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Metro in der Sackgasse?

Welchen Weg wird der Handelskonzern nun einschlagen?

 

Es war eine Niederlage mit Ansage. Der Versuch des tschechischen Investors Daniel Kretinsky, den Handelskonzern METRO zu übernehmen, ist gescheitert. Kretinsky hatte über sein Investmentvehikel EPGC jeweils 16 Euro für eine Stammaktie und 13,80 Euro für eine Vorzugsaktie geboten. Als Mindestannahmeschwelle wurden 67,5 % aufgerufen.

Dabei stand die Offerte von Anfang an unter keinem guten Stern. Denn konkret hatte sich nur Großaktionär Haniel auf die Seite von Kretinsky gestellt. Allerdings musste dies unter dem Aspekt gesehen werden, dass sich Haniel generell in einer strategischen Umorientierung befindet. Bei den anderen Großaktionären Schmitt-Ruthenbeck und Beisheim stießen die Übernahmepläne dagegen auf Ablehnung. Und auch Aufsichtsrat und Vorstand hatten das Angebot als zu niedrig abgelehnt.

Wie inzwischen bekannt wurde, wurden am Ende nur 41,7 % der Aktien angedient. Damit ist die Offerte vom Tisch und Kretinsky muss sich nun überlegen, wie er weiter vorgeht. Dabei dürfte schon eines deutlich werden: Für METRO und seine strategische Neuausrichtung wird die Situation angesichts der zu erwartenden Streitigkeiten im Aktionärskreis nicht einfacher.

 

Metro Street Food Festival

@ Metro AG

 

Wie geht es weiter?

 

Kretinsky hätte nun als erstes die Möglichkeit, mit seiner schon vorhandenen Beteiligung von mehr als 30 % ein Pflichtangebot vorzulegen, auch zu einem deutlich niedrigeren Preis als die bisherige Offerte. Haniel selbst hatte hier schon angekündigt, auch zu einem geringeren Preis verkaufen zu wollen. Insofern könnte Kretinsky seine eigene Beteiligung auf diesem Wege weiter aufstocken. Als Opposition würden dabei Schmitt-Ruthenbeck und Beisheim fungieren, die ihre Stimmen zusammenlegen und damit auf bislang mehr als ein Fünftel kommen. Mit der Maßgabe, auch hier selbst noch zukaufen zu wollen.

Für die zukünftigen strategischen Entscheidungen von METRO sind das Voraussetzungen, die - vorsichtig - formuliert schwierig sind. Dabei könnte METRO durchaus besser dastehen. Denn der eingeleitete Umbauprozess geht grundsätzlich gut voran. So ist der geplante Verkauf des Chinageschäftes auf sehr guten Weg und könnte einen Milliarden-Betrag einbringen. Ebenfalls Fortschritte macht METRO beim Verkauf der Supermarkt-Tochter REAL. Hier gibt es zwar immer noch viele Unwägbarkeiten, aber zumindest diskutiert man inzwischen mit einem ernsthaften Interessenten.

 

METRO mit guten Zahlen

 

Und noch ein weiterer Punkt würde für METRO sprechen. Denn die jüngsten Geschäftszahlen sahen ebenfalls besser aus. So konnte der Handelskonzern seinen flächenbereinigten Umsatz im dritten Fiskalquartal um 3,4 % steigern. Operativ verdiente der Konzern 3,7 % mehr. Wobei bis auf Ausnahme von Sorgenkind Russland alle anderen Märkte erfreuliche Entwicklungen nahmen. Indes:

Die sich nun abzeichnende Hängepartie im Aktionärskreis könnte die angestoßene positive Entwicklung schnell wieder ausbremsen. Dabei bleiben die Herausforderungen, insbesondere die zunehmende Digitalisierung im Handel. Und natürlich wären bei einer möglichen Patt-Situation im Eigentümerkreis die Zukunft des derzeitigen Vorstandes recht ungewiss und damit natürlich auch die weiteren strategischen Schritte.

 

Aktie von METRO mit Potenzial

 

Das schlimme daran: Das alles wäre nicht notwendig und müsste auch die Aktie nicht ausbremsen. Denn an der Börse wird METRO derzeit deutlich unter seinem Potenzial bewertet. Das gilt einerseits für das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Dieses liegt erwartet für dieses Jahr bei 11,4, deutlich unter dem historischen Durchschnitt von 17,2. Noch eklatanter scheint die Unterbewertung mit Blick auf das Kurs-Umsatz-Verhältnis. Hier bringt es Metro derzeit nur auf einen Wert von 0,17. Natürlich heißt das nicht, dass das Unternehmen an der Börse nun gänzlich unterbewertet ist. So liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis derzeit bei 1,6, was aus unserer Sicht im normalen Bereich wäre. Aber auch hier gilt, dass hier durchaus noch Potenzial wäre. Und nicht zu vergessen die Dividendenrendite, die für dieses Jahr mit geschätzten 4,8 % ein attraktives Angebot darzustellen scheint.

Letztlich gibt es aus unserer Sicht zwei Optionen: Die erste wäre sicherlich, dass Kretinsky sich mit den anderen Aktionären zusammenrauft und versucht, METRO von der Börse zu nehmen, um unbedrängt von den öffentlichen Marktbedingungen METRO weiter zu entwickeln. Die zweite Option wäre die weitere Notierung der Aktie, die aus charttechnischer Sicht aktuell eine recht interessante Ausgangsbasis liefert. Denn die jüngsten Turbulenzen haben gezeigt, dass hier im Bereich von 13,80/14 Euro eine recht solide Unterstützungszone vorhanden ist.

 

Kursverlauf Metro

 

Fazit: Auf dem jetzigen Niveau scheint METRO trotz des gescheiterten Übernahmeversuchs die Unterstützung zu halten. Damit könnten spekulativer aufgestellte Investoren versuchen, hier eine erste Anfangsposition aufzubauen. Im Rahmen des Zürcher Trends sind wir bereits sehr erfolgreich in METRO engagiert und würden diesbezüglich für die Aktie eine Halten-Empfehlung aussprechen.

 

12.08.2019 - Carsten Müller - cm@ntg24.de

 









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