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Mercedes-Benz verdient wieder besser – aber noch nicht dort, wo es zählt

Das zweite Quartal zeigt Wirkung der Sparprogramme, während das Pkw-Geschäft unter China, Modellmix und schwacher Marge leidet

NTG24 - Mercedes-Benz verdient wieder besser – aber noch nicht dort, wo es zählt

 

Mercedes-Benz liefert derzeit ein eigentümliches Bild: Der Konzerngewinn verbessert sich, die Kostenmaßnahmen greifen und das Geschäft mit Finanzdienstleistungen läuft deutlich besser. Gleichzeitig verdient Mercedes mit seinen Pkw erheblich weniger als noch vor wenigen Jahren. Ausgerechnet das Kerngeschäft macht damit sichtbar, wie tief die Probleme im chinesischen Premiummarkt und der Umbau zur Elektromobilität inzwischen in der Rechnung angekommen sind.

Mercedes-Benz Group (DE0007100000) erzielte im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 32,06 Mrd. Euro, 3 % weniger als ein Jahr zuvor. Das bereinigte EBIT stieg dennoch um 16 % auf 2,30 Mrd. Euro, der Nettogewinn um 13 % auf 1,09 Mrd. Euro. Auf Konzernebene sieht das zunächst nach einer gelungenen Stabilisierung aus. Die Qualität dieser Verbesserung ist allerdings ungleich verteilt.

Genau deshalb ist Mercedes aktuell weniger eine klassische Turnaround-Wette als ein Test der eigenen Strategie. Kostensenkungen können schwächere Volumina eine Zeit lang kompensieren. Entscheidend für eine nachhaltige Neubewertung der Aktie wäre jedoch, dass auch das Automobilgeschäft wieder eine Marge erreicht, die zu einer Premiummarke und zu den hohen Investitionen in neue Plattformen, Software und Elektrofahrzeuge passt.

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Die Börse bleibt entsprechend zurückhaltend. Im August bewegt sich die Aktie nur im Bereich um etwa 45 Euro und damit deutlich unter früheren Jahreshochs. Der niedrige Bewertungsansatz ist deshalb nicht einfach ein Geschenk des Marktes. Er spiegelt Zweifel wider, ob Mercedes seine früher außergewöhnlich profitable Position im Luxussegment unter den veränderten Wettbewerbsbedingungen wiederherstellen kann.

 

Die Konzernzahlen verdecken das Problem im Autogeschäft

 

Der auffälligste Widerspruch steckt zwischen Konzern- und Pkw-Ergebnis. Mercedes-Benz Cars erwirtschaftete im zweiten Quartal 22,99 Mrd. Euro Umsatz, 5 % weniger als im Vorjahr. Das bereinigte EBIT des Bereichs sank um 26 % auf nur noch 909 Mio. Euro. Die bereinigte Umsatzrendite fiel von 5,1 % auf 4,0 %.

Damit bewegt sich das wichtigste Geschäft des Konzerns inzwischen weit entfernt von den zweistelligen Margen, die Mercedes während der besonders profitablen Phase seiner Luxusstrategie erreichen konnte. Der Zwischenbericht zum zweiten Quartal macht zugleich deutlich, wie stark Sondereffekte das ausgewiesene Ergebnis beeinflussen. Operativ bleibt die Entwicklung bei den Pkw wesentlich schwächer als die Verbesserung des Konzern-EBIT zunächst vermuten lässt.

Das ist für die Bewertung wichtiger als ein einzelnes besseres Quartalsergebnis. Mercedes kann sich auf Dauer nicht über Finanzdienstleistungen, Vans und Kostensenkungen zu einer höheren Automobilbewertung sparen. Der Markt braucht wieder den Nachweis, dass die Fahrzeuge selbst ausreichend hohe Renditen erwirtschaften.

 

China trifft genau den Teil der Strategie, der besonders profitabel sein sollte

 

Das größte strukturelle Problem bleibt China. Im zweiten Quartal lagen die Pkw-Verkäufe des Konzerns insgesamt 8 % unter dem Vorjahresniveau. Mercedes verweist insbesondere in China auf intensiven Wettbewerb, vorsichtige Konsumenten und Modellwechsel. Reuters berichtete für den Markt sogar von einem Absatzrückgang von rund 30 %.

Schwer wiegt dabei nicht nur die Zahl der fehlenden Fahrzeuge. China war für deutsche Premiumhersteller über viele Jahre ein außergewöhnlich profitabler Markt. Gleichzeitig treten dort lokale Hersteller mit schnellen Entwicklungszyklen, ausgeprägter Softwarekompetenz und einer immer breiteren Modellpalette auf. Das Problem ist damit nicht bloß konjunkturell. Mercedes muss seine technologische Attraktivität in einem Markt neu beweisen, in dem die Marke allein weniger Preissetzungsmacht besitzt als früher.

Die Reaktion darauf ist tiefgreifend. Mercedes beschleunigt die lokale Entwicklung und Beschaffung und verfolgt stärker den Ansatz „In China für China“. Bis 2027 sollen dort gegenüber 2024 unter anderem die lokalen Materialkosten um 10 %, die variablen Produktionskosten um 20 % und die Fixkosten ebenfalls um 20 % sinken. Das zeigt, dass der Konzern nicht mit einer schnellen Normalisierung des alten Marktumfelds rechnet.

 

Elektroautos wachsen – und belasten trotzdem zunächst die Rechnung

 

Eine zweite Entwicklung wirkt zunächst paradox. Mercedes verkauft wieder deutlich mehr vollelektrische Fahrzeuge. Im zweiten Quartal stiegen die BEV-Verkäufe bei Mercedes-Benz Cars um 51 % auf 52.852 Fahrzeuge. CLA, GLC und GLB tragen nach Unternehmensangaben bereits zu diesem Wachstum bei. Im ersten Halbjahr lagen die vollelektrischen Verkäufe 28 % über dem Vorjahr.

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Für die Transformation ist das ein wichtiges Signal. Das alte Problem schwacher Elektroakzeptanz beginnt sich zumindest bei den neuen Modellgenerationen zu entschärfen. Wirtschaftlich ist der Hochlauf aber noch keine reine Erfolgsmeldung. Höhere Elektroanteile können den Produktmix und die Profitabilität zunächst belasten, während gleichzeitig hohe Aufwendungen für neue Plattformen, Batterietechnik und Produktionsumstellungen anfallen.

Mercedes erhöhte deshalb seine Erwartung für den Anteil elektrifizierter Pkw 2026 auf 23 % bis 25 %. Gleichzeitig wurde die Absatzerwartung für Mercedes-Benz Cars wegen China von „auf Vorjahresniveau“ auf leicht unter Vorjahresniveau gesenkt. Auch beim Konzernumsatz erwartet das Management nun einen leichten Rückgang. Der aktualisierte Jahresausblick zeigt damit sehr sauber das Spannungsfeld: Die technologische Transformation beschleunigt sich, während das klassische Volumen unter Druck bleibt.

 

 

 

Kostensenkungen funktionieren – und offenbaren zugleich den Handlungsdruck

 

Mercedes reagiert mit einer der umfassendsten Effizienzoffensiven seit Jahren. Bis 2027 sollen die Produktionskosten je Fahrzeug gegenüber 2024 um 10 % sinken. Auch die Fixkosten sollen um 10 % reduziert werden, während Mercedes bei Materialkosten Einsparungen von rund 8 % bis 2027 anstrebt. Forschung und Entwicklung sowie Investitionen hatten nach Unternehmensangaben 2025 ihren Höhepunkt erreicht und sollen nun zurückgehen.

Das zweite Quartal zeigt bereits, warum diese Maßnahmen für die Ergebnisrechnung so wichtig sind. Trotz rückläufiger Umsätze stieg das bereinigte Konzern-EBIT. Reuters ordnete die Ergebnisverbesserung ausdrücklich als Folge strenger Kostendisziplin ein.

Das ist positiv, solange Einsparungen Produktqualität und Innovationsgeschwindigkeit nicht beeinträchtigen. Genau hier verläuft jedoch eine sensible Grenze. Mercedes muss Kosten aus einer historisch gewachsenen Struktur entfernen und gleichzeitig gegen chinesische Wettbewerber investieren, die wesentlich kürzere Entwicklungszyklen gewohnt sind. Sparen und Beschleunigen müssen also parallel funktionieren.

 

Vans und Finanzdienstleistungen zeigen, wie profitabel Mercedes noch sein kann

 

Dass der Konzern grundsätzlich weiterhin hohe Renditen erwirtschaften kann, zeigen die anderen Sparten. Mercedes-Benz Vans erreichte im zweiten Quartal bei 4,46 Mrd. Euro Umsatz eine bereinigte Umsatzrendite von 10,2 %. Das bereinigte EBIT stieg leicht auf 454 Mio. Euro.

Noch auffälliger entwickelte sich Mercedes-Benz Financial Services. Das bereinigte EBIT sprang um 70 % auf 492 Mio. Euro, die bereinigte Eigenkapitalrendite erreichte 15,3 %. Für das Gesamtjahr erhöhte Mercedes deshalb die erwartete bereinigte Eigenkapitalrendite dieses Bereichs von zuvor 10 % bis 12 % auf nun 12 % bis 14 %.

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Werbebanner EMH PM TradeDiese beiden Bereiche stabilisieren das Gesamtbild erheblich. Sie können aber das strategische Problem bei Mercedes-Benz Cars nicht dauerhaft überdecken. Eine Premium-Automobilaktie wird letztlich danach bewertet, welche Rendite der Konzern mit seinen Fahrzeugen erzielen kann. Vier Prozent bereinigte Pkw-Marge sind dafür kein überzeugender Dauerzustand.

 

Der Cashflow mahnt trotz Milliardenliquidität zur Vorsicht

 

Auch beim Cashflow lohnt sich der zweite Blick. Der freie Cashflow des Industriegeschäfts fiel im zweiten Quartal um 41 % auf 1,10 Mrd. Euro. Bereinigt waren es 1,28 Mrd. Euro nach 1,98 Mrd. Euro im Vorjahresquartal. Gleichzeitig verfügt das Industriegeschäft weiterhin über eine Nettoliquidität von mehr als 30 Mrd. Euro.

Mercedes hat damit keinen akuten Bilanzstress. Der Konzern besitzt genügend finanziellen Spielraum für neue Modelle, Restrukturierung und Kapitalrückführung. Für Anleger ist trotzdem entscheidend, in welche Richtung sich der Cashflow bewegt. Die Transformation wird erst dann wirklich überzeugend, wenn neue Modelle nicht nur Stückzahlen liefern, sondern wieder robuste Margen und freien Mittelzufluss erzeugen.

Genau daraus erklärt sich auch die niedrige Börsenbewertung. Der Markt bestreitet Mercedes weder Substanz noch Marke noch finanzielle Stärke. Er bewertet vielmehr ein Geschäftsmodell, dessen frühere Gewinnqualität momentan nicht selbstverständlich ist.

 

Mercedes ist billig – aber nicht ohne Grund

 

Die Mercedes-Aktie hat durchaus Argumente für eine Erholung. Die Bilanz ist stark, die Kostensenkungen greifen, Vans verdienen zweistellig und Financial Services entwickelt sich besser als erwartet. Gleichzeitig kommen mit CLA, elektrischem GLC und elektrischer C-Klasse Produkte auf den Markt, die den technologischen Rückstand im Elektrobereich verringern könnten.

Eine nachhaltige Neubewertung dürfte aber erst beginnen, wenn sich diese Modelloffensive in der Pkw-Marge niederschlägt. Für 2026 erwartet Mercedes bei Cars weiterhin lediglich eine bereinigte Umsatzrendite von 3 % bis 5 %. Das ist der Kern der aktuellen Bewertung: Anleger bezahlen Mercedes nicht mehr wie einen dauerhaft hochprofitablen Luxuskonzern, sondern wie einen Hersteller mitten in einem kostspieligen industriellen Anpassungsprozess.

Damit ist die Schwäche der Aktie ebenso nachvollziehbar wie ihre Chance. Gelingt es Mercedes, die China-Abhängigkeit zu reduzieren, die neuen Elektroplattformen profitabel hochzufahren und gleichzeitig die Kostenbasis dauerhaft zu senken, besitzt das heutige Bewertungsniveau erhebliches Erholungspotenzial. Bis dahin bleibt das verbesserte Konzernergebnis vor allem ein Zeichen dafür, dass die Gegenmaßnahmen funktionieren – noch nicht dafür, dass das zentrale Margenproblem gelöst ist.

 

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20.08.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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