg darum, endlich wieder höhere Margen zu erzielen. Einige Fortschritte hat es auch schon gegeben, doch am Ziel ist man offensichtlich noch nicht. Das lässt zumindest ein Bericht des „Manager Magazin“ vermuten, laut dem das Management seine Sparpläne noch einmal auszuweiten gedenkt.
Bereits im Januar haben demnach CEO Oliver Blume und CFO Arno Antlitz der Führungsetage mitgeteilt, die Kosten bis Ende 2028 um 20 Prozent senken zu wollen. Über den aktuellen Stand der Lage soll Oliver Blume die Anteilseigner wohl zur Bilanzvorlage im März informieren. Auch Werksschließungen sollen bei den weiteren Planungen kein Tabu sein. 2024 konnten solche in Deutschland nach einer Einigung mit Arbeitnehmervertretern noch abgewendet werden. Volkswagen wollte die Berichte bislang nicht weiter kommentieren.
Heineken: Die Kundschaft ist nicht durstig
Auch beim Brauerei-Konzern Heineken (NL0000009165) lief es wohl schon mal besser. Zu tun hat das Unternehmen es mit der allgemeinen Konsumunlust der Verbraucher, einem verstärkten Trend hin zu günstigen Handelsmarken und noch dazu einer Entwicklung, bei der Alkohol in jüngeren Zielgruppen allgemein weniger gefragt ist. Als wäre das nicht genug, steigen auch noch munter die Kosten. Produktion, Energie und Logistik werden teurer, was durch höhere Umsätze nicht aufgefangen werden kann.
Als Reaktion auf derartige Entwicklungen setzt Heineken einerseits auf eine verstärkte Konzentration auf alkoholfreie Getränke. Auf der anderen Seite hat man sich ein rigoroses Sparprogramm verpasst. Weltweit sollen wohl etwa 6.000 Stellen wegfallen. Wo genau dies geschehen soll, ist bislang noch nicht geklärt. Klar ist aber, dass die Kosten nach unten müssen. Das scheint bei den Anlegern gut anzukommen. Die Heineken-Aktie konnte sich im Februar wieder etwas erholen und bis auf 77,88 Euro am Montagmittag steigen. Damit konnten die Bullen etwas Abstand zum 52-Wochen-Tief bei 64,52 Euro herstellen.
Evonik im Sparzwang
Evonik (DE000EVNK013) bedient zwar einen gänzlich anderen Markt, der Chart des Aktienkurses zeigt aber eine erstaunlich ähnliche Entwicklung. 15,61 Euro standen gestern Mittag auf dem Ticker und damit 17,3 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Die jüngste Erholung wurde durch ein kürzlich angekündigtes Sparprogramm ordentlich angekurbelt. Dabei werden dabei auch die Aktionäre nicht ausgenommen. Jene müssen bei der Dividende mit Einschnitten leben. Für 2025 soll es statt 1,17 Euro je Aktie im Vorjahr nur noch einen Euro geben.
Stellen sollen bei Evonik rund 1.000 an der Zahl wegfallen, dies allerdings ausdrücklich ohne betriebsbedingte Kündigungen. Das ist keine Überraschung, da solche noch bis 2032 ausgeschlossen sind. Erwirkt werden sollen daher vorzeitige Antritte in den Ruhestand und die Vermittlung von Beschäftigten auf intern ausgeschriebene Stellen. Im Rahmen der Umstrukturierung sollen einige Werke verkleinert werden; in Hanau ist mit der vollständigen Einstellung der Produktion von Pharmazeutika geplant. Das kriselnde Unternehmen weiter damit letztlich Sparkurse aus vorherigen Jahren noch weiter aus.
Ams-Osram kann sich noch nicht ausuhen
Der österreichische Chip- und Sensorspezialist ams-Osram (AT0000A3EPA4) konnte vor Kurzem bereits einige bedeutende Fortschritte melden. Im vergangenen Geschäftsjahr konnten die Verluste deutlich reduziert werden und der Schuldenstand wurde erfolgreich reduziert. Durch den Verkauf von Geschäftsteilen soll dieser Weg konsequent weitergegangen werden. Darüber hinaus stehen auch hier weitere Sparmaßnahmen an, die wohl für den Abbau von rund 2.000 weiteren Stellen sorgen werden.
Das neue Sparprogramm hört auf den Namen „Simplify“ und soll bei 2028 die Kosten um weitere 200 Millionen Euro jährlich drücken. Das kommt an der Börse nicht schlecht an, doch ein wenig lasen sich Ermüdungserscheinungen auf Anlegerseite schon feststellen. Der Aktienkurs müht sich im laufenden Jahr bisher im Schneckentempo in die Höhe. Sehr viel lieber als immer neue Sparmaßnahmen würden die Börsianer frische Wachstumsimpulse sehen. Das gilt bei ams-Osram ebenso wie bei so ziemlich jedem anderen Unternehmen, das gerade Kosten zu senken gedenkt.
Ein schwacher Trost
Sparmaßnahmen können in schweren Zeiten für Börsenkonzerne richtig und wichtig sein. Auf lange Sicht sind sie häufig sogar die Grundlage dafür, ein Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen und vielleicht eines Tages auch den Aktienkurs wieder ansteigen zu lassen. Doch auch mit den besten Absichten ändert sich nichts daran, dass allzu drastische Sparkurse stets auch ein Beleg für eine akute Krise darstellen. Daher tun sich die Börsianer auch eher schwer damit, bei solchen Titeln in Kauflaune zu verfallen.
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17.02.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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