Dank einer Zusammenarbeit mit Boeing malt sich Rheinmetall Chancen aus, um von einem möglichen Deal der Bundeswehr mit dem US-Konzern kräftig profitieren zu können
Drohnen stehen bei Rheinmetall vermehrt im Vordergrund
Vor Kurzem handelte sich Rheinmetall noch einen veritablen Shitstorm ein, nachdem CEO Armin Papperger sich recht abfällig über ukrainische Drohnen äußerte. Dabei dürfte nicht im Vordergrund gestanden haben, die Geräte der Ukraine schlechtzureden. Viel mehr dürfte man darum bemüht sein, die Vorzüge eigener Gerätschaften sowie solche von Partnern herauszustellen. Solche sind aktuell auch bei der Bundeswehr gefragt.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius sah sich kürzlich im australischen Bundesstaat Queensland an, welche Drohnen der US Flugzeug- und Rüstungskonzern Boeing dort schon seit rund acht Jahren entwickelt. Wie in der „FAZ“ zu lesen ist, scheint er davon recht angetan zu sein. Insbesondere die Kampfdrohne MQ-28, auch bekannt als „Ghost Bat“ sei ein ernstzunehmender Wettbewerber für künftige Beschaffungspläne. Angestrebt wird seitens der Bundeswehr, bis zum Jahr 2029 hunderte unbemannte Kampfflugzeuge anzuschaffen. Davon könnte auch Rheinmetall (DE0007030009) profitieren.
Der deutsche Konzern hat mit Boeing eine Partnerschaft rund um die fraglichen Drohnen geschlossen. Als Hersteller tritt man dabei zwar nicht in Erscheinung. Wie das Unternehmen mitteilte, möchte man jedoch als „Systemintegrator“ für Integration, Betrieb und Weiterentwicklung sorge. Zudem sei auch denkbar, die Technologie in Zukunft nach Deutschland zu übertragen und die Drohnen damit vor Ort herzustellen. Eine ähnliche Vereinbarung gebe es bereits, wodurch Rheinmetall in Brisbane Truppentransporter produzieren kann.
Drohnen der Superlative
Die von der Bundeswehr gefragten Drohnen unterscheiden sich deutlich von sogenannten Kamikaze-Drohnen. Die Gerätschaften bringen es auf eine Größe von etwa zehn Metern und eine Reichweide von über 5.000 Kilometern. Damit können billige Drohnen, wie sie die Ukraine sehr erfolgreich in ihrer Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg einsetzt, tatsächlich nicht mithalten. Zum Einsatz kommen soll die „Ghost Bat“ bei den hiesigen Streitkräften unter anderem zur Aufklärung, als Unterstützung für bemannte Kampfjets und als Beihilfe bei der elektronischen Kriegsführung.
Welches Volumen ein möglicher Deal haben könnte, darüber ist bisher noch nichts bekannt. Es wurde auch noch keine endgültige Entscheidung getroffen und es schicken sich auch noch andere Unternehmen wie Helsing und Hensoldt an, um die Gunst der Bundeswehr zu werben. Sollten sich jedoch Boeing und Rheinmetall durchsetzen, so dürfte es sich mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit um den nächsten Milliardenauftrag für den deutschen Rüstungskonzern handeln.
Die Aussicht darauf und ein allgemein wieder freundlicherer Handel bescherten der Rheinmetall-Aktie am Dienstag eine kleine Erholung. Der Kurs steigere sich um etwas mehr als zwei Prozent. Damit konnten die Bullen die nicht unwichtige Linie bei 1.400 Euro wieder zurückerobern. Zu Handelsschluss standen 1.444,50 Euro auf dem Ticker und die Sorge vor einer anhaltenden Korrektur ist wieder etwas kleiner geworden.
Unermüdlich
Insbesondere nach den jüngsten Aussagen des Rheinmetall-Chefs wurde dem Konzern hier und dort vorgeworfen, vielleicht nicht mehr ganz an der Spitze der technologischen Entwicklung zu sein und mit klassischen Gerätschaften wie Panzern an der Realität auf modernen Schlachtfeldern dezent vorbei zu entwickeln. Die nun bekanntgegebene Partnerschaft mit Boeing widerspricht diesem Narrativ jedoch und sie zeigt, dass Rheinmetall auch in Sachen Drohnen nicht untätig ist.
Weiterhin im Raum bleibt die Frage, ob große, komplexe und damit letztlich teure Gerätschaften der richtige Weg sein mögen. Da es für die Bundeswehr aber vor allem um Abschreckungspotenzial geht, schadet es mit Sicherheit nicht, auf technologischer Seite ein wenig die Muskeln spielen zu lassen. Für Rheinmetall ergeben sich einmal mehr interessante Aussichten, auch wenn die Ausschreibung bisher noch nicht veröffentlicht wurde. Abseits davon verdient der Rüstungskonzern aber auch mit zahllosen weiteren Aufträgen aus Deutschland, Europa und anderswo gutes Geld. Solange die Zeichen auf Aufrüstung stehen, bleibt Rheinmetall mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Seite der Sieger.
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01.04.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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