JD.com startet den nächsten Versuch und will mit Joybuy nun auch in Deutschland Amazon und Co. ordentlich Konkurrenz machen
Bei seinem neuen Online-Shop setzt JD.com vor allem auf fixe Lieferzeiten
Technisch gesehen ging die Plattform Joybuy von JD.com bereits im vergangenen Herbst in Deutschland an den Start. Dabei handelte es sich allerdings noch um eine Versuchsphase mit einem wenig schmeichelhaften Auftritt und teils holprig übersetzten Produktbeschreibungen. Solche Kinderkrankheiten scheint das Unternehmen ausgemerzt zu haben und wirbt nun auch offiziell mit dem Start seiner Plattform.
Zu entdecken gibt es bei joybuy.de zum Start rund 60.000 Artikel aus unterschiedlichen Kategorien. Das Sortiment hat einen klaren Technik-Schwerpunkt, doch auch Jasminreis oder Süßigkeiten gehören zum Angebot von JD.com. Besondere Willkommensangebote sollen dabei helfen, möglichst schnell viele Kunden anzulocken. Jenen sollen zudem besonders schnelle Lieferzeiten geboten werden.
Zu Beginn verlässt sich JD.com (US47215P1066) zwar noch auf eine Zusammenarbeit mit DHL für die Zustellung von Paketen. Angestrebt wird aber bereits, auch den Logistikunternehmen Konkurrenz zu machen. Dafür stehen laut einem Bericht des „Handelsblatt“ schon jetzt etwa 100 Lieferfahrzeuge bereit. In Zukunft soll die Flotte kontinuierlich ausgebaut werden. Dann will JD.com nicht nur Lieferungen von Joybuy in Eigenregie abwickeln, sondern auch Kapazitäten für andere Anbieter zur Verfügung stellen. Das böte sich etwa für Media Markt und Saturn an, dessen Mutterkonzern Ceconomy der chinesische Handelsgigant im Laufe des Jahres zu übernehmen gedenkt.
JD.com setzt auf Double11
Als Zielgruppe scheint JD.com insbesondere ungeduldige Naturen ausgemacht zu haben. Denn ein wesentliches Feature des frisch gestarteten Online-Shops hört auf den Namen „Double11“. Das Versprechen lautet dabei, dass Bestellungen bis 11 Uhr morgens noch am gleichen Tag bis spätestens 23 Uhr ausgeliefert werden. Um dies leisten zu können, betreibt der Konzern mehrere Standorte in der Nähe von Großstädten, darunter Köln, Düsseldorf und Dortmund.
Wer nicht zufällig in einer der versorgten Städte wohnt, soll sich immerhin auf eine Lieferung am nächsten Tag einstellen können. Für die Zukunft will Joybuy freilich immer mehr Städte versorgen können und damit in Konkurrenz zu Amazons Same Day Delivery treten. Überhaupt scheinen die Chinesen sich den Platzhirsch im E-Commerce als Angriffsfläche ausgesucht zu haben. Darauf deutet auch das Angebot eines Abos nach dem Vorbild von Amazon Prime hin. Für 3,99 Euro monatlich gibt es unter anderem Gratisversand ohne Mindestbestellwert.
Der Großangriff auf Amazon ist natürlich ambitioniert und vermutlich auch nicht billig. Wie viel JD.com in dieses Vorhaben bisher investiert haben mag, wurde nicht öffentlich kommuniziert. Um nennenswerte Marktanteile zu gewinnen, wird es jedoch einen langen Atem brauchen und die ersten Analysten melden bereits Zweifel an. Insbesondere Joybuys Pläne in der Logistik werden mit viel Skepsis betrachtet.
Muss das sein?
Ein wenig steht die Frage im Raum, wie groß das Interesse der deutschen Kundschaft an einer besonders schnellen Lieferung überhaupt ausfällt. Hierzulande spielt der Preis in der Regel eine größere Rolle. Disruptiv wirkten in der Vergangenheit chinesische Anbieter mit besonders günstigen Preisen, wo die Lieferzeit aber schon mal zwei Wochen oder noch länger in Anspruch nehmen konnte. Dessen ungeachtet will JD.com den Markt auf seine Weise aufmischen und zeigt sich dabei sehr selbstbewusst.
An der Börse wurde der Launch in Deutschland durchaus positiv aufgenommen. Der Aktienkurs von JD.com legte hierzulande am Montag um 3,5 Prozent bis auf 12,68 Euro zu. Damit setzt sich eine Erholung fort, welche in den vergangenen zehn Tagen schon Zugewinne von fast 20 Prozent mit sich brachte. Allerdings kam die JD.com-Aktie auch von einem sehr niedrigen Niveau, sodass auf Jahressicht noch immer Verluste von 38 Prozent zu beklagen sind. Der deutsche Markt ist nicht uninteressant und Potenzial ist zweifellos vorhanden. Vermutlich werden die Aktivitäten von JD.com hierzulande die Bilanzen aber zunächst eher belasten.
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17.03.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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