Der Chef selbst greift bei Rheinmetall zu, Micron wird skeptisch beäugt, Siemens Energy erhält Lob und BYD will hoch hinaus
Kann diesen Aktien ein erneuter Höhenflug gelingen?
Auch die größte Rallye findet früher oder später zu ihrem Ende, was die Anleger schon mal ins Grübeln kommen lassen kann. Es stellt sich stets die Frage, ob ein Aufwärtstrend unterbrochen oder wirklich endgültig beendet wurde. Zumindest eine Weile lang bleibt die Hoffnung darauf, dass manche Aktie nach einer Verschnaufpause wieder in neue Höhen emporsteigen könnte.
Der letzte Höhenflug der Aktie von Rheinmetall (DE0007030009) liegt bereits eine Weile zurück. Zwischenzeitlich machten sich dann doch Zweifel ob der hohen Bewertung breit und Munkeleien über einen möglichen Frieden in der Ukraine setzten dem Titel zusätzlich zu. In der Folge ging es von rund 2.000 auf aktuell noch etwas mehr als 1.200 Euro abwärts. Analysten erkennen jedoch noch immer Wachstumspotenzial, und das auch unabhängig vom Geschehen bei laufenden Konflikten.
Unterstützung bekommt die Rheinmetall-Aktie von den eigenen Managern. Kein Geringerer als CEO Armin Papperger soll Medienberichten zufolge Aktien zugekauft haben. Auch andere hochrangige Unternehmensmitglieder waren wohl auf Einkaufstour. Innerhalb weniger Wochen sind so mehr als sechs Millionen Euro geflossen. Das verschafft der Aktie zwar noch lange keine neuen Kursrekorde. Es ist aber ein wichtiges Signal an die Anleger. Das Unternehmen selbst ist vom Wachstumstrend überzeugt.
Micron: War es das?
Bedeutend frischer ist die fulminante Hausse von Micron (US5951121038), die zuletzt jedoch ebenfalls an Schwung verloren hat. Vor rund einer Woche markierte der Titel, angetrieben durch den KI-Boom, bei 1.089,29 US-Dollar sein bisheriges Allzeit-Hoch. Genau dort setzten Gewinnmitnahmen ein, die sich gestern fortsetzen sollten. Es ging um 1,4 Prozent auf 935,89 Dollar abwärts und nachbörslich tendierte der Kurs schwer in Richtung 900 Dollar.
Dort wäre die Micron-Aktien auch gut aufgehoben, wenn es nach den Analysten von Goldman Sachs geht. James Schneider hält die Rekorde der jüngeren Vergangenheit trotz KI-Boom für dezent überzogen. Das Geschäft sei mittlerweile besser berechenbar und das Kursziel wurde auch deutlich angehoben. Statt 400 lautet es nun aber eben auf „nur“ 900 Dollar. Weiteres Aufwärtspotenzial wird also nicht erkannt, obschon mit starken Ergebnissen gerechnet wird.
UBS hält Siemens Energy für unterschätzt?
Der Gegenwind bei Chip-Aktien hinterließ auch bei Siemens Energy (DE000ENER6Y0) Eindruck, wo der Kurs am Dienstag um 5,9 Prozent auf 148,3 Euro einknickte. Das 52-Wochen-Hoch bei 191,66 Euro ist damit erstmal in einige Entfernung gerückt. Immerhin gibt es hier aber etwas Rückendeckung aus Richtung der Analysten. Die Deutsche Bank hält an ihrer Kaufempfehlung fest und rechnet fest mit einer Rückkehr zu Kursrekorden. Das Kursziel lautet sogar auf stolzen 200 Euro.
Sorgen um Überkapazitäten bei Gaskraftwerken seien überzogen, während die Märkte nach Einschätzung von Analyst Gael de-Bray das Servicegeschäft und auch die Windkrafttochter Gamesa wohl noch unterschätzen würden. Das klingt ermutigend, hilft der Aktie aber noch nicht recht vom Fleck. Denn es bleibt die Sorge bestehen, dass auch die Erwartungen an Geschäfte mit KI-Rechenzentren vielleicht etwas zu weit in die Höhe gestiegen sind.
BYD will an die Spitze
Die besten Zeiten von BYD (CNE100000296) liegen mittlerweile schon länger zurück. Der chinesische Autobauer konnte in den vergangenen Jahren ein beeindruckendes Wachstum erzielen und zum größten E-Auto-Hersteller der Welt avancieren. Die Aktie legte einst eine Rallye hin, welche Warren Buffet Milliarden einbrachte. Doch Probleme auf dem chinesischen Markt machten den Anlegern schwer zu schaffen und die Aktie fiel in den letzten zwölf Monaten um fast 25 Prozent in Richtung Süden.
An Ambitionen mangelt es BYD allerdings noch immer nicht. Bei einem Shareholder-Meeting plauderte BYD-Präsident Wang Chuanfu über die Zukunft und gab dabei als Ziel aus, bis zum Jahr 2030 die „wahre Nummer 1“ zu sein. Gemeint damit ist, Volkswagen und Toyota zu überholen und zum größten Autokonzern der Welt aufzusteigen. Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg. Toyota verkaufte im letzten Jahr rund elf Millionen Autos. BYD landete mit 4,6 Millionen verkauften Autos auf Rang 7. Optimismus an der Börse kommt weiterhin nicht auf; der Aktienkurs ging gestern um 2,6 Prozent auf 9,46 Euro zurück.
Alles kann, nichts muss
Jede Korrektur an der Börse ist zunächst eine schmerzhafte Angelegenheit. Doch damit verbunden ist stets und immer auch die Hoffnung darauf, dass ein ansehnliches Comeback mitsamt hohen Kursgewinnen folgen könnte. Zwar wird dies nicht immer auch erfüllt, doch bei den hier behandelten Aktien bleibt dafür in jedem Fall Potenzial vorhanden.
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10.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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