Mercedes-Benz konnte weitere Absatzrückgänge nicht vermeiden, verzeichnet aber dank seiner Sparprogramme dennoch höhere Gewinne
Die Anleger scheinen mit Mercedes-Benz zufrieden zu sein
Aus dem generellen Abwärtstrend konnte Mercedes-Benz auch im zweiten Quartal nicht ausbrechen. Einmal mehr mussten sinkende Absatzzahlen gemeldet werden. Allerdings gab es in einigen Regionen auch deutliche Fortschritte zu sehen. In Europa meldete der Konzern ein Wachstum von 87 Prozent beim BEV-Absatz und insgesamt ein Absatzplus von vier Prozent. In den USA ging es um zehn Prozent aufwärts. Lichtblicke sind in der Bilanz also durchaus vorhanden.
Es sollte jedoch nicht ausreichen, um insgesamt wieder auf Wachstumskurs zu kommen. Im zweiten Quartal konnte Mercedes-Benz (DE0007100000) laut dem jüngsten Zwischenbericht 512.0000 Fahrzeuge verkaufen, was einem Minus von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal entspricht. Besonders drastisch fielen die Rückgänge in China aus. Dort brach der Absatz von Pkw um 30 Prozent ein. Schon seit Längerem kämpft der Stuttgarter Autobauer mit heftigem Gegenwind in der Volksrepublik. Entmutigen lassen will das Management sich davon aber nicht.
CEO Ola Källenius betonte, dass man auf dem größten Automarkt der Welt weiterhin Präsenz zeigen wolle. An den ruinösen Preiskämpfen möchte sich Mercedes indes nicht beteiligen, um einen „Jojo-Effekt“ zu vermeiden. Nach Ansicht von Källenius verfügt der eigene Konzern über genügend Stärke und Widerstandsfähigkeit, um die aktuelle Phase überstehen zu können. Für das zweite Halbjahr setzt das Unternehmen weiterhin auf neue Modelle, mit denen die Kauflust der Kundschaft angekurbelt werden soll.
Mercedes-Benz verdient wieder mehr
Trotz Rückgängen bei den Absätzen konnte Mercedes-Benz im vergangenen Quartal zum ersten Mal seit Langem wieder den Konzerngewinn steigern. 1,09 Milliarden Euro wurden gemeldet und damit 13,5 Prozent mehr als vor einem Jahr, als es nur für 957 Millionen Euro reichte. Da es ansonsten an den meisten Stellen abwärts ging, ist dieser Erfolg in erster Linie den Sparprogrammen zu verdanken. Offenkundig ist es Mercedes gelungen, sich schlanker aufzustellen.
Bei den Umsätzen musste ein Minus von 3,3 Prozent auf gut 32 Milliarden Euro verzeichnet werden. Das Ebit verbesserte sich hingegen um 21,5 Prozent auf 1,55 Milliarden Euro. Diese Entwicklung scheint auszureichen, um den Aktionären wieder Zuversicht schenken zu können. Die Aktie reagierte am Dienstag mit Aufschlägen von 2,9 Prozent und kletterte auf 46,62 Euro. An einem recht freundlichen Handelstag landete der Titel in den Top 10 des DAX.
Noch bleibt für Mercedes-Benz viel zu tun, was sich beim operativen Ergebnis besonders deutlich zeigt. In der Pkw-Sparte ging jenes um 94 Prozent auf müde 49 Millionen Euro zurück. Den größten Anteil daran hatte eine Wertminderung an chinesischen Beteiligungen, welche laut Unternehmensangaben mehr als 700 Millionen Euro ausmachte. Selbst darum bereinigt musste allerdings ein Minus von 26 Prozent verzeichnet werden.
Zeichen der Besserung?
Mercedes-Benz gibt sich mit Blick auf die Zukunft selbstbewusst, doch die Prognose für das laufende Jahr musste etwas nach unten korrigiert werden. Der Pkw-Absatz soll nun nicht länger auf Vorjahresniveau, sondern etwas darunter liegen. Auch bei den Umsätzen wird nun mit leichten Rückgängen gerechnet. Dennoch gibt es Hoffnung darauf, dass 2026 die Talsohle durchschritten werden könnte. Das reicht den Börsianern aus, um wieder freundlicher nach vorne zu blicken.
In westlichen Gefilden scheint Mercedes-Benz bereits auf einem guten Weg zu sein und diverse Sparmaßnahmen schlagen sich immer deutlicher in der Bilanz nieder. Gelingt nun noch die Wende in China, so stünde einem veritablen Comeback an der Börse grundsätzlich wenig im Weg. An den Gegebenheiten in Fernost hat sich zuletzt allerdings leider wenig geändert. Es bleibt bei einer nicht zu übersehenden Zurückhaltung der Verbraucher, die immer mehr auf günstige Elektroautos schielen und dabei heimische Anbieter eher bevorzugen.
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29.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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