Blutbad bei Gerresheimer, Novo Nordisk strapaziert die Nerven der Analysten, TUI sorgt letztlich für Enttäuschung und PayPal kommt aus dem Sinkflug nicht heraus
Mit diesen Aktien hatten die Anleger zuletzt nur wenig Freude
Die zurückliegende Handelswoche verlief wechselhaft, aber unter dem Strich nicht ganz schlecht. Zu sehen gab es durchaus positive Überraschungen bei manchem Einzeltitel. Dem gegenüber standen aber auch sehr viel weniger erfreuliche Entwicklungen mitsamt spürbaren Kursrückgängen und teils unsicheren bis negativen Aussichten.
Das Paradebeispiel dafür ist zweifellos Gerresheimer (DE000A0LD6E6), wo eine zweite Wirtschaftsprüfung und Hinweise auf neue Bilanzierungsprobleme einen hemmungslosen Ausverkauf provozierten. Das Unternehmen wies darauf hin, dass wohl Wertberichtigungen anstehen. Das könnte das Ergebnis aus dem Jahr 2025 im ungünstigsten Fall in den roten Bereich drücken. Als wäre das noch nicht genug, fällt auch der Ausblick für das laufende Jahr beim Verpackungsspezialisten magerer als bisher aus.
Kurz zusammengefasst gab es also nur schlechte Neuigkeiten und das Ausbleiben der Zahlenvorlage lässt die Anteilseigner im Dunkeln tappen. Das ist vielen Marktteilnehmern dann doch zu heikel und so wurde die Gerresheimer-Aktie in den letzten Tagen durchgereicht. Vor dem Wochenende konnte das Papier sich vom initialen Absturz zwar noch ein wenig erholen. Mit einem Schlusskurs von 20,04 Euro am Freitag musste aber ein Wochenverlust von über 20 Prozent verbucht werden.
Novo Nordisk: Schwankungsfreudig
Die Aktie von Novo Nordisk (DK0062498333) schwankte derweil munter hin und her. Dass Hims & Hers seine Pläne für Nachahmer-Produkte für Abnehmtabletten wieder kassierte, wurde zunächst positiv aufgenommen. Die generelle Furcht vor der Konkurrenz bleibt jedoch bestehen. Im Laufe des Jahres wird ein Konkurrenzprodukt zur Wegovy-Tablette von Eli Lilly erwartet, und das ganz ohne Patentverstöße. Die Analysten der Deutschen Bank sahen sich die Aktie näher an, zeigen sich aber dezent verunsichert durch starke Schwankungen in der Geschäftsentwicklung.
Letztlich reicht es noch für eine Kaufempfehlung, doch das Kursziel sinkt deutlich von zuvor 475 auf nun 400 Euro. Die Experten gehen davon aus, dass Novo Nordisk am Ende des Tages vom Trend zur Gewichtsreduzierung profitieren können wird. Nur wie sehr, darüber scheint es noch immer enorme Unsicherheiten zu geben. Auf dem besonders lukrativen US-Markt scheint Eli Lilly bislang noch immer im Vorteil zu sein. Die Novo Nordisk-Aktie gab in dieser Woche letztlich leicht nach und landete zu Handelsschluss am Freitag bei 310,60 dänischen Kronen.
TUI: Das ist nicht genug
TUI (DE000TUAG505) lieferte kürzlich eigentlich gute Zahlen ab, mit denen für ein erstes Quartal teils sogar neue Rekorde aufgestellt werden konnte. Das Management blickt optimistisch nach vorn und plant, lukrative Bereiche wie Kreuzfahrten und Hotels weiter auszubauen. Gleichzeitig soll auch der Budgetbereich mittelfristig wieder stärker wachsen. Doch das Wachstumsversprechen verfing auf Seiten der Analysten nicht, welche sich ernsthafte Sorgen um die Buchungszahlen für das kommende Sommergeschäft machen.
Die UBS hob ihr Kursziel zwar von 9 Euro auf 9,60 Euro an, hält damit einen Durchbruch über den Widerstand bei zehn Euro aber für eher unwahrscheinlich. Jefferies ist noch deutlich pessimistischer und stellt lediglich 8,20 Euro in Aussicht. Auf Anlegerseite scheint man sich eher auf die Seite der Skeptiker zu schlagen. Die TUI-Aktie erlebte eine deutliche Abwertung und landete zum Wochenende bei eher müden 8,40 Euro. Auf 5-Tages-Sicht ging es um gut zehn Prozent in die Tiefe.
PayPal in der Dauerkrise
Währens sich bei TUI noch von einem punktuellen Rückschlag sprechen lässt, hängt PayPal (US70450Y1038) schon seit einer Weile in den Seilen. Schwache Margen treiben die Bullen in die Defensive und fehlende Innovationen sorgen für Ermüdungserscheinungen. Noch dazu lieferte die Branche zuletzt insgesamt schwache Impulse. Die zuletzt enttäuschenden Zahlen mitsamt der überraschenden Ankündigung eines Chefwechsels steigerten die Verunsicherung unter den PayPal-Aktionären noch weiter.
Im Ergebnis landete der Aktienkurs am Freitag trotz leichter Erholung bei 40,29 US-Dollar. Damit sind allein im noch jungen Jahr 2026 schon Verluste von über 30 Prozent zu beklagen. Im 12-Monats-Vergleich ging es sogar um fast 50 Prozent abwärts. PayPal galt vor einigen Monaten noch als potenzieller Comeback-Kandidat. Offensichtlich ist es dem Unternehmen aber nicht gelungen, mit den richtigen Entscheidungen das eigene Potenzial auch abzurufen. Charttechnisch ist die Aktie schwer angeschlagen und der Abwärtstrend lässt sich auch mit einer großen Portion Wohlwollen nicht länger negieren.
Kommt da noch was?
Enttäuschende Entwicklungen bei Aktienkursen sind meist eine schmerzhafte Angelegenheit. In den Augen von Optimisten liefern sie aber für die Zukunft umso mehr Aufwärtspotenzial im Falle eines Turnarounds. Ein solcher ist so gut wie immer eine Möglichkeit, sollte ein angeschlagenes Unternehmen wieder zurück in die Spur finden können. Doch wäre es freilich eine blanke Wette, sich eben darauf blind zu verlassen. Ohne wenigstens ein Anzeichen für bessere Entwicklungen in der Zukunft lassen sich Empfehlungen für angeschlagene oder gar abgestürzte Aktien eher nicht aussprechen. In der Regel gibt es schließlich gute Gründe dafür, dass ein Kurs steil in Richtung Süden gefallen ist.
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15.02.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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