Nvidia hält wenig von Verboten bei KI und spricht sich zusammen mit vielen anderen Akteuren für frei verfügbare Modellgewichte aus
Für Nvidia ergeben sich auch Aussichten auf noch höhere Umsätze
In diesen Tagen wird immer mehr über die Risiken von Künstlicher Intelligenz berichtet. Gerade nach den Ausbruchsversuchen bei OpenAI werden die Rufe nach Regulierung lauter. In den USA fordern einige Politiker gar, dass Hersteller einen „Killswitch“ einbauen, mit dem die Regierung bei Bedarf KI-Modelle vollständig deaktivieren kann. Darüber hinaus gibt es Diskussionen darüber, wie in Zukunft mit Modellgewichten umzugehen ist.
Ein Modellgewicht besteht aus bestimmten Zahlenwerten, die einem KI-Modell vorgeben, welche einzelnen Informationen stärker berücksichtigt werden sollen, also wahrscheinlicher als Antwort auf eine Frage oder als Baustein für eine Problemlösung verwendet werden. Das Ganze entsteht aus dem rechenintensiven Training und bestimmt das Verhalten einer KI maßgeblich. Die größten Sprachmodelle verfügen mittlerweile über Billionen von Parametern.
In seinem ersten Post bei X spricht sich Jensen Huang, seines Zeichens CEO von Nvidia (US67066G1040), nun dafür aus, solche Modellgewichte in Zukunft öffentlich zugänglich zu machen. Mit dieser Forderung steht er nicht alleine da. Ein entsprechendes Positionspapier wurde auch von Investoren, Startups und namhaften Tech-Giganten wie Meta, Microsoft und Dell unterzeichnet. Argumentiert wird damit, dass offene Gewichte kleinen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen einen leichteren Zugang zu leistungsfähiger KI ermöglichen würden.
Nvidia: Nicht ganz uneigennützig
Das klingt im ersten Moment nach einer edlen Forderung, welche aber nicht nur auf Gegenliebe trifft. Kritiker bemängeln, dass offene Modellgewichte zu unkalkulierbaren Risiken führen würden. Schließlich hätten auch Menschen mit wenig hehren Absicht Zugriff darauf. Für Hacker könnte es damit einfacher werden, massive Angriffe zu starten. Befürworter halten dagegen, dass Entwickler mit freiem Zugang entsprechende Gegenmaßnahmen in die Wege leiten könnten.
Auch Nvidia und Co. kehren Risiken nicht unter den Teppich und nennen beispielsweise eine schwierige Nachverfolgbarkeit von veränderten Versionen. Vor einem generellen Verbot wird aber ausdrücklich gewarnt. Eine breite Gemeinschaft sei in der Lage, passende Schutzmechanismen zu entwickeln und damit Risiken zu minimieren. Geschlossene Systeme hingegen seien nicht automatisch sicherer. Bei klassischer Software hat sich dieser Ansatz durchaus bewährt. Mit „Security by Obscurity“ hat bisher kaum jemand einen Blumentopf gewinnen können.
Es dürfte jedoch auch ökonomische Gründe haben, dass Nvidia sich für einen offenen Ansatz ausspricht. Jensen Huang benennt dies zwar nicht öffentlich. Es liegt aber auf der Hand, dass der Konzern umso mehr Chips verkauft, je mehr offene Modelle auf möglichst vielen Servern von unterschiedlichen Cloud-Anbietern betrieben werden. Für Nvidia wäre es am lohnenswertesten, wenn es sowohl große geschlossene als auch offene Modelle geben würde. Daher kommt es nicht überraschend, dass Huang genau das als den goldenen Mittelweg auslobt.
Der Druck nimmt zu
Es ist nicht so, als würde Nvidia schon seine Felle davonschwimmen sehen. Der Konzern bleibt ein Schaufelverkäufer im Goldrausch und damit einer der, wenn nicht sogar der größte Profiteur der aktuellen Entwicklungen. Doch die Konkurrenz schläft nicht; erst kürzlich stellte AMD Chips vor, welche die KI-Lösungen von Nvidia klar übertreffen sollen. Für Nvidia wird es zunehmend schwieriger, das Wachstumstempo zu halten und damit die Aktionäre weiterhin in Begeisterung zu versetzen.
Ein wenig macht sich an der Börse schon die Befürchtung breit, dass Nvidia bei kommenden Bilanzen nicht mehr genauso glänzen kann wie in den vergangenen Jahren. Die Aktie hält sich wacker über 200 US-Dollar und ging am Freitag mit 206,84 Dollar ins Wochenende. Doch der Abstand zum Allzeit-Hoch bei 236,54 Dollar ist nicht zu übersehen. Neue Spielregeln mit offenem Ansatz könnten dabei helfen, dem Geschäft den nächsten Wachstumsschub zu bescheren. Daher werden letztlich auch die Anleger sehr genau verfolgen, in welche Richtung es künftig politisch gehen mag.
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27.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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