BASF tut sich weiter schwer, Lanxess erhöht Preise, Evonik schont Aktionäre und Bayer kämpft mit Regularien
Auf die deutschen Chemiekonzerne rollt schon wieder der nächste herbe Dämpfer zu
Die deutsche Chemieindustrie hatte den Krisenmodus noch lange nicht verlassen, da sorgte der Irankrieg schon für die nächsten Belastungen. Nicht nur fürchten Unternehmen und Anleger die höheren Energiepreise. Gestörte Lieferketten sind ebenfalls ein nicht zu unterschätzender Faktor und Auswirkungen auf die Konjunktur könnten die ohnehin schwache Nachfrage aus Europa weiter dämpfen.
All das sorgt dafür, dass die Erholung der Aktie von BASF (DE000BASF111) zuletzt sichtlich ins Stocken gekommen ist. Zwar ging es in der vergangenen Woche mit der Aktie tatsächlich ein wenig aufwärts. Damit konnten aber lediglich Verluste aus der Vorwoche etwas ausgeglichen werden. Zum Wochenende standen 48,35 Euro auf dem Ticker und damit noch immer knapp drei Prozent weniger als zu Ende Februar. Die Eskalation in Nahost wirkt sich also bisher eher negativ aus.
Hoffnung schöpfen die Aktionäre weiterhin vor allem aus den Sparplänen von BASF. Damit scheint der Konzern auf einem guten Weg zu sein. Im letzten Jahr konnten die Einsparungen auf jährlich 1,7 Milliarden Euro erhöht werden. Für dieses Jahr werden 2,3 Milliarden Euro angepeilt. Das macht vieles einfacher, lässt allerdings leider auch kein Wachstum erkennen. Sollte der Krieg in Nahost noch länger anhalten, so könnte BASF daraus entstehende Effekte vermutlich auch kaum abfedern.
Bei Lanxess steigen die Preise
Steigende Kosten können die großen Chemieunternehmen nicht einfach an die Kunden weitergeben, da das natürlich schnell auf die Nachfrage drücken kann. Lanxess (DE0005470405) versucht sich nun trotzdem daran und meldet eine Preiserhöhung um durchschnittlich 20 Prozent für Trimethylolpropan. Begründet wird dieser Schritt mit erheblich gestiegenen Kosten für Energie und Rohstoffe.
Trotz intensiver Bemühungen darum, die höheren Kosten abzumildern, sei das Aufrechterhalten stabiler Preise nicht möglich gewesen, so Lanxess. Ob bei der Entscheidung vom Freitag der Irankrieg eine Rolle gespielt haben mag, darauf ging das Unternehmen nicht weiter ein. Die Anleger reagierten mit Verunsicherung. Der Aktienkurs knickte am Freitag um 3,5 Prozent bis auf 13,23 Euro ein. Damit setzt sich der Abwärtstrend fort, der seit Anfang 2022 schon fast 80 Prozent des Börsenwerts vernichtet hat.
Evonik: Das letzte Trostpflaster?
Bei Evonik (DE000EVNK013) fiel der Aktienkurs im gleichen Zeitraum „nur“ um 50 Prozent. Dass die Anleger sich hier in einem etwas gemächlicheren Tempo verabschiedeten, hat vielleicht auch mit der Dividendenpolitik zu tun. Trotz Krise sorgte jene bisher für recht ansehnliche Ausschüttungen. Ab dem laufenden Geschäftsjahr könnte es aber ungemütlicher werden, wenn nur noch 40 bis 60 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses für diesen Zweck genutzt werden sollen. Für 2025 will Evonik noch Dividenden oberhalb dieses Kanals ausschütten.
Je Aktie soll es einen Euro geben, sodass sich die Dividendenrendite auf 7,4 Prozent beläuft, wie „Der Aktionär“ vorrechnet. Die Zustimmung zu den Plänen bei der Hauptversammlung am 3. Juni gilt als Formsache. Wie es scheint, können die Aktionäre noch ein letztes Mal eine vergleichsweise stattliche Dividende genießen. Sollte die Krise sich fortsetzen, wird aber auch hier in nicht allzu ferner Zukunft der Gürtel enger geschnallt werden müssen.
Immer Ärger bei Bayer
Auch Bayer (DE000BAY0017) hat fraglos schon bessere Tage erlebt. Der Konzern leidet vor allem unter Ärger vor Gericht und mit Regulierungsbehörden. Das betrifft nicht nur das Thema Glyphosat, sondern Pflanzenschutzprodukte und Wirkstoffe im Allgemeinen. Die Tochter Bayer Crop Science klagte kürzlich bei einem Pressegespräch darüber, dass in der seit 2019 kein neuer chemisch-synthetischer Wirkstoff mehr zugelassen worden sei, gleichzeitig aber über 84 solcher Wirkstoffe weggefallen wären. Auch bei biologischen Wirkstoffen lasse sich ein Nettoverlust feststellen.
Das macht Bayer das Leben nicht einfacher. Der Fokus der Anleger liegt aber weiterhin auf Glyphosat. Dort hat Bayer Pläne vorangebracht, um das Thema endlich so weit wie mögliche zu den Akten legen zu können. Das hat den Aktienkurs im Jahresvergleich um gut 60 Prozent in die Höhe befördert. Abhängen wird aber alles von einer wichtigen Entscheidung des Supreme Court, welche für Juni erwartet wird. Jene dürfte auch darüber entscheiden, wie viele Kläger sich auf den jüngsten Vergleichsvorschlag einzulassen gedenken.
Unangenehme Entwicklung
Hier und dort gibt es bei den deutschen Chemieunternehmen durchaus auch Lichtblicke zu entdecken. Solche werden aber durch den Irankrieg derzeit überschattet und die Kurse bewegen sich wieder bevorzugt in Richtung Süden. Während bei BASF und Bayer darum gekämpft wird, Erholungen der vergangenen Monate nicht vollständig aus der Hand zu geben, rutschte Lanxess zwischenzeitlich bereits auf ein neues 52-Wochen-Tief. Es bleibt dabei: je länger der Konflikt in Nahost andauert und je mehr die Energiepreise zulegen, desto unangenehmer wird es auch für die ohnehin im Krisenmodus steckende Chemieindustrie.
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16.03.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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