Helium ist der neue Schwarze Schwan
Sorgt der Iran-Krieg für einen Crash bei den Halbleiteraktien?
Bekommen wir einen Crash bei den Halbleiteraktien? Der Engpass bei Helium resultiert aus dem Iran-Krieg und wird zum grössten Einzelrisiko für die Chipproduktion vor allem in Südkorea und Taiwan.
Die Halbleiterbranche ist weltweit der grösste Verbraucher von Helium. Das Edelgas wird aufgrund seiner einzigartigen (und nicht austauschbaren) Eigenschaften in grossen Mengen bei der Produktion von Chips eingesetzt. Der hohe Verbrauch resultiert daraus, dass Helium nicht an einer wichtigen Stelle im Produktionsprozess eingesetzt wird, sondern gleich für vier wichtige Aufgaben. Ein Wissen, mit dem man an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit seinen Gesprächspartner auf der nächsten Party langweilen kann. Für die Börse ist das Thema jedoch hochbrisant, denn über das Helium ist die Halbleiterbranche in den Iran-Krieg gezogen worden und die Börse preist dies bisher nicht ein.
Die meisten Länder benötigen Helium, aber nur wenige produzieren und exportieren es. Die USA sind mit Abstand der grösste Heliumproduzent, aber der Verbrauch im Inland ist so hoch, dass man dennoch ein Netto-Importeur ist. Die weltweit grössten Netto-Importeure sind China und Japan, die über keine oder nur sehr geringe Helium-Vorkommen verfügen. Heraus stechen aber auch Südkorea und Taiwan, da deren Elektronik- und Halbleiterproduktion hohe Mengen an Helium benötigt. Neben den USA produzieren auch Kanada und Russland Helium, aber der mit Abstand grösste Netto-Exporteur ist ausgerechnet Katar. Das Emirat liefert aus Ras Laffan heraus rund 30 % bis 35 % des gesamten weltweiten Helium-Angebotes. Die Exportquote liegt bei fast 100 %, da man selbst keinen Bedarf für das Edelgas hat, das für das Land mehr oder weniger ein Abfallprodukt ist.
Helium ist der neue Schwarze Schwan
Die Produktion in Ras Laffan liegt jedoch seit diesem Monat brach. Die bekannten Drohnenangriffe des Iran auf das Emirat Katar und seine LNG-Anlagen in Ras Laffan haben nicht nur die Produktion von LNG gestoppt, sondern auch von Helium, da dies wie gesagt ein Abfallprodukt der LNG-Produktion ist. Die Schäden vor Ort sollen derart gross sein, dass QatarEnergy „Force Majeure“ ausgerufen hat, was einen vertragsgerechten Stopp der Lieferungen ermöglicht. Die Reparaturen würden selbst bei einem sofortigen Ende der Kriegshandlungen Wochen bis Monate dauern. Oder anders gesagt: Die Helium-Lieferungen aus Katar fallen auf absehbare Zeit aus. Am stärksten betroffen davon ist Südkorea, die 65 % ihres Heliums aus Katar bisher bezogen haben.
Aus diesem Grund schlägt nun für Russland eine Sternstunde, denn das Land hatte in der Vergangenheit seine Helium-Produktion in Sibirien erheblich ausgeweitet. Theoretisch kann Russland auf dem Papier so viel produzieren wie Katar (ca. 60 Millionen Kubikmeter pro Jahr). Die tatsächliche Produktionsmenge lag jedoch zuletzt bei nur 18 Millionen Kubikmeter in 2025. An wen liefert Russland? Die Produktion ist dicht an der Grenze zu China aufgebaut worden, die Hauptkunde des russischen Heliums sind. An wen liefert Russland nicht? An die USA, Europa und Grossbritannien. Diese Länder haben im vergangenen Jahr ihre Sanktionen gegen Russland weiter ausgeweitet und explizit (!) ein Importverbot von russischem Helium erlassen.
Für die Halbleiterbranche ist dieses Szenario ein Albtraum. Es verwundert daher nicht, dass die Einkäufer sofort mit Beginn des Iran-Krieges begonnen haben, sich alle verfügbaren Heliumbestände auf dem Markt zu sichern, was den Preis bereits um ein Vielfaches in die Höhe getrieben hat. Lieferengpässe bei Helium sind jedoch kein überraschendes Ereignis für die Halbleiterbranche, sondern sind in der Vergangenheit immer wieder einmal aufgetreten. Die dadurch ausgelösten Preissteigerungen haben die Halbleiterproduzenten dazu gebracht, dass sie in ihren modernen Anlagen aufwendige Massnahmen zur Rückgewinnung von Helium eingeführt haben. Das Helium wird so nach der Benutzung wieder aufgefangen, gereinigt und kann dann wiederverwendet werden. Diese Form des Recyclings mildert den Nachfragedruck ab, ist aber selbstverständlich kein Allheilmittel gegen Engpässe.
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27.03.2026 - Mikey Fritz

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