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Die Ursprünge des Euros - Die vergessene Geschichte der Lateinischen Münzunion von vor 150 Jahren und ihre politischen Ambitionen

Papiergeldprobleme und Inflation

NTG24 - Die Ursprünge des Euros - Die vergessene Geschichte der Lateinischen Münzunion von vor 150 Jahren und ihre politischen Ambitionen

 

Haben Sie sich je gefragt, wo die Idee für eine gemeinsame europäische Währung ihren Ursprung hat? Man könnte meinen, dass der Euro ein einzigartig modernes Experiment ist. Aber weit gefehlt! Schon vor über 150 Jahren schmiedeten vier europäische Staaten Pläne für eine Währungsunion, die als Vorreiter für die heutige europäische Finanzintegration angesehen werden kann: Die Lateinische Münzunion.

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Werbebanner Lateinische Münzunion GoldmünzenAngeführt von Frankreich und mit Beteiligung von Belgien, Italien und der Schweiz, wurde die Lateinische Münzunion 1865 ins Leben gerufen. Griechenland schloss sich ein paar Jahre später an. Der Kerngedanke war simpel: Eine gemeinsame Münzprägung und -bewertung, die den Handel zwischen den Mitgliedsstaaten vereinfachen sollte. Die Union schuf einen bimetallischen Silber-Gold-Standard, bei dem das Wertverhältnis von Silber und Gold auf 1:15,5 festgelegt wurde.

 

Die Träume und die Realität

 

Was besonders interessant ist: Die Architekten der Lateinischen Münzunion sahen in ihrem Projekt mehr als nur eine wirtschaftliche Vereinbarung. Félix Esquirou de Parieu, ein französischer Ökonom und Staatsmann, betrachtete die Union sogar als Schritt hin zu einer vollwertigen "europäischen Union" mit politischer Leitung.

Aber es gab Probleme. Eines der Hauptprobleme war der Dualismus zwischen Gold und Silber. Durch die Marktschwankungen dieser Edelmetalle kam es zeitweise zu einer Knappheit bestimmter Münzen und zu einem Überfluss anderer. Hinzu kam, dass einige Mitgliedstaaten, insbesondere Italien und Griechenland, exzessiv Papiergeld druckten, was Inflation verursachte.

 

1927 endgültig aufgelöst

 

Die Lateinische Münzunion hielt trotz ihrer Schwächen immerhin bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Danach löste sie sich schrittweise auf, bis sie 1927 endgültig Geschichte war. Und obwohl die Union ihre angepeilten Ziele nicht vollständig erreichte, bleibt sie ein bemerkenswertes Kapitel in der europäischen Finanzgeschichte.

Die Lateinische Münzunion erinnert uns daran, dass die Idee einer europäischen Währungsunion nicht neu ist. Sie zeigt auch, dass solche ambitionierten Projekte sowohl Chancen als auch Risiken bergen. Und wer weiß, vielleicht können wir aus der Geschichte dieser beinahe vergessenen Union einige Lektionen für die Zukunft des Euro ziehen.

 

13.09.2023 - Andreas Opitz

Unterschrift - Andreas Opitz

 

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