Mercedes-Benz berichtet in zahlreichen Regionen wieder über höhere Absatzzahlen, kann damit über Einbrüche in China aber nicht hinwegtrösten
Die Aktionäre von Mercedes-Benz bleiben weiter skeptisch
Frische Absatzzahlen aus dem zweiten Quartal lassen Mercedes-Benz nicht im schlechtesten Licht erscheinen. Zumindest auf den ersten Blick gibt es sogar das eine oder andere Anzeichen von Erholung und Wachstum zu sehen. Nach eigenen Angaben konnte der Autobauer im zweiten Quartal weltweit um zwei Prozent auf 511.900 Pkws und Vans zulegen.
Die Rechnung hat allerdings einen Haken, der die Anleger dann doch eher betrüblich stimmt. Wachsen konnte Mercedes-Benz (DE0007100000) im Jahresvergleich laut den veröffentlichten Absatzzahlen vor allem in Europa (+4%) und Nordamerika (+13%). Gefragt waren dabei jedoch eher weniger margenstarke High-End-Autos. Außerdem bleiben die Probleme in China offensichtlich.
Im Reich der Mitte verkaufte Mercedes im vergangenen Quartal noch 98.600 Fahrzeuge und damit 30 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Begründet wird die anhaltende Schwäche mit einer anhaltenden Konsumschwäche in Kombination mit einem intensiven Wettbewerb und einem laufenden Modellwechsel. Mit anderen Worten macht der Konzern vor allem äußere Umstände für das maue Abschneiden verantwortlich. Für die Zukunft wird aber schon Besserung in Aussicht gestellt.
Mercedes-Benz will wieder zulegen
In China will Mercedes-Benz mit Autos punkten, die speziell für den dortigen Markt zugeschnitten sind. Davon werden zwar nicht direkt neue Verkaufsrekorde erwartet. Es soll aber dabei helfen, die aktuelle Schwäche zumindest zum Teil wieder auszugleichen. Parallel dazu läuft auch in anderen Regionen eine breite Modelloffensive. Berichtet wird über eine rasant steigende Nachfrage nach Elektroautos in Europa. Die Absätze haben um 87 Prozent auf 43.500 Fahrzeuge zugelegt. Besonders CLA und GLB seien schwer gefragt.
Mercedes-Benz verfügt nach eigener Ansicht über gut gefüllte Auftragsbücher, was zusammen mit weiteren Modellstarts zu wieder höheren Absätzen im zweiten Halbjahr führen soll. Leider gelang es nicht, damit auch die Bullen abzuholen. Die Mercedes-Benz-Aktie gab am Mittwoch um vier Prozent auf 44,12 Euro nach. Das lag auch an wieder höheren Ölpreisen, welche an den Märkten als ein wesentlicher Faktor für eine schwächere Nachfrage nach Verbrennern gelten. Solche spielen auf dem wichtigen US-Markt noch die erste Geige und machen auch in China einen Großteil der Geschäfte aus.
Der Blick auf das erste Halbjahr fällt eher ernüchternd aus. Trotz Fortschritte in einigen Märken konnten nur etwa 837.000 Fahrzeuge ausgeliefert werden und damit rund sieben Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Spätestens hier zeigt sich sehr deutlich, dass Mercedes-Benz die Schwäche in China noch immer nicht ausgleichen kann. Ob neue Modelle dort den erhofften Erfolg bringen mögen, steht in den Sternen. Die Konkurrenz ist groß und es werden ständig neue Modelle veröffentlicht. Bisher scheint die Kundschaft bei BEV-Fahrzeugen heimische Anbieter zu präferieren.
Hoffnung allein reicht nicht
Mercedes-Benz wirkt sehr bemüht darum, die Absatzzahlen in einem möglichst positiven Licht erscheinen zu lassen. Nicht ohne Grund wird die Unternehmensmeldung betitelt mit einem Absatzwachstum um 3 Prozent „außerhalb Chinas“ und einem um 50 Prozent gestiegenen Absatz von BEV-Fahrzeugen. Letzteres wird jedoch mit einem schwachen Niveau verglichen und die Börsianer wollen bei ihrer Evaluierung von Unternehmen und Aktie China nicht einfach ausblenden.
Beim zukünftigen Wachstum und einer möglichen Erholung bewegt sich Mercedes-Benz derweil vor allem noch im Reich der Hoffnung. Zwar gibt es erste Anzeichen dafür, dass die Talsohle durchschritten sein mag. Die Lage bleibt jedoch ausgesprochen dynamisch und die Krisenstimmung im Segment kann nicht einfach abgeschüttelt werden. Um den Aktienkurs wieder in deutlich höhere Gefilde zu manövrieren, wird Mercedes-Benz harte Zahlen brauchen und nicht nur wohlklingende Versprechen. Solange davon nur wenig zu sehen ist und Optimismus nur mit einer gesunden Portion Wohlwollen entstehen will, wirkt die Seitenlinie weiterhin einladend.
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09.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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