Furukawa Electric im Freudenrausch, Kawasaki Heavy Industries übertrifft Erwartungen, Nintendo fürchtet weiter hohe Speicherpreise und AppLovin erhält Zuspruch von Analysten
Japan sorgt für positive Impulse an der Börse und die neue Woche startet mit einer Erholung
Ohne es ahnen zu können, landete der Autor dieser Zeilen am Sonntag nur wenige Stunden nach den kurzfristig angesetzten Parlamentswahlen in Tokio, welche die noch recht frische Ministerpräsidentin Sanae Takaichi überraschend deutlich für sich entscheiden konnte. Sie wird in den nächsten Jahren wohl durchregieren können. Zu ihren Versprechen gehört nicht nur, Ausländern in Zukunft den Häuserkauf zu erschweren.
Angetreten ist Takaichi vor allem mit dem Versprechen, in diverse Bereiche enorme Summen zu investieren, um Japan aus der Lethargie zu befördern. Besonders groß scheint die Hoffnung auf neue Impulse unter den Aktionären der Furukawa Electric Co. (JP3827200001) zu sein. Mit Kursgewinne von etwas mehr als 20 Prozent an nur einem Tag führte der Titel den Nikkei an und hatte damit großen Einfluss darauf, dass dort neue Bestmarken erreicht werden konnten.
Furukawa Electric produziert unter anderem Aluminiumprodukte, Glasfasern, elektrische Kabel und Komponenten für Industrie und Autobauer. Jedwede Erholung der japanischen Wirtschaft wird also kaum ohne dieses Unternehmen über die Bühne gehen. Die Zuversicht der Börsianer ist daher nachvollziehbar. Die einzige große Frage bleibt, ob die Politik von Takaichi auch tatsächlich den erhofften Aufschwung mit sich bringen wird. Denn dass in der Politik Wahlversprechen und Realität schon mal weit auseinanderliegen können, das ist in Japan nicht anders als anderswo.
Kawasaki Heavy Industries kann abliefern
Auch die Rüstungsindustrie steht im Fokus von Tokio. Vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen mit China will Nippon in Zukunft wieder stärker auftreten und massive Investitionen auf den Weg bringen. Das allein hätte für Kursgewinne bei Kawasaki Heavy Industries (JP3224200000) am gestrigen Montag wohl schon ausgereicht. Es schadete aber auch nicht, dass das Unternehmen gleich noch sehr erfreuliche Quartalszahlen nachschob.
In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres konnten die Umsätze um 10,9 Prozent auf 1,56 Billionen Yen (ca. 8,4 Mrd. Euro) gesteigert werden. Die Gewinne vor Steuern legten sogar um schwindelerregende 37,9 Prozent auf 88,8 Milliarden Yen (ca. 478 Mio. Euro) zu. Mit diesen Ergebnissen wurden die Erwartungen der Analysten sehr deutlich übertroffen. Dank der Wahlergebnisse richten die Anleger sich darauf ein, dass es nur der Anfang gewesen sein dürfte. Der Aktienkurs schoss am Montag um 15,7 Prozent bis auf 16.955 Yen in Richtung Norden. Bei 17.280 Yen konnte zudem ein neues Allzeit-Hoch markiert werden.
Nintendo bleibt am Boden
Es gab Zeiten, in denen Nintendo (JP3756600007) mehr oder minder allein den Nikkei getragen und ihn vor unschönen Abwertungen bewahren konnte. Von den aktuellen Entwicklungen kann der Spielegigant aber eher nicht profitieren. Die Absicht der japanischen Regierung, verstärkt in IT und KI zu investieren, könnte die Probleme des Super-Mario-Konzerns sogar noch verschärfen. Denn je höher die Nachfrage nach Chips aus Rechenzentren ausfällt, desto weniger bleibt für Privatverbraucher und desto weiter steigen die Preise.
Schon seit einer Weile sorgen die Märkte sich darum, dass die Speicherkrise die Margen von Nintendo erodieren lassen könnte. Gleichwohl gibt es auch genügend Stimmen, die in der gegenwärtig schwachen Verfassung der Nintendo-Aktie eine klare Kaufgelegenheit sehen. Am Montag beteiligte sich das Papier immerhin mit einem Plus von 2,6 Prozent an der guten Stimmung an den japanischen Märkten, blieb mit einem Schlusskurs von 8.662 Yen aber rund 40 Prozent unter den Höchstständen aus dem vergangenen Sommer.
AppLovin: Jetzt zugreifen?
Natürlich beschäftigten sich die Börsen gestern nicht nur mit Japan. Auch die USA spielten wieder eine größere Rolle, nachdem aus der EZB Signale zu vernehmen waren, die nicht auf eine baldige Zinssenkung hoffen lassen. Umso mehr setzen die Marktakteure nun darauf, dass die US-Notenbank Fed einen weiteren Zinsschritt nach unten wagen könnte. Dadurch bedingt konnten die dezent angeschlagenen Tech-Aktien wieder etwas aufatmen. An die Spitze setzte sich AppLovin (US03831W1080) mit einem Aufschlag von 13,4 Prozent und einem Schlusskurs in Höhe von 461,33 US-Dollar.
Zusätzlichen Rückenwind bekam das Papier von den Analysten von Jefferies, welche eine klare Kaufempfehlung und ein fast schon schwindelerregendes Kursziel in Höhe von 860 Dollar aussprachen. Der Kursrückgang im laufenden Jahr wird explizit als „ausgezeichnete Kaufgelegenheit“ beschrieben, berichtet „Investing.com“. Die Umsätze dürften sich im laufenden Jahr um 50 Prozent steigern, was von den Märkten mittlerweile nicht mehr adäquat eingepreist zu werden scheint. Bleibt nur zu hoffen, dass die Experten mit ihrer Einschätzung auch richtig liegen mögen.
Die Sonne geht auf
Zumindest gestern tat Nihon seinem Namen, der sich zu „Land der aufgehenden Sonne“ übersetzen lässt, alle Ehre. Die Bullen erkennen enorme Chancen und die Käufer sitzen erstmal am längeren Hebel. Das hinterließ durchaus auch international einige Spuren. Es bleiben aber noch offene Fragen um den tatsächlichen Zustand von Tech- und KI-Industrie sowie die Bewertungen von Aktien in diesem Segment. Da Big Tech, mittlerweile ein brutales Übergewicht in den US-Indizes entwickelt hat, würde jede Korrektur zwangsläufig den kompletten Markt in die Tiefe ziehen. Daran könnte Japan dann auch nichts mehr ändern.
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10.02.206 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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