China düpiert SpaceX, Nvidia wird herausgefordert, Rheinmetall stößt weiter auf Widerstand und an SAP wird weiter gezweifelt
Vorsicht scheint derzeit das Gebot der Stunde an den Börsen zu sein
Ein kleiner Anflug von guter Laune wurde in dieser Woche durch neue Eskalationen im Irankonflikt am Wochenende abrupt gestoppt. Von Waffenruhe kann kaum noch die Rede sein und am Wochenende meldete der Iran abermals die Schließung der Straße von Hormus. Das bringt Zinssorgen zurück und lässt die Ölpreise ansteigen. In der Folge zeigen die Börsianer sich eher mutlos.
Selbst bei SpaceX (US84615Q1031) hat der Hype schwer nachgelassen, was auch noch andere Gründe haben dürfte. Am Freitag startete China zum ersten Mal eine Langer-Marsch-10-Rakete in den Orbit und konnte die erste Stufe der Rakete erfolgreich über eine Kabel-Fangvorrichtung auf einem Schiff wieder landen lassen. Das Ganze gilt als deutlich weniger aufwendig als bei SpaceX und nun konnte schon der erste Landeversuch erfolgreich über die Bühne gebracht werden.
Landetürme von SpaceX wirken im Vergleich dezent überholt, zumal dort bereits mehrere Landeversuche letztlich abgebrochen werden mussten. Der US-Konzern verliert noch etwas mehr von seinem Glanz und der Aktienkurs macht es sich in weiterhin nicht niedrigen, aber eher überschaubaren Regionen bequem. Am Freitag rutschte der Kurs um 4,5 Prozent auf 145,30 US-Dollar ab. Der Ausgabepreis lag bei 135 Dollar.
Nvidia bekommt immer mehr Konkurrenz
Die Aktie von Nvidia (US67066G1040) notiert zwar nominell noch auf hohem Niveau. Dem „Handelsblatt“ ist jedoch aufgefallen, dass das KGV mittlerweile ungefähr auf dem gleichen Stand wie vor dem KI-Boom liegt. Eine Rallye gab es schon länger nicht mehr zu sehen, was sowohl mit der häufig gedrückten Börsenstimmung als auch der immer stärkeren Konkurrenz zu tun hat. Unter anderem schicken sich AMD und Google an, Nvidia immer mehr Marktanteile streitig zu machen.
Die Blicke könnten sich künftig aber auch verstärkt in Richtung China richten. Denn wie die „WirtschaftsWoche“ in Zusammenarbeit mit LiveEO feststellte, arbeitet die Volksrepublik unter Hochdruck daran, mehr oder minder die gesamte Lieferkette im KI-Bereich in eigene Hände zu bringen. Das Ziel ist dabei nicht einmal unbedingt die Leistungskrone. Doch ein ausreichender Ansatz bei überschaubaren Kosten könnte ausreichen, um Nvidia den einen oder anderen Tag zu vermiesen.
Rheinmetall bleibt unter Druck
Trotz NATO-Gipfel und einigen neuen Aufträgen steht auch die Aktie von Rheinmetall (DE0007030009) weiter unter Druck. Proteste gegen eine geplante Produktion in Berlin, an denen laut Medienberichten wohl auch Greta Thunberg beteiligt sein soll, sind für Anleger da noch das geringste Problem. Schwer zu verdauen ist jedoch der Verlust des F126-Projekts. Es ist für Rheinmetall der vielleicht größte Rückschlag, seit die Auftragslage im Jahr 2022 nach Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen die Ukraine explodierte.
Zu kämpfen hat Rheinmetall dabei auch damit, dass die moderne Kriegsführung sich weg von Panzern und Artillerie bewegt und stattdessen Drohnen immer mehr im Vordergrund stehen. Rheinmetall ist in diesem Bereich zwar nicht untätig. Den Ton geben aber eher andere an. Zuletzt konnten die Bullen nicht einmal mehr die Marke bei 1.000 Euro verteidigen. Am Freitag ging es nach Verlusten von 2,1 Prozent mit nur noch 992 Euro ins Wochenende.
SAP zieht den Sparstrumpf an
Noch länger her ist es, dass bei den Aktionären von SAP (DE0007164600) gute Laune herrschte. Der Aktienkurs hat sich im Jahresvergleich nahezu halbiert und zum Wochenende lag er weiterhin nur knapp über dem 52-Wochen-Tief. Trotz massiver Investitionen gelingt es dem Software-Konzern nicht, die Anleger von neuen Wachstumsmöglichkeiten durch KI zu überzeugen. Es bleiben Befürchtungen im Raum, dass Künstliche Intelligenz SAP mehr schaden als nützen könnte.
Die Analysten von JPMorgan sehen auch einen jüngst verkündeten Sparkurs nicht als Befreiungsschlag. Vielmehr wird darin ein Signal dafür erkannt, dass SAP für KI-Investitionen mittlerweile den Gürtel enger schnallen muss. Immerhin wird mit 175 Euro als Kursziel noch eine gewisse Erholung verglichen mit dem letzten Schlusskurs von 137,58 Euro in Aussicht gestellt. Bei der Einstufung reicht es jedoch nur für „Neutral“, was unter den Anlegerinnen und Anlegern kaum Kaufanreize setzen dürfte.
Abgekühlt
In mehreren Segmenten hat die Stimmung an den Börsen sich merklich abgekühlt. Die Risikofreude scheint nachzulassen und jede Eskalation auf der geopolitischen Bühne schickt die Käufer noch weiter in die Defensive. Ob die heranrückende Berichtssaison daran wieder etwas ändern kann, das lässt sich nur abwarten. Für den Moment scheint die große Party aber erst einmal vorbei zu sein und bunte Zukunftsfantasien alleine reichen nicht länger aus, um munter Kursrekorde zu schreiben.
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12.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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