Streiks legen die Lufthansa lahm, Siemens Energy kann erneut begeistern, die Commerzbank bleibt leicht unter den Erwartungen und auch T-Mobile hätte mehr liefern können
Die Berichtssaison gibt weiterhin die Richtung an der Börse vor
Mit Spannung wurden an den Märkten die jüngsten US-Arbeitsdaten erwartet, welche letztlich allerdings keine großen Überraschungen mit sich brachten. Die Wall Street tappte größtenteils auf der Stelle; Tech-Aktien konnten immerhin leicht zulegen. Entscheidende Impulse lieferten am Mittwoch dann aber doch eher andere Faktotren.
Bei der Lufthansa (DE0008232125) flammten Arbeitskämpfe mit Piloten und Kabinenpersonal erneut auf. Bereits Ende letzten Jahres beschloss die Pilotengewerkschaft Cockpit die Möglichkeit von Streiks, machten davon aber zunächst keinen Gebrauch. Wie es aussieht, kam man seither im Streit um bessere Tarifverträge und großzügigere Rentenbedingungen nicht weiter. Am heutigen Donnerstag steht daher ein ganztägiger Streik an, was sämtliche Starts in Deutschland betreffen soll. Betroffen ist davon auch Lufthansa Cargo.
Die Kabinengewerkschaft UFO ruft hingegen erstmal zu einem Warnstreik auf und fordert vor allem einen Sozialplan für die eigenen Mitglieder ein. Die Lufthansa selbst sieht derweil keinerlei Spielraum. Ob und wie die Parteien noch zueinanderfinden können, steht wohl erst einmal in den Sternen. Die Unsicherheit bereitet den Anlegern wenig Freude. Die Aktie der Lufthansa gab zeitweise um rund vier Prozent nach.
Siemens Energy ist nicht zu bremsen
Sehr viel bessere Neuigkeiten hatte Siemens Energy (DE000ENER6Y0) in Form frischer Quartalszahlen im Gepäck. Einmal mehr konnten munter Rekorde geschrieben werden, was der schier unstillbaren Nachfrage nach Gasturbinen und Netztechnik zu verdanken ist. Zudem gelang es, bei der Krisentochter Gamesa die Verluste nahezu zu halbieren. Das einzige Sorgenkind im Konzern mausert sich damit weiter.
Unter dem Strich kletterte der Umsatz um 12,8 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro, wovon 746 Millionen Euro als Gewinn hängenblieben. Laut Siemens Energy entspricht dies nahezu dem Dreifachen des Ergebnisses aus dem Vorjahreszeitraum. Da ist es nur nachvollziehbar, dass die Anteilseigner beste Laune haben. Mit dem Aktienkurs ging es am Mittwoch um 8,4 Prozent auf 163,25 Euro aufwärts. Auf Schlusskursbasis konnte damit erneut ein Allzeit-Hoch erreicht werden.
Die Ambitionen der Commerzbank enttäuschen
Die Zahlen der Commerzbank (DE000CBK1001) entwickelten sich ebenfalls positiv und das Unternehmen will im Abwehrkampf gegen Unicredit die Gewinne im laufenden Jahr noch weiter erhöhen. Angestrebt wird, über der bisherigen Zielmarke von 3,2 Milliarden Euro zu landen und bis 2028 4,2 Milliarden Euro zu erreichen. Das ist nicht schlecht, liegt aber letztlich unter dem, was die Analysten sich erhofft hatten. Der Aktienkurs gab letztlich um 2,7 Prozent auf 34,46 Euro nach.
Das dürfte der Commerzbank eher nicht gelegen kommen. Denn die Steigerung von Gewinnen und Aktienkurs sind im Prinzip die hauptsächliche Strategie bei dem Versuch, für Unicredit unattraktiv zu wirken. Allerdings darf davon ausgegangen werden, dass die Aktie sich recht schnell wieder fangen wird. Denn fundamental läuft es nach wie vor gut und aufgrund üppiger Ausschüttungen bleibt die Aktie interessant, auch wenn nicht alle Träume der Börsianer erfüllt werden können.
T-Mobile: Nichts zu meckern?
Gewisse Ähnlichkeiten zeigen sich bei T-Mobile (US8725901040). Auch dort entwickelten die Geschäfte sich im letzten Quartal gut und mit 962.000 Neukunden überflügelte man die Konkurrenz regelrecht. Allerdings lagen die Erwartungen im Vorfeld noch höher und zumindest bei einigen Beobachtern verstärkt sich der Eindruck, dass das Wachstum langsam nachlässt. Die Aktie reagierte zunächst mit Verlusten auf die Ergebnisse des vergangenen Quartals.
Erst im weiteren Verlauf drehte die Stimmung, nachdem immer mehr positive Analystenstimmen vorlagen. Bestenfalls gab es bei den Zahlen einige Enttäuschungen auf sehr hohem Niveau zu sehen. Im Konkurrenzkampf steht das Unternehmen aber nach wie vor hervorragend da. Am späten Nachmittag notierte die Aktie gestern bei 209,36 US-Dollar und damit letztlich knappe fünf Prozent höher als noch tags zuvor. Der Aufstieg scheint etwas weniger märchenhaft geworden zu sein, doch bleibt es insgesamt bei einem klaren Wachstumskurs.
Es wird nicht langweilig
In Sachen Politik scheint die Lage an den Märkten sich dezent beruhigt zu haben, doch Langeweile tritt deshalb noch lange nicht auf. Die laufende Berichtssaison hält die Anleger in Atem und einige Schwergewichte wie Nvidia stehen noch aus. In den kommenden Tagen und Wochen dürfte es also noch so manche Überraschung geben, und das sowohl in positiver wie auch negativer Hinsicht. Etwas Aufmerksamkeit schadet Anlegern daher nicht, auch wenn das zugegebenermaßen eigentlich immer der Fall ist.
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12.02.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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