Bei der Aktie der Lufthansa brennt es lichterloh, nachdem die Ölpreise wieder anzogen und gleichzeitig die Piloten für den nächsten Streik sorgten
Die Lufthansa in der Dauerkrise
Erst am Freitag kämpfte die Lufthansa mit zahlreichen Ausfällen aufgrund eines Streiks, zu dem Gewerkschaften das Bodenpersonal aufgerufen hatten. Mit Verdi konnte zwischenzeitlich zwar eine Einigung erzielt werden. Dennoch fielen wohl knapp 1.000 Starts und Landungen aus. Die neue Woche startet nun mit Streiks der Pilotinnen und Piloten sowie negativen Vorzeichen aus dem Nahen Osten.
Wie unter anderem bei der „FAZ“ zu lesen ist, ruft die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) zu einem Streik von heute um 0.01 Uhr bis Dienstag um 23.59 Uhr auf. Betroffen sind davon neben der Kernmarke Lufthansa (DE0008232125) auch Lufthansa Cargo, Lufthansa Cityline und Eurowings. Ausnahmen gibt es lediglich für Flüge aus Deutschland in die Krisenregion im Nahen Osten sowie umliegende Länder. Es drohen erneut etliche Ausfälle und die Aktie gerät schwer unter Druck.
Die Gewerkschaft VC sieht sich nach eigener Darstellung zu diesem Schritt gezwungen. Obschon man zu Ostern auf Streikmaßnahmen verzichtet habe, gebe es seitens der Lufthansa keine ernstzunehmenden Angebote und keine erkennbare Gesprächsbereitschaft. Kernpunkt aktueller Forderungen ist die betriebliche Altersvorsorge. Im Falle der Cityline wird ein neuer Vergütungstarifvertrag eingefordert. In keiner Hinsicht habe es Fortschritte gegeben. Bei Eurowings wird ein Angebot zur betrieblichen Altersversorgung als inakzeptable bezeichnet. Es bewege sich auf einem derart niedrigen Niveau, dass es den Namen kaum verdiene, so VC.
Unverständnis bei der Lufthansa
Solche Worte sowie die Streikmaßnahmen an sich stoßen bei der Lufthansa auf viel Unverständnis. Ein Sprecher bezeichnete die Streikankündigungen als eine „völlig neue Stufe der Eskalation“. Die Forderung nach einer Verdopplung der Altersvorsorge sei „absurd und unerfüllbar“. Nach eigener Ansicht zahlt die Lufthansa in dieser Hinsicht bereits überdurchschnittlich und sieht die betriebliche Altersvorsorge gar als „exzellent“ an. Nach einer schnellen Einigung klingt all das eher nicht. Die Fronten scheinen verhärtet zu sein.
Immerhin ließ VC mitteilen, weiterhin gesprächsbereit zu sein. Der Streik ließe sich jederzeit abwenden, wenn „verhandlungsfähige Angebote“ vorgelegt würden. Ein Streik sei stets das letzte Mittel, um Bewegung in Verhandlungen zu bringen. Man hätte darauf gerne verzichtet, sah aber anscheinen keine andere Möglichkeit mehr. Der Lufthansa setzt dies in einer ohnehin extrem schwierigen Ausgangslage zu. Die Einnahmen sprudeln derzeit nicht unbedingt, da der Krieg im Nahen Osten den Boom in der Branche dezent abgewürgt hat.
Daran änderte auch der Waffenstillstand aus der vorherigen Woche bislang wenig, zumal jener doch eher wackelig zu sein scheint. Am Wochenende gab es keine Einigung zwischen den USA und dem Iran, woraufhin US-Präsident Donald Trump eine Sperrung der Straße von Hormus ankündigte. Darauf folgten rapide Steigerungen beim Ölpreis und die Aussicht darauf, dass Kerosin für die Lufthansa noch teurer werden dürfte. Dazu kommen weiterhin ausfallende Destinationen in der Region.
Die Lufthansa im Sinkflug
Aus dieser verfahrenen Situation bietet sich momentan kein einfacher und schneller Ausweg an. Dementsprechend treten die Anteilseigner schon wieder die Flucht an. Am Montag startete die Aktie der Lufthansa mit Abschlägen von 3,6 Prozent in die neue Woche und der Kurs segelte zunächst auf 7,70 Euro zurück. Vor Kriegsbeginn im Nahen Osten wurden die Anteilsscheine noch zu je mehr als neun Euro gehandelt.
Eine Rückkehr in solche Sphären ist kaum vorstellbar, solange die Kosten explodieren und gleichzeitig auf Nachfrageseite eher negative Entwicklungen zu erwarten sind. Ob gerade in solchen Zeiten die Forderungen der Gewerkschaften noch als verantwortungsvoll zu bezeichnen sind, darüber lässt sich wohl vor allem aus Sicht der Lufthansa trefflich diskutieren. Für Anleger bleibt aber einzig die Einsicht, dass neben höheren Ausfällen steigende Treibstoffkosten für eher maue Aussichten bezüglich kommender Quartalszahlen sorgen.
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13.04.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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