Ist SaaS tot?
Die Bären schiessen gegen die Software-Unternehmen - ist der Sell-off gerechtfertigt?
Zu den grössten Opfern der aktuellen Gruppenrotation gehören bekanntlich die Software-Unternehmen. Die Börse schiesst jetzt zuerst und stellt später Fragen. Wer jedoch genau hinsieht, kann die ersten Opportunitäten in dem Sektor finden.
Ist SaaS tot? Software-as-a-Service war viele Jahre lang der Garant dafür, an der Börse eine sehr hohe Bewertung zu erhalten. Doch in den letzten Monaten und vor allem seit Jahresbeginn haben wir einen harschen Abverkauf bei Softwareaktien gesehen. Selbst die so beliebte und in jedem Standarddepot vertretene SAP (DE0007164600) ist kräftig unter die Räder gekommen. So stark, dass selbst der DAX und der TecDAX dadurch für kurze Zeit aus der Bahn geworfen wurden. Doch das eigentliche Epizentrum liegt in New York, wo der Softwaresektor eine dominierende und gewichtige Rolle bei der Entwicklung der Indizes spielt. Aktuell gilt:
Die Börse schiesst jetzt zuerst und stellt später Fragen. Die starken Abverkäufe der letzten Wochen basieren nicht darauf, dass die Softwarebranche tatsächlich im operativen Geschäft durch AI in Bedrängnis kommt. Stattdessen wurden hier Gewinne mitgenommen und die Erwartung eingepreist, dass wir einige enttäuschende Nachrichten im laufenden Jahr aus der Branche bekommen. Sei es höherer Konkurrenzdruck oder sinkende Absatzzahlen. Sicher ist nur, dass die Entwicklung bei AI rasant weiter voranschreiten wird und heute schon viele Modelle Aufgaben mit Links erledigen können, für die früher komplette Software-Suiten und Computerpakete verkauft wurden.
Ist AI das Aus für die Softwarebranche?
Doch nicht jeder, der Vibe-Coding im Home-Office betreibt, wird der nächste Bill Gates werden. Ohne Zweifel ist die Produktivität bei der Softwareentwicklung durch AI massiv angestiegen. Was früher Monate gedauert hat, wird heute in Tagen, wenn nicht gar Stunden erledigt. Die Ergebnisse sind beeindruckend. Ein wichtiges Problem, was bei der ganzen Euphorie übersehen wird, ist, dass die Vibe-Coder häufig nicht die geringste Ahnung haben, was ihre AI-erstellte Software eigentlich intern wirklich macht. Eine vage Idee zu haben, reicht am Ende nicht aus. Vor allem dann nicht, wenn die Software komplexer wird und immer höhere Anforderungen an sie gestellt werden.
Der grösste Irrtum der Börse ist jedoch, eine AI-generierte Software mit einem Markterfolg gleichzusetzen. Ein gutes oder gar sehr gutes Produkt zu haben, reicht in der Praxis nicht. Möchte man mit einer AI-generierten Software in einen bestehenden und vergebenen Markt einbrechen, besteht das grösste Problem darin, die prospektiven Kunden davon zu überzeugen, zu wechseln. Beispiel Office von Microsoft (US5949181045): Es gibt seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, Alternativen zur Office-Suite von Microsoft. Darunter sicherlich auch einige, die sogar besser programmiert sind. Viele, die auch kostenlos sind. Doch warum wechseln die (zahlenden) Kunden nicht? Weil Office in das Ökosystem von Microsoft eingebunden ist, das vor allem den Unternehmenskunden eine grosse Sicherheit verspricht und gefühlt auch verschafft. Das Thema Kompatibilität kommt noch hinzu. Jeder Nerd ist dazu in der Lage, aus einem freien Editor ein Word-Dokument zu exportieren. Aber ist auch die Sachbearbeiterin in der Personalabteilung dazu in der Lage? Was verursachen die Umschulungen für Kosten, wenn die gewohnte Office-Umgebung verlassen wird? Wie viele Stunden müssen in Administratoren und Programmierer investiert werden, um bestehende Workflows anzupassen? Wer ist verantwortlich, wenn es am Ende zu Arbeitsunterbrechungen kommt? Sie können die Reihe der potenziellen Risiken bei einem Wechsel des Ökosystems fast beliebig fortsetzen.
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10.02.2026 - Mikey Fritz

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