Rheinmetall wird nicht lange liegengelassen, Hensoldt übt sich in Zurückhaltung, Puma gerät wieder aus dem Rampenlicht und Meta muss deutsche Nutzer entschädigen
Nicht jede Schlagzeile hinterlässt an der Börse lange Eindruck
Es gibt Nachrichten, welche an der Börse lange Zeit aktuell bleiben und auch schon mal die Kursentwicklung ganzer Sektoren vorgeben können. Dann wieder gibt es aber auch Meldungen, die erstaunlich schnell wieder in Vergessenheit geraten können und beim Aktienkurs letzlich keine entscheidende Bedeutung spielen. Leider ist es nicht immer ganz einfach, den potenziellen Impact schon im Voraus zu erahnen.
Recht entspannt scheinen die Märkte zunehmend vorsichtige Analystenkommentare gegenüber Rheinmetall (DE0007030009) aufzunehmen. Zwar geriet die Aktie in der vergangenen Woche deutlich unter Druck und büßte zeitweise um fast zehn Prozent an Wert ein. Doch die Käufer ließen sich bei Kursen von rund 1.550 Euro nicht lange bitten. Statt in Panik zu geraten, erkannten die Bullen hier offenbar eine seltene Kaufchance und zum Wochenende standen schon wieder 1.604,50 Euro auf der Anzeigetafel.
Dabei ist es nicht so, als würden die Börsenprofis nur aus einer Laune heraus vorsichtiger werden. Wie im „Handelsblatt“ zu lesen ist, sagte der Rüstungskonzern kürzlich in einer Telefonkonferenz wohl Umsätze voraus, welche leicht unter den bisherigen Erwartungen liegen. Das treibt natürlich auch die Sorge an, dass das Wachstumstempo der vergangenen Jahre etwas nachlassen könnte. Aufgrund der immer noch aktiven Aufrüstungswelle in Europa fällt es jedoch schwer, die Aktie bereits völlig abzuschreiben.
Hensoldt meldet Meilenstein
Hensoldt (DE000HAG0005) stand schon immer etwas im Schatten von Rheinmetall, konnte in der vergangenen Woche aber tatsächlich eine bessere Performance aufs Parkett legen. Das reichte zwar auch nicht, um in den grünen Bereich zu kommen. Ein Minus von knapp sechs Prozent ist aber dennoch verschmerzbarer als ein Verlust von etwas mehr als acht Prozent bei Rheinmetall.
Hensoldt beteiligte sich auch selbst etwas daran, die Stimmung unter den eigenen Aktionären etwas zu heben. Berichten konnte der Konzern über erfolgreiche Flugversucher des Trägersystems HADIS aus einem A400M herauf. HADIS soll überzeugen mit seiner Fähigkeit, Truppen auch in weiter Entfernung zuverlässig und vor allem unbemerkt versorgen zu können. Die Tests an sich sind schon eine Weile her. Kürzlich jedoch wertete Hensoldt das Ganze aus und sprach laut „Defence Network“ von großen Erfolgen, sogar von einem „Meilenstein“ war die Rede. Ob die Börse sich daran in zwei Wochen noch erinnern wird, sei dahingestellt.
Puma: Die Euphorie lässt nach
Noch gut erinnern dürften sich viele Anteilseigner von Puma (DE0006969603) daran, wie über eine mögliche Übernahme des deutschen Sportartikelkonzerns durch den chinesischen Konkurrenten Anta spekuliert wurde. Letztlich kam es auch zu dem, worüber schon vor Monaten zum ersten Mal spekuliert wurde. Die Artemis Holding veräußert knappe 30 Prozent aller ausstehenden Puma-Anteilsscheine an Anta, und das zu einem durchaus stolzen Kaufpreis.
Allerdings wird es (noch) nicht zu einer vollständigen Übernahme kommen. Erst in 15 Monaten soll darüber entschieden werden, ob Anta seinen Anteil noch weiter ausbauen wird. Bis dahin muss Puma mit den vielen noch bestehenden Problemen erst einmal weitgehend selbst klarkommen, und das ist den Herzogenaurachern in der jüngeren Vergangenheit eher schlecht als recht gelungen. Die Vorfreude auf die große Erlösung weicht etwas. Immerhin kann der Aktienkurs sich aber noch oberhalb von 20 Euro halten. Mit einem Durchbruch nach oben hat ein Kurs von 22,70 Euro zum Wochenende aber nur sehr bedingt etwas zu tun.
Das könnte teuer werden für Meta
Für einiges an Aufmerksamkeit bei Meta (US30303M1027) sorgte letzte Wcohe ein Gerichtsurteil in Dresden. Dort wurde die Facebook-Mutter in gleich vier Fällen dazu verdonnert, Nutzern Schadenersatz in Höhe von je 1.500 Euro zu zahlen. Zudem wird dem Konzern künftig untersagt, Nutzer über externe Webseiten und Apps zu tracken. Genau das soll in der Vergangenheit zum Teil sogar dann passiert sein, wenn Nutzer nicht einmal bei den Diensten von Meta eingeloggt waren.
Brisant ist die Angelegenheit für Meta nicht zuletzt deshalb, weil sich andere betroffene Nutzer einer kostenlosen Sammelklage des Verbraucherschutzvereins anschließen können. Es könnte so leicht tausende, vielleicht sogar zehntausende Klagen zusammenkommen. Das wäre selbst für Meta-Verhältnisse ein teurer Spaß, sollte jedem einzelnen eine vergleichbare Summe zugesprochen werden. Allerdings dürfte es in einer Bilanz, die für das laufende Jahr bis zu 130 Millionen Dollar an Ausgaben für KI-Rechenzentren vorsieht, selbst im schlimmsten Fall kaum weiter auffallen. Daher ist auch hier fraglich, wie lange die Börse sich mit dem Thema beschäftigen wird.
Heute dies, morgen das
Die Welt dreht sich immer schneller und die Börse folgt diesem Beispiel zweifellos. Im digitalen Zeitalter prasseln ständig neue Meldungen auf die Anlegerinnen und Anleger ein, und das häufig vollkommen ungefiltert. Was davon hängen bleiben wird und was morgen schon wieder vergessen sein mag, das lässt sich nie mit letzter Gewissheit vorhersagen. Es schadet aber nicht, sich daran zu erinnern, dass selbst so mancher riesige Skandal rückblickend betrachtet weitaus weniger Einfluss als anfangs angenommen hatte. Umgekehrt gibt es aber natürlich auch Beispiele, bei denen aus einem lauen Lüftchen ein gewaltiger Sturm wurde.
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09.02.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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