Nvidia im roten Bereich, Apple zeigt sich fester, TUI leidet unter dem Irankrieg und PayPal hätte gern mehr
KI-Sorgen bestimmten auch am Freitag das Bild an den Börsen
Trotz einiger hervorragender Zahlen und Prognoseerhöhungen konnten die Börsen ihre KI-Ängste vor dem Wochenende nicht abschütteln. Immer mehr geht die Angst um, dass die bisherige Zuversicht übertrieben ausgefallen sein könnte. Anhaltende Verkäufe verstärken den Druck von oben und die Charttechnik sorgt für weiteren Abschwung. Ein Ende der Korrektur ist noch nicht erkennbar.
Ausnahmen gab es im KI-Segment nur wenige. Selbst Nvidia (US67066G1040) geriet immer deutlicher ins Visier der Bären und der Aktienkurs rutschte zeitweise schon unter die Marke von 200 US-Dollar. Damit verlor der Konzern auch für einen kurzen Moment den Titel als wertvollstes Unternehmen der Welt. Im späteren Handel konnte der Kurs sich aber immerhin etwas fangen. Es ging mit 202,81 Dollar ins Wochenende und damit „nur“ 2,2 Prozent tiefer als tags zuvor.
Auf fundamentaler Seite gibt es eigentlich wenig zu meckern. Nvidia verkauft weiter fleißig KI-Chips und schmiedet nebenbei neue Kooperationen. Berichtet hatte der Konzern in dieser Woche beispielsweise über Chancen in Japan bei der Robotik. Das scheint den Bullen allerdings noch zu vage zu sein und das Szenario einer möglicherweise platzenden KI-Blase drängt sich in den Vordergrund.
Apple im Vorteil?
Die Anleger von Apple (US0378331005) scheinen so etwas weitaus weniger zu fürchten. Vielleicht könnte es sich sogar als hilfreich erweisen, wenn in einem solchen Fall die Speicherpreise wieder nachlassen und damit die Margen bei iPhone und Co. höhere Regionen erreichen. Was auch immer die Anteilseigner sich gedacht haben mögen: die Apple-Aktie konnte sich gestern in einem angeschlagenen Umfeld vergleichsweise gut halten und leicht bis auf 333,75 Dollar zulegen.
Für einen kurzen Moment wurden sogar bis zu 334,98 Dollar je Aktie gezahlt, was die Marktkapitalisierung über 4,9 Billionen Dollar beförderte und Apple wieder auf den Spitzenplatz beförderte. Per Handelsschluss musste sich der Tech-Gigant wieder Nvidia geschlagen geben, allerdings nur denkbar knapp. Setzt die Entwicklung aus dieser Woche sich weiter fort, könnte eine Rückkehr an die Spitze bevorstehen.
TUI: Zu früh gefreut
Ganz andere Probleme haben derzeit die Aktionäre von TUI (DE000TUAG505). Im Juni machte sich noch große Erleichterung breit, nachdem die USA und der Iran eine Absichtserklärung mitsamt dazugehöriger Waffenruhe unterzeichneten. Viel davon übriggeblieben ist allerdings nicht. In dieser Woche gab es fast täglich neue Angriffe beider Seiten zu sehen und die Eskalationsspirale dreht sich munter weiter.
Für TUI ist das aus mehreren Gründen unbequem. Zum einen fallen weiterhin zahlreiche ehemals beliebte Destinationen weg. Ob dies mit einer höheren Nachfrage nach Reisen in Europa ausgeglichen werden kann, darüber lässt sich nur mutmaßen. Zusätzlich belasten wieder höhere Ölpreise den Ausblick und eine längere Sperrung der Straße von Hormus könnte sogar zu echten Engpässen bei Kerosin führen. Unter dem Eindruck derartiger Befürchtungen ging es für die TUI-Aktie wieder in Richtung 7 Euro zurück. Zum Wochenende standen noch 7,04 Euor auf dem Ticker und damit rund 22 Prozent weniger als zu Jahresbeginn.
PayPal sieht sich als unterschätzt an
Für bessere Stimmung sorgte ausgerechnet PayPal (US70450Y1038), welches die Anleger eigentlich schon seit Monaten enttäuscht. Verantwortlich dafür waren allerdings keine eigenen Impulse, sondern ein Übernahmeangebot des Mitbewerbers Stripe in Höhe von 60,50 Dollar je Aktie. Diese Offerte sieht PayPal allerdings als zu niedrig an, wie bei „Yahoo Finance“ zu lesen ist. Der Zahlungsdienstleister verweist zudem auf mögliche regulatorische Hürden und zeigt sich allgemein nicht eben begeistert über die Übernahmeofferte.
Den Bullen nahm das allerdings nur geringfügig den Wind aus den Segeln. Die PayPal-Aktie musste gestern zwar minimale Korrekturen hinnehmen, womit die Zugewinne des Vortags aber weiterhin verteidigt werden konnten. Der Kurs kletterte in dieser Woche letztlich um satte 22,1 Prozent auf 56,56 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Ende Januar. Sollte Stripe noch einmal nachlegen, wäre es den Aktionären freilich nur Recht. Analysten schätzen die Wahrscheinlichkeit dafür allerdings als gering ein, da die vorliegende Offerte bereits einen recht üppigen Aufschlag verglichen mit den vorherigen Schlusskursen beinhaltet.
Untröstlich
Zuversicht scheint aktuell an der Börse eher spärlich gesät zu sein. Stattdessen verbreitet sich immer mehr die Angst vor einer größeren und vor allem nachhaltigen Korrektur. Viele Anleger wollen das gar nicht erst abwarten, und so hat eine Phase von Verkäufen und Umschichtungen begonnen. Zwar ist es nicht das erste Mal, dass speziell der KI-Sektor eine solche Entwicklung durchläuft. Das allein ist aber noch kein Garant dafür, dass auch dieses Mal die Abschläge letzten Endes wieder ausgeglichen werden können.
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18.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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