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BÖRSE TO GO - Fokus auf Daimler, SAP und Ems-Chemie

The Trend is your Friend

 

Guten Morgen,

wir sind wahrlich keine Anhänger der reinen technischen Analyse, aber wenn ab und an seitens dieser Seite eine Aussage getätigt wird, die den Nagel auf den Kopf trifft, dann schliessen wir uns dem gerne an. Achim Matzke, seines Zeichens Leiter der technischen Analyse bei der Commerzbank, hatte gestern in seinem Beitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ eine Aussage getroffen, welche gerade für deutsche Anleger wohl nur schwer zu akzeptieren ist: Seit nunmehr 80 Jahren bestätigt der S&P 500 seinen Aufwärtstrend. Und noch immer ist der „Millennium-Trend“ intakt. Und bleibt es auch.

Wir erwähnen dies aus einem einfachen Grund: Kurzfristige Volatilitäten, Abschläge und gerne auch “Crashs“, wie sie derzeit gern überall kolportiert werden, sind bestenfalls Pausen oder nervenbelastende Intermezzos in einer Welt, in der die Innovation immer weiter nach vorne drängt. 

Das ist natürlich der „Big Picture“ Blick, aber gerade für die kommenden Wochen lohnt es sich, diesen zu bewahren. Denn wenn die Unsicherheiten hoch und die Nerven angespannt sind, ist es wichtig, sich nicht durch die kurzfristigen Querschläger aus der Bahn werfen zu lassen. Dieses Jahr wird ein Jahr werden, an dessen Ende sich sehr viele Marktteilnehmer fragen werden, ob sie noch den Durchblick bzw. Überblick haben über die wirklich wichtigen Entwicklungen dieser Welt. Es geht nicht um Trump, 0%-Zinsen, Brexit, Italien oder den Strukturwandel der deutschen Industrie. Es geht darum zu erkennen, dass grosse Weichen gestellt wurden, die allesamt Kapital anziehen und es auch weiterhin tun werden.

 

 

Mit dieser Brille auf der Nase begegnen wir der anstehenden Berichtssaison und schauen nur auf eines: Welche Unternehmen sind ein Baustein dafür, das auch für die kommenden 80 Jahre der Trend gesichert ist.

 

Daimler packt es nicht

 

Viele Autohersteller werden es - zumindest im Moment - wohl nicht sein. Denn der Anpassungsdruck beim Umstieg von Verbrennungsmotoren zu Elektromotoren kostet erst einmal viel Geld. Ganz abgesehen von den Aufräumarbeiten, die insbesondere die deutschen Premiumhersteller im Thema Dieselgate noch zu leisten haben. Das ist auch die Grundlage für die erneute Gewinnwarnung von Daimler heute Morgen. Binnen weniger Wochen hat der Stuttgarter Konzern seine Jahresprognose zweimal abgesenkt und geht nun von einem EBIT deutlich unter dem Vorjahreswert aus.

Begründet wird dies mit Rückstellungen von 1 Milliarde Euro für einen Airbag-Rückruf sowie den zusätzlichen Kosten aus der Dieselgate-Affäre in Höhe von 1,6 Milliarden Euro. Für das zurückliegende zweite Quartal hat Daimler bereits einen EBIT-Verlust von 1,6 Milliarden Euro (Vorjahr Gewinn von 2,6 Milliarden Euro) gemeldet.

Fazit: Natürlich werden Autoaktien in Zukunft weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Doch aktuell sollte hier nur sehr punktuell investiert werden. Im Blick haben wir dabei derzeit vor allem Volkswagen, die gerade mit dem amerikanischen Autokonzern Ford eine Intensivierung ihrer eMobility-Kooperation angekündigt haben. Heute Nachmittag sollen dazu entsprechende Details bekannt gegeben werden. Im Gegenzug ist Daimler derzeit für uns keinen  Investment.

 

Ein Blick in die Schweiz

 

Eine bessere Nachricht gab es heute Morgen aus der Schweiz. Denn der Spezialchemiekonzern Ems konnte trotz eines Umsatzrückgangs aufgrund der schwächeren Konjunkturbedingungen seinen Gewinn steigern. Unter dem Strich sank zwar der Umsatz im ersten Halbjahr um 3,5 %. Dafür legte das EBITDA um 1,9 % auf 346 Millionen Franken zu. Das EBIT erhöhte sich um 1,1 % und übertraf damit die Markterwartungen.

Als klassischer Zykliker stand die Aktie von Ems-Chemie in den letzten Tagen erheblich unter Druck. Mit den neuen Zahlen in der Hinterhand halten wir es aber für sehr möglich, dass im Bereich von 570 Franken die dort befindliche Unterstützungszone bestätigt wird. Sollte dies umgesetzt werden können, wären aus unserer Sicht Verbilligungen sinnvoll.

 

 

Was uns nächste Woche erwartet

 

Und schon einmal ein Ausblick auf die kommende Woche. Denn dann treten wir in die heisse Phase der Berichtssaison ein. Den Anfang machen hierbei, wie schon berichtet, die US-Banken. Die aktuellen Prognosen ergeben eine etwas schwierige Gemengelage. Denn einerseits rechnen die Marktteilnehmer damit, dass die Wall-Street-Banken bei ihren Handelserträgen erneut ein deutliches Minus ausweisen müssen. Auf der anderen Seite rechnet der Markt damit, dass die amerikanische Bankbranche als Ganzes innerhalb der S&P-500-Branchen wohl das höchste Gewinnwachstum (oder eines der höchsten) abliefern kann. Es wird also spannend.

Aber auch in Deutschland gibt es schon ein erstes Highlight. Denn am Donnerstag wird der Software-Konzern SAP berichten. Mit einer Marktkapitalisierung von fast 150 Milliarden Euro ist der Walldorfer ERP-und Cloud-Spezialist die einzige deutsche Firma, die international im Kreis der grössten Börsengesellschaften mitspielen kann. Nach Marktkapitalisierung lag man zuletzt auf Platz 52. Eine weitere deutsche Firma sucht man dahinter lange vergebens.

Entsprechend spannend dürfte es werden, was der Konzern zum abgelaufenen Quartal zu sagen hat. Im Vorfeld wird weiterhin erwartet, dass das Cloud- und Software-Geschäft zweistellig gewachsen ist. Sollte zusätzlich auch die zuletzt rückläufige Marge wieder umgekehrt werden, stünde wohl einer Fortsetzung der aktuellen Rallye nichts im Weg.

 

12.07.2019 - Carsten Müller - cm@ntg24.de

 









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Bewertungen, Kommentare und Fragen an den Redakteur

 

  • Carsten Müller - 15.07.2019 17:10:05 Uhr

    Herzlichen Dank für die Anregungen zur US-Börse, die wir an dieser Stelle in Zukunft sicher noch intensiver aufgreifen werden. Gleiches gilt auch für die Hinweise zu Nebenwerten, die wir zusätzlich intensiv in unserer neuen Empfehlungskategorie "Aktien" besprechen werden.


  • Hinweis - 12.07.2019 10:05:25 Uhr

    Ich finde gut, dass zumindest mal der S&P 500 Erwähnung findet und wünsche mir weit mehr Einschätzungen zu den US-Börsen. Den heimischen und schweizerischen Markt decken Sie sehr gut ab! Dieses Übergewicht zugunsten dieser Märkte erinnert mich an den Home Bias. Im Vergleich zu anderen Indizes ist der DAX ein Verliererindex!!! Selbst mit der Einrechnung der Dividenden in den Performaceindex DAX hinkt dieser vielen bekannten Indizes hinterher. Umso wichtiger sind MDAX und SDAX für dieses Börse 2 Go-Format.