Bei den Sparplänen von Mercedes-Benz scheint es nicht ganz so schnell voranzugehen, wie der Konzern es sich erhofft hatte
Die Mitarbeiter von Mercedes-Benz scheinen Abfindungen nur zögerlich anzunehmen
Die Autokrise steckt weiterhin in einer tiefen Krise, welche sich durch den Irankrieg zusätzlich zu verschärfen droht. Zu leiden haben die deutschen Autobauer unter einem immer härteren Wettbewerb in China, Unsicherheiten bei der Elektrifizierung und einer eher dürftigen Nachfrage in Europa. Außerdem sind die Kosten merklich angestiegen, was die Margen bei den meisten Anbietern in den Keller gedrückt hat.
Mercedes-Benz (DE0007100000) stellt bei alledem keine Ausnahme dar. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen ein Ebit von 5,82 Milliarden Euro und damit weniger als die Hälfte als ein Jahr zuvor. Die Margen bei der Autosparte gingen auf nur noch fünf Prozent zurück. Das wäre für manch anderen Hersteller zwar keine schlechte Zahl. Es liegt aber deutlich unterhalb des Anspruchs, den Mercedes-Benz an sich selbst stellt und es reicht auch nicht aus, um Anleger in Ekstase zu versetzen.
Richten soll es nun ein Sparprogramm namens „Next Level Performance“. Bis 2027 sollen damit jährlich fünf Milliarden Euro eingespart werden. Mercedes-Benz will sich schlanker aufstellten und mit effizienteren Strukturen nicht nur besser auf die aktuelle Krise eingestellt sein, sondern sich auch auf Schwankungen in der Zukunft vorbereiten. Teil des Plans sind auch umfangreiche Stellenabbauten. Bei diesem Punkt scheint es aber langsamer als erhofft voranzugehen.
Mercedes-Benz: (Zu) treue Mitarbeiter
Entlassungen sind bei Mercedes-Benz noch bis zum Jahr 2034 ausgeschlossen. Daher muss der Konzern mit Freiwilligenprogrammen und großzügigen Abfindungen arbeiten, um Teile der Belegschaft zu einem Abschied bewegen zu können. Genau das ist auch passiert. Medienberichten zufolge wurden zu Beginn eines entsprechenden Programms teilweise sechsstellige Abfindungen gezahlt. Die Summen verringerten sich im Laufe der Zeit und damit offenbar auch das Interesse der Belegschaft daran, sich auf derartige Angebote einzulassen.
Wie das „Handelsblatt“ unter Verweis auf Insider berichtet, sollen bislang etwa 5.500 Angestellte den Konzern über das fragliche Abfindungsprogramm verlassen haben. Das Management habe jedoch auf eine hohe vierstellige Zahl gehofft. Daher sei das Management auch „nicht ganz zufrieden“ mit der Anzahl der Abgänge. Mercedes-Benz wollte die Berichte bislang nicht offiziell kommentieren.
Hinweise auf einen dezent schleppenden Verlauf lieferten jedoch auch die Geschäftszahlen. Im letzten Jahr hat Mercedes-Benz weltweit rund 1,6 Milliarden Euro für Restrukturierungsmaßnahmen ausgegeben. Vorgesehen waren dafür bis zu zwei Milliarden Euro. Zudem wurde die Anzahl der Beschäftigten in Deutschland auf 107.889 beziffert und damit 6.852 weniger als noch ein Jahr zuvor. Rechnet man hier die Trennung von Niederlassungen in gleich vier deutschen Städten heraus, so ergibt sich ein eher übersichtlicher Wegfall von Stellen.
Sparzwang bei Mercedes-Benz
Zwar handelt es sich beim Verlauf des Abfindungsprogramms lediglich um Gerüchte. Dennoch schürt das Ganze natürlich Zweifel daran, ob Mercedes-Benz seine recht ambitionierten Sparpläne auch erreichen kann. Sollte das nicht der Fall sein, so könnten bei den Bilanzen in der Zukunft einige unangenehme Überraschungen drohen. Hohe Kosten würden die ohnehin bescheidene Marge unter Druck setzen. Neben den Personalkosten sorgen die Anleger sich dabei aktuell auch um rapide steigende Energiepreise sowie mögliche Probleme in den Lieferketten.
Diese eher ungünstige Ausgangslage könnte den Sparzwang bei Mercedes-Benz noch weiter erhöhen. Als Hoffnung bleibt, dass neue Modelle bei den Kunden punkten können. Um wieder den Weg zurück in den Wachstumskanal zu finden, setzt der Autobauer auf Dutzende neue Modelle im Laufe der nächsten Jahre. Dabei soll es auch eine Reihe neuer E-Autos geben, welche aufgrund der rasant steigenden Ölpreise vielleicht auf mehr Gegenliebe stoßen könnten. Doch darüber lässt sich aktuell nur spekulieren, während die Kosten weiterhin ein potenzieller Belastungsfaktor für den Aktienkurs bleiben.
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07.04.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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